Review: Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown

Virtua Fighter 5 blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn bereits 2006 erschien das Spiel in japanischen Arcade-Hallen. Ein Jahr später wurde das Spiel auf die PlayStation 3 und sogar die die Xbox 360 portiert. 2021 kehrt der Titel als Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown zurück.

Ein wenig verrückt ist die Namensgebung des Spiels schon, denn mit Virtua Fighter 5: Final Showdown schien im Jahr 2012 mit einer weiteren Fassung wirklich alles gesagt worden zu sein. Nichtsdestotrotz will es Sega noch einmal wissen und veröffentlichte mit Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown eine weitere und gar leicht aufgehübschte Fassung für die PlayStation 4. Singleplayer-Enthusiasten sollten ihre Freude schnell bremsen, denn das jetzt von Sega AM2 und dem Ryū ga Gotoku Studio entwickelte Fighting Game richtet sich in erster Linie an Freunde der Mehrspielerunterhaltung. Einzelspieler gehen zwar nicht leer aus, doch ihre Möglichkeiten sind arg begrenzt, mit dem Spiel Spaß zu haben. Los geht es mit dem Tutorial, in dem Neulinge die zu Beginn schwierige und fummelige Steuerung und erste Moves erlernen können. Sind die Techniken des gewählten Charakters erst einmal verinnerlicht, geht es auch schon in den Arcade-Modus. Wie in anderen Spielen des Genres erwarten uns hier ein paar Kämpfe, die wir nacheinander bestreiten müssen. Wir prügeln uns unter anderem vor einem buddhistischen Tempel, in einem Boxring, zwischen zerfallenen Ruinen, vor der Kulisse einer verschneiten Landschaft oder mitten in der mongolischen Steppe mit unseren Rivalen. Trotz dieser kulturellen Vielfalt wird im Spiel selbst keinerlei Story erzählt. Enttäuschend!

Kurzer und knapper Einzelspielerhappen

Haben wir uns im Arcade-Modus beispielsweise mit dem Karateka Yūki Akira, dem Shinobi Kagemaru, dem Wrestler Wolf Hawkfield oder dem Shàolín-Mönch Léi Fēi gemessen, erwartet uns am Ende noch ein Bonuskampf gegen das Mischwesen Dural. Während wir bei einer Niederlage fairerweise den Kampf immer wieder von Vorne bestreiten können, ist die Auseinandersetzung mit Dural einmalig. Nur wer den relativ knappen Arcade-Modus noch einmal durchspielt, bekommt eine neue Chance. Das ist einerseits motivierend, aber da der Arcade-Modus allgemein wenige Anreize bietet, ist dieser Umstand andererseits auch einfach dröge. Ein wenig mehr Abwechslung bringt die Möglichkeit mit sich, die Figuren zu personalisieren. Langjährigen Fans fällt auf, dass zu knappe Bekleidungen der Schere zum Opfer gefallen sind. Für Individualität stehen in Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown nur noch Brillen und andere Accessoires. Durchaus nett gemeint, aber auch nicht mehr als ein Gimmick. Abgesehen davon gibt es einen weiteren Modus im Menü, der wohl entweder mit einem Update nachgereicht wird oder freigeschaltet werden muss. Wir haben keinen Hinweis gefunden, was sich dahinter verbirgt oder wie wir den Modus freischalten. Daher ist es uns zum Testzeitpunkt am 10. Juni 2021 nicht möglich zu sagen, ob es sich dabei überhaupt um einen Einzelspielerinhalt handelt.

