Review: Dragon Ball Z / GT: TV-Specials

Im März 2012 hat Kazé Anime die Dragon Ball Z / GT: TV-Specials in einer Box auf DVD veröffentlicht. Neun Jahre später reichte der Publisher im März 2021 die vier Filme auch in einer Blu-ray-Box nach, um Toriyama Meisterwerk noch ein weiteres Mal zu würdigen.

Wenn die fiktive Welt eines Animes immer größer und größer wird, werden mit der Zeit wohl oder übel Fragen aufgeworfen, die nicht direkt vom Erfinder, Regisseur oder Drehbuchautor beantwortet werden können und schlussendlich vergessen werden. Ganz so krass wie es die Fernsehserie Lost im Jahr 2010 getroffen hat, sind die Lücken im Dragon-Ball-Franchise aber nicht. Unwichtige Dinge bleiben ungelöst, doch elementare Bestandteile der Geschichte rund um Protagonist Son Gokū und seinen Freunden werden in den vorliegenden drei TV-Specials geklärt. Im ersten Special wird die Herkunft des geliebten Helden erläutert. Aus den Erzählungen ist jedem Fan klar, dass Gokū als Saiyajin vom Planeten Bejīta stammt. Seinen Vater Bādakku hat er niemals kennengelernt, doch dazu hat der Zuschauer jetzt die Gelegenheit. Bei einem Auftrag auf dem Stern Kanassa prophezeit Bādakku ein Einheimischer vor dessen Tod das bevorstehende Ende der Saiyajin. Durch seine dadurch hinzugewonnene Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, erkennt Bādakku, dass sein Auftraggeber Furīza seine Heimat auslöschen wird und er sein Volk warnen muss. Zeitgleich gewinnt der junge Prinz Bejīta immer mehr Kraft und wird vor der Vernichtung des Planeten auf seinen ersten Auftrag geschickt. Gokū wird hingegen mit einer Raumkapsel auf den Planeten Erde entsandt, wo die Handlung der chronologisch betrachtet ersten Dragon-Ball-Serie mehr als zehn Jahre später ansetzen wird.

Düstere Zukunftsaussichten

Im zweiten TV-Special erkrankt Held Gokū an einer Krankheit, gegen die er selbst mit seiner enormen Kampfkraft nichts ausrichten kann. Sein Tod hat zur Folge, dass ein halbes Jahr später die anderen Z-Kämpfer gar nichts gegen die Bedrohung der beiden Cyborgs C17 und C18 ausrichten können und somit ebenfalls dem Tod geweiht sind. Nur Gokūs erster Sohn, Son Gohan, gelingt es, dreizehn Jahr lang gegen die Cyborgs anzutreten und zu überleben. Alleine wird er jedoch niemals dazu im Stande sein, seine beiden Widersacher zu besiegen. Aus keinem anderen Grund möchte Torankusu von ihm unterrichtet werden. Es dauert jedoch nicht lange, bis Torankusus Lehrmeister Gohan von den Cyborgs getötet wird. Torankusu entkommt knapp dem Tod, muss sich jedoch eine Lösung ausdenken. Wer Dragon Ball Z (Kai) gesehen hat, der weiß, dass die Geschichte zwanzig Jahre in der Vergangenheit weitergeht. Mit einer Zeitmaschine, die von seiner Mutter Buruma erfunden wurde, kann er Gokū mit Hilfe einer speziellen Medizin retten und die Geschichte zum Wohl der Menschheit umschreiben. Das dritte TV-Special widmet sich der Anime-Serie Dragon Ball GT und spielt in der Zukunft. Nach dem Sieg gegen Super 17 kehrt auf der Erde ein einhundertjähriger Frieden ein. In dieser Zeit lebt von den bekannten Figuren nur noch Pan, die sich um ihren Enkel Gokū Junior kümmert, der nach seinem Ururgroßvater benannt wurde.

Der Kreis schließt sich

Als Pan einen Herzinfarkt erleidet, kann es Gokū Junior nicht fassen. Er erinnert sich an eine alte Legende, die ihm einst seine Großmutter erzählte. Er beschließt in die Ferne zu ziehen und den sagenumwobenen Dragon Ball vom Berg Paozu zu holen, damit es seiner Oma bald wieder besser geht. Auf seiner Reise wird Gokū Junior von einem seiner Schulkameraden begleitet, mit dem er unterwegs einige Abenteuer erlebt. Zudem muss der junge Held erst einmal selbst erfahren, was wahrer Mut bedeutet und was wahre Stärke ausmacht. Für den einen oder anderen Dragon-Ball-Fan mag das vielleicht etwas komisch wirken, zumal Gokūs Linie sonst stattliche Krieger hervorgebracht hat, doch in Zeiten des Friedens und des Wohlstands ist es aber wohl eher logisch, dass Gokū Junior kein durchtrainierter Kämpfer ist, auch wenn die Kampfkunst von einer Generation zur nächsten hätte weitervererbt werden können. Dafür entdeckt der Held etwas, was ihn für alle Zeit an seinen Ururgroßvater erinnern wird, ähnlich wie es damals bei Gokū der Fall gewesen ist. Die Köpfe hinter dem Projekt haben gezeigt, dass sie – obwohl die Coming-of-Age-Geschichte sonst eigentlich recht mau ist und keine großen Höhepunkte aufweist – für das Franchise einstehen und somit quasi an die Anfänge der Legende von den Dragon Balls zurückgehen. So schließt sich der Kreis und Fans der ersten Stunde werden sich so umso mehr an viele schöne Momente zurückerinnern.

