Review: Dagashi Kashi (Vol. 1)

Unter ihrem Pseudonym Kotoyama veröffentlichte die Zeichnerin von Dagashi Kashi in den Jahren 2014 bis 2018 ihren Manga in Japan. Anfang 2016 lief im japanischen Fernsehen die Anime-Umsetzung, die es im November 2020 auch in den deutschsprachigen Raum schaffte.

Mitten in der ländlichen Idylle Japans lebt Shikada Kokonotsu mit seinem Vater Yō, der einen kleinen Süßwarenladen betreibt. Allerdings hat dieser nur bedingt Ahnung vom Verkauf. So gibt ihm sein Sohn regelmäßig Tipps, um die titelgebenden dagashi, sprich möglichst günstige Knabbereien und Naschereien, an den Kunden zu bringen. Deshalb sieht Yō in seinem Sohn Kokonotsu den geborenen Verkäufer. Er möchte, dass er nach seinem Schulabschluss den Süßwarenladen übernimmt. Kokonotsu ist jedoch mehr daran interessiert, eines Tages ein berühmter Manga-Zeichner zu werden. Auch wenn sein Vater an Kokonotsu und sein Talent glaubt, kritisiert er seine Zeichnungen. In Dagashi Kashi muss sich der Zuschauer auf gegensätzliche Ansichten einlassen. Da kommt es für die Entwicklung der Geschichte wie gerufen, dass mit Shidare Hotaru ein leicht hysterisches Mädchen im Dorf auftritt. Trotz des nicht vorhandenen Geschäftssinns eilt Yōs Ruf ihm voraus. Hotaru ist nämlich die Tochter eines Süßwarenherstellers und möchte, dass der Laden unter der Flagge ihres Vaters seine Geschäfte betreibt. Das führt dazu, dass Kokonotsu zwischen den Stühlen sitzt. Einerseits begrüßt er Hotarus Vorschlag, da er dann nur noch seinem Traum folgen muss. Andererseits würde sein Vater vermutlich sehr darunter leiden. Dargestellt wird das aber leider nur bedingt.

Kleine Geschichten in verschiedenen Geschmacksrichtungen

Dagashi Kashi verliert sich nach der ersten von sechs Episoden in der ersten Volume schnell in Nichtigkeiten. Anstatt die Handlung logisch voranzutreiben und die Probleme der Figuren in den Mittelpunkt zu stellen, bleibt es meistens bei einfachen Andeutungen. Stattdessen dreht sich fast alles um kleine Geschichten, bei denen verschiedene Süßigkeiten eine bedeutende Rolle spielen. Die Anime-Serie von Animationsstudio Feel versteht sich dafür als Vermittler zwischen dem Zuschauer und verschiedenen Naschwaren. Vor allem für das nicht-japanische Publikum, das vielleicht noch nie etwas von Pfeif-Bonbons gehört hat, da diese in ihrem Land nicht oder kaum bekannt sind, profitieren vom Dauerwerbesendungscharakter. Obwohl die Geschichte von Dagashi Kashi weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, kann die Serie mit den Inhalten halbwegs punkten. Ebenfalls gelungen ist der Humor, der regelrecht übertrieben und ausufernd dargestellt wird. So drücken Figuren mit gegensätzlicher Meinung ihre Köpfe gegeneinander. Bei der Vorstellung, beim Anblick oder beim Verzehr von Süßigkeiten und anderen Nahrungsmitteln ist deutlich zu erkennen, wie den Charakteren das Wasser im Mund herumläuft. Sie schwitzen regelrecht. Im Falle von Hotaru geht die Visualisierung teilweise auch mit einer leichten und teilweise sogar sehr starken Erotisierung der Situation einher.

Detaillierte Charaktere und heitere Musik

Ebenfalls hat der Humor einen Einfluss auf die grafische Darstellung der Figuren, vor allem was Gestik und Mimik betrifft. Übertrieben rote Backen oder groß leuchtende Augen sind das Ergebnis. Positiv fallen auch die detaillierten Charaktermodelle auf, bei denen selbst Falten in der Kleidung und Schattierungen am ganzen Körper zu erkennen sind. Die Figuren fügen sich in nähere Umgebungen nahtlos ein. Lediglich bei Panoramen heben sie sich zu stark und teils unschön von diesen ab. Akustisch unterlegt werden sämtliche Szenen von den Komponisten Ōsumi Tomotaka und Nobusawa Nobuaki. Die Melodien verleihen den sechs Folgen einen heiteren Charakter, was sehr gut zum Humor passt. Bei der Synchronisation sieht es leider etwas anders aus. Während die japanischen Sprecher hervorragend zu den Figuren passen und selbiges auch weitgehend für die deutschen Stimmen gilt, liegt das Problem diesmal bei der Abmischung. Wenn Musik im Hintergrund erklingt, fällt die etwas zu leise Lautstärke bei den Stimmen auf. Ein Totalausfall ist das zwar nicht, hätte bei der Qualitätssicherung jedoch auffallen müssen. Im digitalen Bonusbereich ist leider nur ein Clean Opening zu finden. Bei der physischen Ausstattung gibt es laut Herstellerangaben zumindest noch ein achtseitiges Booklet obendrauf. Dieses stand uns für diese Rezension aber leicht nicht zur Verfügung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Dagashi Kashi von 2016 ist eine heitere Anime-Serie, die mit kleinen Geschichten und auch der Vorstellung von einzelnen Süßwaren überzeugt. Im Umkehrschluss heißt das, dass die eigentliche Rahmenhandlung zu Gunsten der kulturellen Aufklärung in den Hintergrund rückt. Hier wird reichlich Potenzial verschenkt. Dafür kann der überdrehte Humor, der nicht Halt vor der visuellen Ausgestaltung der Serie macht, durchaus punkten. Maßgeblich profitieren hiervon Mimik und Gestik der Charaktere, auch wenn eine leichte und teilweise auch übertrieben starke Erotisierung der Szenen in Kauf genommen werden muss. Ansonsten kann die Serie sowohl optisch als auch auditiv sehr zufriedenstellen. Es bleibt nur zu hoffen, dass in der zweiten Staffelhälfte die Geschichte an Fahrt gewinnt oder ein Ziel erkennt und auch das Bonusmaterial etwas üppiger ausfällt.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dagashi Kashi (Vol. 1)!

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