Review: Ys IX: Monstrum Nox

Bereits im September 2019 erschien Ys IX: Monstrum Nox in Japan. Einmal mehr dauerte es über ein Jahr, bis das Spiel auf Englisch und Französisch lokalisiert in Nordamerika und Europa veröffentlicht wurde. Im Vergleich zu den Vorgängern ist der neunte Teil viel düsterer.

In Ys IX: Monstrum, dem mittlerweile neunten Eintrag in der Ys-Reihe, schlüpfen wir erneut in die Rolle des Abenteurers Adol Christin. Gemeinsam mit seinem langjährigen Reisegefährten Dogi erreicht er die Gefängnisstadt Balduq in der Provinz Gllia-Erdlingen. Aufgrund der unfreiwilligen Beteiligungen an verschiedenen Unglücken in vorhergegangenen Spielen wird Adol verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Das können wir natürlich nicht einfach so hinnehmen und versuchen prompt aus dem Gefängnis auszubrechen. Dem Ausgang nahe werden wir jedoch von der mysteriösen Aprilis aufgehalten, die uns mit einem gezielten Pistolenschuss in ein Monstrum verwandelt. Als Monstrum sind wir dazu verdammt, in der sich regelmäßig auftuenden Grimwald Nox, einer Art Schattenwelt, gegen die so genannten Lemures zu kämpfen, die aus der Grimwald Nox entkommen wollen. Obwohl wir uns nach dem erfolgreichen Gefängnisausbruch frei in Balduq bewegen können, dürfen wir es als Monstrum nicht verlassen. Ähnlich wie im deutschen Rollenspielklassiker Gothic umgibt eine magische Barriere die Stadt, die als unnatürliche Grenze die Spielwelt einschränkt. Im Gegensatz zu Gothic erweitert sich die Spielwelt jedoch in jedem Kapitel um mindestens einen Stadtbezirk und später sogar Außenareale. Bis wir Zugriff auf die ganze Welt haben, vergehen etliche Stunden.

Aufgeblähter Handlungsstrang

Je nachdem ob wir in Ys IX die insgesamt vierzig Nebenquests bewältigen oder nicht, dauert es bis zum Abspann gut und gerne fünfzig Stunden. In dieser Zeit lernen wir nicht nur die Bewohner von Balduq peu à peu besser kennen, sondern auch die anderen Monstren, für die sich Aprilis verantwortlich zeigt. Hinzu kommen weitere Verbündete, die sich uns im Verlauf der Geschichte anschließen können. Im Handlungsverlauf eröffnen wir das Dandelion, eine Art Bar, die uns und den anderen Monstren als Unterschlupf dient. Bei den Gesprächen mit den verschiedenen Protagonisten und Nebenfiguren bemerken wir, wie tiefgründig diese ausgearbeitet sind. Allerdings müssen wir uns auf teilweise wirklich ausufernde Dialoge einlassen, die sich nicht selten auch mit vielen Nichtigkeiten beschäftigen, die unwesentlich für die eigentliche Spielerfahrung sind. Selbiges betrifft auch die Nebenquests von Ys IX, denn das Herausfinden eines Kochrezepts oder das Aufspüren eines Plüschtiers für ein kleines Mädchen sind sicherlich nicht die Aufgaben, mit denen sich Weltenretter beschäftigen sollten. So fühlt sich die durchaus interessante Story viel zu aufgebläht an, denn absolvieren wir tatsächlich alle Nebenaufgaben, von denen die wenigstens von Belang für die Handlung sind, vergehen gut und gerne 35 bis 40 Spielstunden, bis die ersten Geheimnisse aufgedeckt werden.

Dreidimensionaler Erkundungsdrang

Im Fokus des Abenteuers stehen neben der Story und den Charakteren zwei wichtige Gameplay-Elemente. Zum einen wäre das die Erkundung der Spielwelt. Schon immer war diese integraler Bestandteil der Reihe, wird in Ys IX jedoch auf eine neue Stufe gehievt. Obwohl die Spielwelt in mehrere Areale aufgeteilt ist, sorgt ein Open-World-Ansatz für frischen Wind. Die Monstren verfügen jeweils über eine besondere Fähigkeiten, die die Spielwelt ähnlich wie in Metroid und Co Stück für Stück öffnet. Beispielsweise können wir mit Crimson King alias Adol Christin Doppelsprünge ausführen, mit White Cat Wände und ganze Gebäude hochlaufen, mit Hawk durch die Lüfte gleiten oder mit Raging Bull eingeschüttete Eingänge freilegen. Das motiviert stets, die Spielwelt ganz genau abzusuchen, um auch jedes Geheimnis aufzudecken. Ys IX nutzt die Dreidimensionalität seiner Spielwelt hervorragend aus und fühlt sich an so mancher Stelle fast schon ein wenig wie A.O.T.: Wings of Freedom, Marvel’s Spider-Man oder The Legend of Zelda: Breath of the Wild an, was gewiss nicht die schlechtesten Vorbilder gewesen sein könnten. Einen Rüffel kassiert Ys IX lediglich beim Quest-System, denn fast alle Nebenaufgaben sind auf eines der insgesamt neun Kapitel beschränkt und können später nicht nachgeholt werden. Wer eine Quest verpasst, muss das Spiel von Vorne beginnen.