Wiederkehrendes Song-Debakel

Obwohl alle drei Filme altersbedingt auf das 4:3-Format ausgelegt sind und vom Zuschauer angenommen werden könnte, dass sie optisch bereits veraltet sind, gibt es ein wenig Entwarnung. Alle Charaktere und Umgebungen sind mit den bekannten Farbtönen koloriert und wirken im Gesamtbild wie für das Franchise gewohnt stimmig. Dies trifft sowohl die DVD-Fassung aus dem Jahr 2012 als auch auf die Blu-ray-Version aus dem Jahr 2021 zu. Lediglich Gokū Junior fällt bildtechnisch miserabel aus. Eine digitale Überarbeitung fand offenbar nicht statt. Für die drei Specials standen einmal mehr die deutschen Synchronsprecher aus der Serie für ihre Rollen Pate. In beiden Synchronfassungen liegt der Ton im Format Dolby Digital 2.0 vor. Für die Blu-ray-Variante wäre sicherlich mehr möglich gewesen. Dennoch sind alle Dialoge und Effekte klar zuzuordnen, auch wenn die japanische Version dumpf ausfällt. Wer Japanisch versteht, wird sich aber wohl darüber ärgern, dass die japanische Tonspur nur mit deutschen Untertiteln anzusehen ist. Ein Punkt, der auch schon bei DVD-Veröffentlichung angekreidet wurde. Bei den beiden TV-Specials zu Dragon Ball Z wurde übrigens in der deutschen Fassung wieder das Opening-Lied gestrichen, während es bei der japanischen Tonspur enthalten ist. Selbiges gilt dann auch für die beiden Songs am Ende der beiden Filme. Bei der deutschen Tonspur erklingt wieder einmal nur die instrumentale Version. Lediglich beim Special Dragon Ball GT wurde sich die Mühe gemacht, sogar deutsche Songs einzubauen.

Korrigierte Laufzeit

Zwar ist das Titellied nicht gänzlich dasselbe wie in der dazugehörigen Serie und bei Weitem auch nicht so gut, doch da am Ende noch ein anderes Song (sowohl im Deutschen als auch im Japanischen) geträllert wird, ist darüber hinwegzusehen. Bei der DVD-Fassung wurde auf der Packung im Übrigen eine falsche Laufzeit angegeben. Diesen Fehler hat Kazé Anime bei der Blu-ray-Fassung glücklicherweise korrigiert. Während Son Gokūs Vater und auch Die Geschichte von Torankusu auf eine Laufzeit von jeweils 47 Minuten kommen, dauert Son Gokū Junior circa 45 Minuten. Diese Änderung ist sehr zu begrüßen, da bei der Fassung auf DVD aus dem Jahr 2012 sage und schreibe 73 Minuten hinzugedichtet worden sind. In puncto Bonusmaterial enttäuschen alle drei TV-Specials. In digitaler Hinsicht gibt es absolut keine Boni. Der Box liegen aber immerhin drei schicke Postkarten bei. Hier wäre, vor allem da es sich um eine Wiederveröffentlichung handelt, ein Booklet oder ähnliches wünschenswert gewesen. Inhaltlich können zumindest die Specials zu Dragon Ball Z sehr überzeugen. Son Gokū Junior fällt im direkten Vergleich etwas ab, ist aber bei Weitem kein Totalausfall. Er ist eben schlecht mit den vorherigen Ereignissen zu vergleichen, doch im Kontext betrachtet ergibt er Sinn und jetzt wo sich der Kreis am Ende des Dragon-Ball-GT-Specials geschlossen hat, können sich die Fans mit wohligem Gefühl zurücklehnen und alles noch einmal erleben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray- und DVD-Fassung): Es ist wirklich erstaunlich, seit wie vielen Jahren sich das Dragon-Ball-Universum bei Fans größter Beliebtheit erfreut. Mit den drei TV-Specials zu Dragon Ball Z und Dragon Ball GT schließt sich in gewisser Weise der Kreis der Geschichte, denn wenn Son Gokū Junior den Dragon Ball mit den vier Sternen findet, muss ein Fan wie ich unweigerlich an die ersten Szenen des klassischen Abenteuers denken. Ansonsten finde ich das Dragon-Ball-GT-Special aber nicht so spannend, wie es vielleicht hätte sein können. Zum einen habe ich vor unzähligen Jahren bereits die Comic-Adaption gelesen und zum anderen zieht sich die Story durch unzählige Momente, die ich von Dragon Ball so nicht gewohnt bin. Da finde ich die beiden Specials zu Dragon Ball Z, in denen ich zum einen wichtige Hintergründe über Gokūs Vater erfahre und zum anderen den eigentlich wahren Zeitstrang nach Gokū Tods einmal mit eigenen Augen sehe, deutlich besser. Unter diesem Aspekt kann ich die drei TV-Specials jedem Fan von Dragon Ball wärmstens empfehlen. Wer übrigens noch nie Dragon Ball gesehen hat, kann als Einstieg auch mit Son Gokūs Vater anfangen, um chronologisch vorzugehen. Unterm Strich bietet die Box mit den TV-Specials also sowohl das Alpha als auch das Omega der ganzen Serie!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars der Dragonball Z / GT TV-Specials [Blu-ray]!

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