Review: Magical Girl Site (Vol. 1)

Seit 2013 zeichnet Satō Kentarō an der Manga-Reihe Magical Girl Site. Im Jahr 2018 wurde die Reihe als Anime-Serie umgesetzt. Fast genau drei Jahre später begann hierzulande der Publisher Kazé Anime mit der dreiteiligen Veröffentlichung der insgesamt zwölf Episoden.

Trubel am Bahnübergang, die Zeit friert ein und ein Mädchen feuert mit einer Handfeuerwaffe mit herzförmigem Lauf einen Schuss ab. So und nicht anders gibt die Anime-Serie Magical Girl Site dem Zuschauer in der allerersten Szene einen Einblick auf das, was in den zwölf Episoden auf ihn wartet. Zuvor wirft die Geschichte der Anime-Serie nach dem anfänglichen Opening einen Blick zurück auf die Hauptfigur Asagiri Aya. Von ihren Mitschülerinnen wird sie Tag für Tag gemobbt. Reißzwecke und Rasierklingen liegen in ihrem Fach, ihr Stuhl wird mit Klebstoff beschmiert, Hassparolen auf ihren Tisch gekritzelt und ihr Kopf ins Wasser in  der Toilettenschüssel getaucht. Auch ein kleines Kätzchen, um das sich Aya kümmert, wird von den Mädchen getötet. Damit nicht genug wird sie zuhause zu alledem auch noch von ihrem älteren Bruder Kaname misshandelt. Selbst die Androhung einer Vergewaltigung in der Schule steht im Raum. Dem Zuschauer wird auf nachvollziehbare Art und Weise gezeigt, warum sich Aya umbringen möchte. Eines Nacht poppt auf dem Monitor ihres Bildschirms eine mysteriöse Nachricht von der titelgebenden Magical Girl Site auf. Aya bestätigt die Anfrage und erhält am nächsten Tag die Waffe mit dem Herzlauf. Als ihren letzten Ausweg schießt sie damit auf ihre Peiniger, die dann verschwinden und anderswo den Tod finden.

Von Mädchen und Jägern

Magical Girl Site gibt sich keine Blöße, unangenehme Themen anzusprechen. Die Serie versteht sich in gewisser Weise als sozialkritischer Einblick in die Gesellschaft. Allerdings wird das Thema nicht in soziologischer Form aufgearbeitet. Stattdessen rückt Selbstjustiz als zentraler Faktor in den Mittelpunkt. Trotz Versäumnissen, die Ausgangsproblematik in angemessener Form zu besprechen, bleibt somit dennoch das moralische Dilemma. Das liegt vor allem an Ayas Mitschülerin Yatsumura Tsuyuno, die sich ebenfalls als Magical Girl entpuppt. Mit ihrem Mobiltelefon kann sie die Zeit prompt anhalten und entscheiden, wer sich bewegen kann und wer nicht. Tsuyono erklärt, dass bei jeder Verwendung ihrer Zauberstäbe respektive Waffen ihre Lebenskraft schwindet. Diese wird über ein peu à peu verblassendes Symbol auf dem Arm dargestellt. Bei all diesem Trubel kommt hinzu, dass es in der Welt noch so genannte Magical Hunters gibt, die ihnen nicht wohlgesonnen sind. Sie machen Jagd auf die Magical Girls, um ihnen ihre Waffen zu stehlen. Schon am nächsten Tag muss sich Aya mit der Jägerin Shioi Rina auseinandersetzen. Rina hält Aya hinter einer magischen Barriere gefangen. So muss Aya ihre Peinigerin selbstständig bekämpfen, erhält aber immerhin noch von außerhalb Unterstützung von ihrer Freundin. Moral ist für den Konflikt entscheidend.

Erwachsene Thematik mit ernsten Inhalten

Ein weiterer Aspekt von Magical Girl Site sind die Mysterien, die in jeder einzelnen Episode aufgeworfen werden. Was genau die Magical Girl Site ist, wer dahinter steckt, was genau am 11. August um 19:23 Uhr passiert und woher die Zauberstäbe eigentlich kommen, sind nicht nur Fragen, die den Zuschauer, sondern allen voran die Protagonisten beschäftigen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die Charaktere, die glücklicherweise alles andere als eindimensional sind. Sie haben allesamt ihre persönlichen Probleme, was dazu beiträgt, sich besser in die Figuren hineinzuversetzen. Aufgrund der erwachsenen Thematik und ernsten Inhalten ist auch die Farbgebung eher dunkel und düster gehalten. Viele Szenen finden in der Abenddämmerung, mitten in der Nacht oder in geschlossenen Räumen statt. Lichtquellen gibt es nur wenige. Dazu passt auch die dezente Musik der Anime-Serie, denn die Melodien aus der Feder von Komponist Inai Keiji, die meistens auf ruhige Klavierklänge setzen, passen eindeutig zur melancholischen Grundstimmung. Gelungen ist ebenfalls die Synchronisation. Während der japanische Originalton etwas authentischer bei den Dialogen wirkt, müssen sich die deutschen Stimmen nicht dahinter verstecken. Diese passen ebenso hervorragend zu den ihnen zugewiesenen Rollen. Bonusmaterial gibt es bei Magical Girl Site leider nicht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Magical Girl Site ist gerade in Zeiten, in denen durch die sozialen Medien wie noch nie zuvor auf ernstzunehmende Probleme wie Mobbing hingewiesen wird, eine unglaublich wichtige Anime-Serie. Allerdings vergisst die Anime-Serie ihren aufklärenden Auftrag und ersetzt diese Problematik in gewissem Maße durch Selbstjustiz. Selbstverständlich werden die Entscheidungen der Figuren moralisch hinterfragt, doch tiefgründig ist das nur bis zu einem bestimmten Grad. Es handelt sich bei dem Werk schließlich auch um eine Serie, die noch eine Geschichte erzählen will. Diese ist interessant gestaltet, mit ernsten und nachvollziehbaren Themen gespickt und vor allem mit vielseitigen Charakteren ausstaffiert. Auch dass durchweg Fragen zu den Mysterien der Magical Girl Site aufgeschmissen werden, ist genau der richtige Weg, um Spannung beim Zuschauer aufzubauen. Die erste Volume ist trotz des fehlenden aufklärenden Charakters zumindest in inszenatorischer Hinsicht wirklich gelungen. So darf es in der zweiten Volume der Anime-Serie gerne weitergehen!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Magical Girl Site (Vol. 1)!

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