Mittellange Einarbeitungszeit

Richtig los geht es erst im Mehrspielermodus, der vor allem online stattfindet. Wer also nicht gewillt ist, monatlich für PlayStation Plus zu bezahlen, schaut hier maßgeblich in die Röhre. Ist das Abonnement aber erst einmal abgeschlossen, können wir uns online Rangkämpfe liefern. Alternativ können wir eine Kampflobby eröffnen, um uns beispielsweise mit Freunden zu duellieren. Die Entwickler haben für alle Sparfüchse in Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown jedoch auch an einen Offline-Modus gedacht. So können wir uns auch auf der Couch mit einem Freund oder einer Freundin virtuell die Köpfe einschlagen. Bis das erst einmal so richtig flutscht, vergehen allerdings gut und gerne ein paar Stunden. Das Fighting Game setzt auf eine mittellange Einarbeitungszeit, was die Steuerung betrifft. Vor allem Ausweichschritte und anschließende Gegenangriffe sind uns ein Graus. Hinzu kommt, dass das Tutorial nichts vormacht und die deutschen Texte manchmal ein wenig kryptisch sind. Dafür lässt sich die Knopfbelegung weitgehend individualisieren. So entscheiden wir selbst, mit welchem Knopf wir zuschlagen, zutreten oder Attacken abwehren. Fraglich ist jedoch, warum in der Befehlsliste mit vorher nicht erklärten Buchstaben statt mit den korrekten Action Buttons geworben wird. Zumindest eine optionale Einblendung der Knöpfe für Anfänger wäre hierbei hilfreich.

Altbackene Technik

Unter technischen Gesichtspunkten läuft das Spiel sehr flüssig. Das ist für das überaus schnelle Gameplay auch unbedingt erforderlich. Bei ungeübten Spielern dürfte es anfänglich auch so schon zu heftigen Problemen kommen, wenn ein Gegner zuschlägt und zu spät erkannt wird, ob die Faust im Gesicht oder in der Magengrube landet. Grafisch sieht der Titel hingegen eher veraltet aus. Vor allem die Texturen und die Gesichtsanimationen der Charaktermodelle zeugen von ihrer Herkunft. Es ist zwar sehr wohl eine deutliche Verbesserung seit der PlayStation-3-Fassung zu erkennen, vor allem was die bunten Farben und stärkeren Konturen angeht, doch für ein PlayStation-4-Spiel aus dem Jahr 2021 ist das einfach viel zu wenig. Akustisch geht das Kampfspektakel zwar in Ordnung, reißt aber ebenfalls keine Bäume aus. Die Melodien bleiben für unseren Geschmack viel zu sehr im Hintergrund anstatt uns auf das Kampfgetümmel einzustellen. Street Fighter IV hat in seinen unzähligen Versionen zwischen 2008 und 2014 doch so wunderbar gezeigt, was ein Ohrenschmaus bei einem Fighting Game auszeichnet! Die Synchronisation der Charaktere ist nicht weltbewegend, wird aber im Spiel nicht einmal untertitelt. Schlimm ist das nicht, zeigt aber einmal mehr eine der vielen ungenutzten Chancen, unter der Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown bedauerlicherweise leidet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ich möchte nicht sagen, dass Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown ein schlechtes Spiel ist. Es ist aber auch kein besonders gutes. Vor allem mit dem überschaubaren Umfang fahren die Entwickler das Spiel an die Wand. So gibt es für Einzelspieler lediglich das Tutorial, den Arcade-Modus und die Kostümierung der Kämpfer zu erleben. So gibt es keine Story-Schnipsel für die Charaktere und auch allgemein verrät das Fighting Game nichts darüber, warum sich Yūki Akira und Co überhaupt verdreschen. Mit dem Mehrspielermodus kann ich ebenso wenig anfangen, da ich selbst kein PlayStation-Plus-Abonnent bin und es wohl auch nie sein werde. Immerhin kann ich mich künftig hin und wieder mit einem Freund offline an einer Konsole messen. Da das Spiel im Gegensatz zu zugänglicheren Titeln der Street-Fighter- oder Dead-or-Alive-Reihe eine wesentlich höhere Einstiegshürde aufgrund der fummeligen und langsameren Steuerung mit sich bringt, dürfte dies aber die Ausnahme bleiben. Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown enttäuscht mich aus besagten Gründen weitgehend. Wer allerdings über ein PlayStation-Plus-Abonnement verfügt, wird mit dem Spiel mehr und vor allem auch länger Spaß haben können.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown!

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