Review: Detektiv Conan (Box 11, Episoden 282–307)

Im Dezember 2019 ging Detektiv Conan in die mittlerweile elfte Runde bei Publisher Kazé Anime. Dem Käufer erwarten in der elften Serienbox einige neue Fälle, ein paar verdächtige Schachzüge der ominösen schwarzen Organisation und sogar ein dramatischer Cliffhanger.

Ōsaka hält in der Anime-Serie Detektiv Conan immer mal wieder als Handlungsort her, wenn das Verbrechen in Japans Hauptstadt Tōkyō ruht. Den Auftakt der elften Serienbox markiert gleich ein Vierteiler, der die titelgebende Spürnase Conan respektive Kudō Shin’ichi in seiner geschrumpften Form, „Onkel“ Mōri Kogorō und dessen Tochter Ran in Ōsaka auf Trab hält. Shin’ichis Freund und Rivale Hattori Heiji unterstützt Conan und Kogorō dabei, zunächst einen Mord an einem Kendō-Turnierteilnehmer aufzulösen. Das Besondere an der vierteiligen Episode ist jedoch, dass es sich nicht um diesen einen Mord dreht, sondern die Handlung organisch mit anderen Fällen verknüpft ist. So trifft die Gruppe, die auch von Heijis Freundin Tōyama Kazuha begleitet wird, beim Besuch des Schlosses Ōsaka auf eine Gruppe Rollenspieler, die unter anderem die drei Reichseiniger des Landes, genauer gesagt Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu mimen. Am Abend fällt plötzlich jemand aus der Gruppe brennend vom Schloss. Während Conan, Heiji und Kogorō rätseln, wer der Täter ist, entdecken Kazuhas Vater Ginshirō und Heijis Vater Heizō, dass eine Verbindung zu einem ihrer alten Fälle besteht. Diese Idee, eine Geschichte über mehrere Folgen zu ziehen und auch verschiedene Fälle zu kombinieren, ist echt genial und kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

Alte Gesichter, neue Fälle

Es gibt jedoch nicht nur ein Wiedersehen mit Heiji und Kazuha, denn auch Rans Mutter Kisaki Eri taucht in zwei aufeinanderfolgende Episoden auf. Diesmal darf der Zuschauer miterleben, wie sich die Anwältin vor Gericht schlägt. Das ist vor allem deshalb so spannend, da der einzige Mensch, der ihrem Klienten ein Alibi verpasst, ihr Noch-Ehemann Kogorō ist. Komplettiert wird das Trio der Rückkehrer mit Rans bester Freundin Suzuki Sonoko, die mit den Protagonisten am Wochenende vor dem Valentinstag in ein Berghotel fährt. Dort angelangt, wollen Ran und Sonoko ihren Liebsten ganz besondere Schokolade zubereiten. Die verschneite Idylle wird aber nicht nur mit der obligatorischen Lawine, die den einzigen Weg zum Hotel zuschüttet, zunichtegemacht. Es muss natürlich auch ein Mord an einem Journalisten geschehen. Um den Tathergang zu rekonstruieren, freundet sich Conan mit dem putzigen und kecken Hund Saburō an, der selbst sein Frauchen hinters Licht führt. In einer anderen Episode wird es hingegen gruselig, denn das dreiköpfige Team Conan, Kogorō und Ran sind zu Besuch im Apartmenthaus von Herrn Otonashi, in dem es angeblich spuken soll. Obwohl es die drei Figuren mal und mal weniger reizt, dem zunächst übernatürlichen Phänomen auf die Spur zu kommen, wird das Geheimnis plötzlich von einem vier Jahre alten Mordfall überschattet.

Durchtriebene Gedanken und übertriebene Ideen

Wer auch nur ein paar Episoden von Detektiv Conan gesehen hat, der weiß ganz genau, dass die Fälle der Anime-Serie meistens sehr konstruiert sind – und auch die elfte Volume ist nicht vor perfiden Mordkonstruktionen und durchtriebenen Mordgedanken gefeit. Ein Täter versucht zum Beispiel mit einem Backstein, den er über einem peu à peu schmelzenden Eisblock befestigt, sein Opfer in einer Bandewanne zu erschlagen, während er sich zum Todeszeitpunkt ganz woanders befindet. In diesem und weiteren Fällen ermitteln die Detective Boys, die somit ebenfalls reichlich Bildschirmzeit bekommen. Die eigentliche Rahmenhandlung von Detektiv Conan wird mit ein paar Informationen gefüttert – beispielsweise wird beiläufig erwähnt, dass die schwarze Organisation Akten von Fällen, an denen Kogorō beteiligt war, nach und nach aus dem Archiv entwendet und plötzlich und unerwartet wieder zurückgegeben hat. All das könnte auch mit dem Cliffhanger in der 307. Episode zu tun haben. Was in der Folge genau passiert, soll an dieser Stelle aber ein Geheimnis bleiben. Fakt ist jedoch, dass die vorliegenden 26 Episoden mit Ausnahme sehr weniger ermüdenden Momenten wieder einmal von Anfang bis Ende überzeugen. Der Zeitgeist des Jahres 2002 verleiht der Anime-Serie mit Videobändern, Fotofilmen, Röhrenmonitoren und Internet-Cafés zusätzlichen Retro-Charme.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den Episoden 282 bis 307 der Serie): Detektiv Conan ruht sich in der elften Serienbox weiter auf den Lorbeeren aus. Soll heißen, dass es zwar Spaß macht, der kleinen Spürnase bei den Fällen zuzuschauen und mitzurätseln, wer den Mord begangen hat, doch bringt das die eigentliche Storyline keineswegs voran. So ist die schwarze Organisation nur am Rande ein Thema, wenn über verschwundene Akten geplaudert wird oder Rans verdächtige Englischlehrerin Jodie Saintemillion in Erscheinung tritt. So wird der Zuschauer weiter hingehalten und das wird er auch noch einige hundert Episoden lang. Wem das aber egal ist – und das sollte es auch – wird in 26 weiteren Folgen wunderbar unterhalten, da alle wichtigen Charaktere in irgendeiner Form auftreten, miteinander agieren und spannende Mord- und Entführungsfälle lösen. Das Grundkonzept funktioniert vor allem aufgrund der vielschichtigen Figuren weiterhin. Detektiv-Conan-Fans erwartet also einmal mehr eine grundsolide, aber vor allem gute Kost!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Detektiv Conan (Box 11, Episoden 282–307)!

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