Review: SaGa Frontier Remastered

Am 11. Juli 1997 erschien SaGa Frontier für die PlayStation in Japan. Der siebte Eintrag innerhalb der SaGa-Reihe war wie seine sechs Vorgänger anders wie herkömmliche Rollenspiele dieser Zeit. Mit SaGa Frontier Remastered schießt Square Enix erneut den Vogel ab.

SaGa Frontier ist in einer kunterbunten Science-Fiction-Fantasy-Welt angesiedelt, die sich über mehrere Planeten, Regionen und Städte erstreckt. Wie wir diese Welt erkunden, ist von Anfang an uns selbst überlassen. Zu Beginn des Spiels entscheiden wir uns zunächst für einen von sieben Charakteren, mit dem wir in die Welt hinausziehen dürfen. Je nachdem welchen Charakter wir wählen, unterscheidet sich das Hauptziel der Geschichte. Haben wir das Ende des jeweiligen Storystrangs erreicht, schlüpfen wir in die Rolle der verbleibenden Charaktere und wiederholen das solange, bis wir alle wichtigen Aspekte von SaGa Frontier erlebt haben. Das Remaster ist in diesem Zusammenhang vollständiger als das Original, da es damals bei der Erstveröffentlichung nicht rechtzeitig fertiggestellte Inhalte ins Spiel geschafft haben. Mit der Spielfigur Fuse kommt sogar ein neuer Charakter und somit eine achte Geschichte hinzu. Auch wenn das Ziel für die jeweiligen Figuren feststeht, wird dieses nur grob umrissen. Wir müssen im Verlauf der Geschichten stets selbst herausfinden, wie wir die Handlung vorantreiben. Ein roter Faden durchs Spiel fehlt völlig. Für noch mehr Chaos sorgen Nebengeschichten, die teilweise charakterbezogen sind und nur unter bestimmten Voraussetzungen eintreffen. Das erhöht zwar den Wiederspielwert, schreckt im Grunde aber genauso viel ab.

Ohne Faden gerät die Welt aus den Fugen

Ein Remaster steht in unseren Augen in der Verantwortung, das ursprüngliche Spielgefühl so gut es geht einzufangen, aber auch über genügend Verbesserungen und Komfortfunktionen zu verfügen, die das Gameplay verfeinern. Dieser Spagat gelingt SaGa Frontier auf der Switch, der PlayStation 4, dem PC und etwaigen Mobile-Plattformen aber nur halbwegs. Entscheiden wir uns beispielsweise für den sorgenfreien Barden Lute und stolpern direkt in der Nähe seiner Heimat in einen Sumpf voller Monster, werden wir von diesen pulverisiert. Untersuchen wir mit ihm ein Laboratorium und reden dort mit einem Wissenschaftler, verwandelt sich dieser plötzlich in eine Bestie. Unser Tod ist vorprogrammiert. Solche Situationen treten leider viel zu häufig auf und frustrieren auf Dauer zu sehr. Das Remaster speichert das Spiel jedoch zum Glück jedes Mal automatisch, sobald wir ein neues Gebiet betreten. Es ist also quasi nie notwendig, einen separaten Spielstand anzulegen oder zu häufig Gebrauch von der Quicksave-Funktion zu machen. Dennoch fühlt sich SaGa Frontier so mehr wie ein Puzzle-Spiel als ein Rollenspiel an, denn wirklich voran kommen wir nur, wenn wir irgendwo in der Spielwelt neue Mitstreiter finden und herausfinden, wo wir die ersten Kämpfe unbeschadet überstehen können. Mit jedem weiteren Charakter wird das zwar einfacher, mühselig bleibt es dennoch.

