Review: One Piece: Film Gold

Seit einigen Jahren überschwemmen gar nicht mehr so viele One-Piece-Filme die japanischen Kinos, wie es zur Anfangszeit der Anime-Serie um die Jahrtausendwende der Fall war. Das ist aber nicht schlimm, denn One Piece: Film Gold macht seinem glänzenden Name alle Ehre.

Im Falle des zwölften Films, One Piece: Film Gold, liefern die ersten Episoden der 25. Serienbox gewissermaßen eine Einleitung. Am Ende der 750. Folge wird kurz die Silhouette des Antagonisten gezeigt, der in der Anime-Serie danach aber keine größere Rolle spielt. Es bleibt bei einer Randnotiz. Allerdings ist es aus dem Grund, dass die Strohhüte zu diesem Zeitpunkt der eigentlichen Storyline mal wieder voneinander getrennt sind, gar nicht möglich, den Film einfach die Serienhandlung einzubinden. Wer damit jedoch leben kann, kommt in den Genuss eines der spannendsten One-Piece-Filme überhaupt. Das liegt unter anderem daran, dass sich One Piece: Film Gold frech von Filmen wie Ocean’s Eleven inspirieren lässt, aber sein ganz eigenes Ding durchzieht. Auf eine Exposition verzichtet der 120-minütige Film fast völlig. Während einer Gesangseinlage tauchen die Strohhut-Piraten mitten auf dem riesigen Stadt-Kasino-Schiff Gran Tesoro auf und müssen sich ein paar gierigen und fortan wohl verfeindeten Piraten entledigen. Dadurch wird Mister Gildo Tesoro, seines Zeichens Namensgeber und Herrscher von Gran Tesoro, auf die Strohhüte aufmerksam. Seinen prominenten Gästen bietet er durch seine rechte Hand, der hübschen Baccarat, einen hohen Kredit von mehreren Millionen Berry an. Monkey D. Ruffy nimmt das Angebot an und erfreut sich einer Glückssträhne.

Goldfinger Tesoro

Ruffy muss jedoch feststellen, dass auch die längste Glückssträhne irgendwann einmal ein Ende nimmt. Plötzlich schulden die Strohhüte Tesoro jede Menge Geld und müssen schauen, dass sie die Moneten bis zum Abend des nächsten Tages zusammenkratzen. Hier kommt das wundervolle Charakterdesign von One-Piece-Schöpfer Oda Eiichirō zum Einsatz, denn der Bösewicht ist selbstverständlich mit allen Wassern gewaschen. Wie Ruffy ist auch Tesoro ein Teufelsfruchtnutzer und kann jeden, der mit seinem Gold in Berührung gekommen ist, komplett mit Gold überziehen. Obwohl in One Piece nur sehr selten Figuren sterben, ist es mehr als überraschend, dass in diesem Zusammenhang per Hinrichtung Tesoros Fähigkeit demonstriert wird. Das nächste Opfer seines Goldfingers soll im Übrigen Lorenor Zorro sein, der als Geisel herhält, während die Strohhüte einen Plan aushecken. Hierbei hilft die toughe Diebin Carina, die Nami noch aus ihrer Jugend kennt und mittlerweile im Dienste von Tesoro steht. Gemeinsam wollen sie den riesigen Tresor am höchsten Punkt des Schiffes knacken. Hierzu müssen sie sich jedoch in Gruppen aufteilen, um das Sicherheitssystem von Gran Tesoro auszutricksen. Wie das bei One Piece so ist, geht auch dieser Plan schief und ob Carina vielleicht mit gezinkten Karten spielt, bleibt über weitere Strecken des Films nicht ganz klar. Spannend!

Goldig glänzender Film

Spannend ist in jedem Fall auch der Handlungsort, der sich bei den Neonleuchten deutlich an Las Vegas orientiert. Einen Schriftzug ähnlich wie in Hollywood existiert auf Gran Tesoro ebenso. Ansonsten gibt es noch Anleihen an Straßenrennen, die erbarmungsloser nicht sein könnten, und selbstverständlich übertriebene Würfel und noch größere Würfelbecher. Das mit goldener Farbe durchzogene Design des Films ist von Anfang bis Ende eine Augenweide. Ebenso gefallen die flüssigen Animationen und das Outfit der Strohhüte, die in einem ähnlichen Cowboy-Glitzer-Outfit auch in ein echtes Kasino stolzieren würden. Bei der deutschen Verkaufsversion gibt es zu den in Rōmaji und Kanji gehaltenen Texten auch deutsche Texteinblendungen. Musikalisch geht der Film, angefangen mit einem auf Deutsch gesungenen Song, in Ordnung. Die japanischen Stimmen sind natürlich ebenfalls mit an Bord. Allerdings kann der Soundtrack nicht mit den markanten Melodien der Serie mithalten, was anhand der sonst tollen Qualität ein wenig schade ist. Selbiges betrifft das Bonusmaterial von One Piece: Film Gold. Auf der Disc gibt ein dreißig Sekunden langes Grußwort von Ruffys japanischer Synchronsprecherin Tanaka Mayumi und als Beilage ein Poster. Hier verschenken Kazé Anime und Tōei Animation reichlich Potenzial. Es ist also doch nur das Gold, das glänzt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Auch wenn es mir durchaus bewusst ist, dass die meisten One-Piece-Filme nicht in den Kanon der Serie eingewoben werden können, gibt es dennoch immer mal wieder ein paar Anzeichen dafür, dass es funktioniert. Bei One Piece: Film Gold klappt das leider aufgrund der Serienhandlung nicht. Schlimm finde ich das aber auch nicht, denn abgesehen von dieser Lappalie kann die Story des Films bei mir punkten. Ohnehin mag ich Gaunerfilme, bei denen es um einen Einbruch in eine Bank oder ein Kasino geht. One Piece: Film Gold vermittelt mir bis zu einem bestimmten Grad wunderbar dieses Gefühl, zieht dann aber doch wieder sein ganz eigenes Ding durch und stellt damit am Ende auch die langjährigen Fans zufrieden, die gar nicht so viele Experimente wünschen. Es ist aber nicht nur die Handlung, die mir gefällt. Auch der Bösewicht Gildo Tesoro mit seiner tragischen, aber im Film leider zu kurz gekommenen Hintergrundgeschichte, lässt sich wunderbar in der Story verarbeiten – erst als unüberwindbares Hindernis, später zu Kleinholz. Auch optisch mag ich den Film mit seinem ansprechenden Handlungsort, dem interessanten wie grausamen Unterdrückungsansatz der Bewohner und dem irren Kasinogefühl. Nur bei den Melodien und beim Bonusmaterial hätte ich anhand der sonst fantastischen Qualität des Films etwas mehr gewünscht. Nichtsdestotrotz ist der Film definitiv eine Empfehlung wert!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von One Piece: Film Gold!

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