Actionreiches Kampfsystem

In puncto Kampfsystem orientiert sich Ys IX sehr stark am direkten Vorgänger Ys VIII: Lacrimosa of Dana. Das heißt, dass wir actiongeladene Kämpfe gegen allerhand kleine und große Monster bestreiten müssen und was das Zeug hält auf die Knöpfe des Controllers hämmern. So verpassen wir den Gegnern kleine und große Schwerthiebe, reißen sie mit Klauen in Stücke und schneiden sie mit Äxten in zwei Teile. Hinzu kommen Techniken, die die Charaktere im Verlauf der Kämpfe automatisch lernen oder über Fähigkeitsbücher beigebracht bekommen können. Jeden Skill können wir zudem zweifach aufleveln, wodurch er noch stärker wird. Da die Feinde über verschiedene Affinitäten verfügen, empfiehlt es sich vor allem in den ersten Spielstunden, zwischen den Charakteren unserer dreiköpfigen Gruppe durchzuwechseln, um deren Angriffsattribute effektiv einzusetzen. Alle Charaktere teilen sich zudem eine Leiste für Spezialangriffe, die mit normalen Attacken wieder gefüllt wird. Hat sich genug Zorn angestaut, können wir den temporären Boost-Modus aktivieren, den wir mit einem so genannten Extra Skill abschließen können, der besonders viel Schaden anrichtet. Mit an Bord sind auch die Flash Guards und Flash Moves, mit denen wir im richtigen Augenblick nicht nur Angriffe unbeschadet überstehen, sondern auch Boni wie eine Verlangsamung des Gegners bewirken.

Veraltet wirkende Technik

Grundsätzlich funktioniert die Steuerung in den Kämpfen und beim Erkunden sehr gut, doch kommt es vor allem in den ersten Spielstunden öfters vor, dass wir versehentlich den Autotext aktivieren, ungewollt einen Charakter wechseln oder zufällig einen Spezialangriff aktivieren, anstatt auszuweichen oder abzublocken. Mit der Zeit ist die verhältnismäßig überladene Steuerung aber problemlos zu meistern und wer den achten Teil bereits gespielt hat, wird sich auch in Ys IX sehr schnell zurechtfinden. Unter visuellen Gesichtspunkten ist das Spiel aber alles andere als eine Augenweide. Die Auflösung ist hoch und auf der PlayStation 5 läuft das Spiel stets flüssig. Dennoch erinnern Texturen und Umgebungen mehr an frühe PlayStation-3- und teilweise sogar PlayStation-2-Rollenspiele. Nach dem abwechslungsreichen Ys VIII ist der neunte Teil einfach viel zu trist. Hier dominieren graue, braune und schwarze, schlicht sehr triste Töne. Ein wenig besser sieht es beim Soundtrack aus. Dieser passt wunderbar zum Geschehen. Während in den einzelnen Stadtteilen meist beruhigende Melodien zu hören sind, spornen uns in Gefechten und Dungeons motivierende Klänge an, die von Musikrichtungen wie Heavy Metal oder Rock inspiriert sind. Die japanische Sprachausgabe rundet das Paket angenehm ab, ist in unseren Augen für ein Spiel dieser Größe aber viel zu selten zu hören.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ys IX: Monstrum Nox ist ein Action-Rollenspiel, das sowohl positive als auch negative Elemente zu bieten hat. Auf der Habenseite steht definitiv das flotte Kampfsystem, das nach einer kurzen Eingewöhnungszeit super von der Hand geht und auch das Erkunden der Spielwelt macht jede Menge Spaß. Dem entgegen steht jedoch die zu aufgeblähte Story. Zwar sind gerade die Momente gegen Ende des Spiels, in denen alle Geheimnisse gelüftet und offene Fragen beantwortet werden, wieder ganz großes Kino für die Ys-Reihe, aber bis dahin ist die Handlung – und daran sind die vierzig Nebenquests nicht unschuldig – einfach zu sehr mit Nichtigkeiten aufgebläht. Sämtliche Charaktere hätten die Entwickler auch in drei Kapiteln weniger vorstellen können und das Erlebnis hätte nicht darunter gelitten. Wirklich bedauerlich finde ich aber, wie das Spiel technisch umgesetzt wurde. Es läuft auf meiner PlayStation 5 zwar jederzeit sehr flüssig, was dem schnellen Gameplay zugutekommt, doch dafür sieht das Spiel abgesehen von der höheren Auflösung so aus, als wäre es auf der PlayStation 2 oder auf der PlayStation 3 erschienen. Da das Spiel von der Farbgebung ohnehin trist ausfällt, trübt das meinen Gesamteindruck leider umso mehr. Fans des Franchises kommen um Ys IX sicherlich nicht herum. Wer in die Serie einsteigen will, bekommt mit Ys VIII: Lacrimosa of Dana aber das durchaus bessere Spiel.

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ys IX: Monstrum Nox!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s