Traditionelle und funktionierende Kampfmechaniken

Haben wir es dann früher oder später doch mal geschafft, einen Ort in der kryptisch aufgebauten Welt von SaGa Frontier zu finden, an dem wir nicht gleich von Drachen geröstet oder von Standardgegnern erschlagen werden, kommt tatsächlich so etwas wie Spielspaß auf. Wie schon in den vorherigen Ablegern der Reihe gehen die Kämpfe kinderleicht von der Hand. Wir entscheiden uns, welche unserer bis zu drei vierköpfigen Gruppen in den Ring steigt und wählen dann Runde für Runde unsere Befehle aus. Erfahrungspunkte gibt es wie in den meisten Serienteilen des Franchises nicht. Stattdessen erhöhen sich Werte wie die maximale Lebensenergie oder die Angriffskraft Stück für Stück automatisch, je nachdem welche Fähigkeiten wir im Kampf einsetzen. Auch wenn in der Schlacht mal ein Charakter fallen sollte, werden seine Trefferpunkte danach wieder komplett aufgefüllt. Beachten müssen wir aber auch die Lebenspunkte, denn bei jedem Ableben oder wenn ein Gegner auf die bewusstlosen Figuren im Kampf einschlägt, verringern sich diese um einen Punkt. Dies führt aber nicht wie in früheren Episoden der Reihe zum Permadeath. Sobald wir in einem Gasthaus nächtigen, sind die gefallenen Helden sofort wieder einsatzbereit, was ein großer Pluspunkt für das Spiel ist.

Vorbelastete Bedienungsschwierigkeiten

In puncto Bedienung kann SaGa Frontier – selbst für die Verhältnisse des Franchises – nicht mit anderen Rollenspielen mithalten. Es fällt uns schwer, unsere Charaktere geschickt durch Gebiete zu lenken, die bevölkert von Nicht-Spieler-Charakteren sind. Selbst mit dem Control Stick unseres bevorzugten Controllers lässt sich die Gruppe nur in vier Himmelsrichtungen bewegen. Dies steht im krassen Kontrast zur nicht orthogonal aufgebauten Spielwelt. Wäre dies noch zu verschmerzen, stören dann wiederum die Nicht-Spieler-Charaktere, die bereits bei Berührung und nicht erst auf Knopfdruck ein Gespräch mit uns anfangen wollen. Vor allem dann, wenn wir die Spielgeschwindigkeit verdoppelt oder gar verdreifacht haben, ist uns das ein Dorn im Auge. Die Figuren flitzen dann dermaßen schnell hin und her, dass Ausweichen nur schwerlich möglich ist. Auch die zahlreichen Menübildschirme wirken überladen, zumal nur wenig bis gar nichts und dann auch nur in einem rudimentären Tutorial erklärt wird. Es ist nichts ungewöhnliches, dass wir in Spielen der SaGa-Reihe wie der Ochs vorm Berg stehen, aber SaGa Frontier torpediert die Startschwierigkeiten und andere Unzugänglichkeiten auf diese Art und Weise unnötig. Dass die verschachtelten Menüs und ständig eingeblendeten Bildschirmanzeigen noch wie aus einem Mobile-Spiel entnommen wirken, ist ebenso unschön.

Zwiespältige Grafik trotz optischer Abwechslung

Grafisch war SaGa Frontier im Jahr 1997 bei der Erstveröffentlichung für die PlayStation über alle Zweifel erhaben. Vorgerenderte Hintergründe waren zuvor nur aus wenigen anderen japanischen Rollenspielen wie etwa dem ein halbes Jahr zuvor veröffentlichten Final Fantasy VII bekannt. Für offene Münder sorgen diese Hintergrundgrafiken im Remaster aus dem Jahr 2021 aber höchstens noch bei Nostalgikern und Retro-Fans. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die hochskalierten Texturen im Remaster im Vergleich wesentlich beeindruckender sind als im Original. Vor allem profitieren Städte und Dungeons von dieser Überarbeitung. So gehört die Stadt Koorang mit ihrem vom Cyberpunk-Genre inspirierten Neonreklametafeln zu den atmosphärischsten Orten von SaGa Frontier. Leider kann diese Qualität im Kampfbildschirm nicht ganz erreicht werden, zumal sich die Perspektive hier mit Kameraschwenks unschön im dreidimensionalen Raum bewegt. Zudem heben sich bei diesem Filter die eigentlich recht ansehnlichen Charaktermodelle zu sehr von den Hintergründen ab. Ein wenig schade ist auch, dass Square Enix wie schon bei den Neuauflagen von Romancing SaGa 2 und Romancing SaGa 3 einmal mehr auf einen standardisierten Schriftzug setzt, der eher mit zu günstig produzierten Mobile-Spielen denn größeren Rollenspielmarken in Verbindung gebracht wird.

Tolle Ohrwürmer und veraltete Soundeffekte

Optisch ist SaGa Frontier also ein zweischneidiges Schwert, an dem sich die Geschmäcker scheiden werden. Ganz anders sieht es aber zum Glück mit der akustischen Untermalung des Spiels aus. Mit dem Soundtrack ist Komponist Itō Kenji erneut der große Wurf gelungen, denn sämtliche Musikstücke passen zum jeweils dramatischen, hektischen, ruhigen oder actionreichen Geschehen auf dem Bildschirm. Vor allem die adrenalingetränkte Kampfmusik und die ruhigen Melodien mitten in idyllischen und melancholisch angehauchten Szenarien haben es uns angetan. Schnell lassen sich bei der Musik Favoriten und Ohrwürmer finden, die einem auch noch Tage und sogar Wochen später durch den Kopf spuken. In dieser Disziplin hat Itō alles richtig gemacht. Schade ist, dass die Akustik nicht wie die Grafik noch einmal überarbeitet wurde. Diese ist damit auf dem Stand von 1997. Grundsätzlich ist dies nicht so schlimm wie es sich anhört, denn die Klangqualität der einzelnen Musikstücke war bereits auf der PlayStation sehr gut und ist es heutzutage immer noch. Ein wenig mehr Feinschliff hätte dem Remaster, vor allem bei den betagten Soundeffekten, in unseren Ohren jedoch gut getan. Allgemein hätte Square Enix der Überarbeitung mehr Liebe zuwenden sollen. So bleibt das Remaster nur ein Geheimtipp für Fans von experimentellen und schwierigen Rollenspielen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Über die letzten Jahre hinweg habe ich mich zu einem Fan der SaGa-Rollenspielreihe entwickelt. Ich finde den alternativen Ansatz, wie die Spiele im Kern aufgebaut sind, einfach fantastisch. Romancing SaGa 3 gehört für mich sogar zu den besten Rollenspielen überhaupt. Mit SaGa Frontier ist der Reihe im Jahr 1997 der Umzug vom Super Nintendo auf die PlayStation aber nicht so geglückt, wie ich mir das vorgestellt habe. Es gibt keinen roten Faden, der mich durch das Spiel führt. Egal für welchen Charakter ich mich anfangs auch entscheide, werde ich einfach in die genaugenommen offene Spielwelt geworfen und muss schauen, dass ich mich zurechtfinde. Das funktioniert in meinen Augen leider mehr schlecht als recht, denn zu oft stolpere ich in ein Gebiet, in dem mich die Gegner sofort einen Kopf kürzer machen. Erst wenn ich rausgefunden habe, wo sich Mitstreiter für meine aktuelle Gruppe befinden und sich diese mir anschließen, kommt so etwas wie Freude auf. Komfortfunktionen wie ein automatisch angelegter Spielstand unterstützten dieses Gefühl ein wenig. Andere Features wie die doppelte oder dreifache Spielgeschwindigkeit sind aber nicht ganz fehlerfrei, da ich dadurch in Städten zu oft an Nicht-Spieler-Charakteren hängenbleibe oder im Kampf wichtige Hinweise zu schnell wegdrücke. In der Vergangenheit hat Square Enix deutlich bessere Neuauflagen abgeliefert, wie es zum Beispiel anhand von Final Fantasy VIII zu sehen ist. SaGa Frontier Remastered ist unterm Strich zwar kein schlechtes Spiel, aber auch kein überragendes. Es verliert sich in der Mittelmäßigkeit seiner Ansprüche und ist vor allem für Neulinge ein frustrierendes Erlebnis. Rollenspielprofis, denen keine Herausforderung zu groß ist und Lust auf eine experimentelle Erfahrung haben, dürfen zugreifen.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von SaGa Frontier Remastered!

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