Review: Voice of Cards: The Isle Dragon roars

Nachdem Square Enix im Oktober 2021 mit Dungeon Encounters einen minimalistischen Ansatz verfolgte, damit aber nicht ganz überzeugen konnte, zeigte der Konzern noch im selben Monat mit Voice of Cards: The Isle Dragons roars, wie stilistisch Minimalismus sein kann.

Seitdem sich Sammelkartenspiele immer größerer Beliebtheit erfreuen, hat die Thematik in Videospielen Einzug gehalten. Nicht nur als Minispiel wie in Final Fantasy VIII und in Auftrag gegebenen Umsetzungen wie Pokémon: Trading Card Game existieren Sammelkarten in Videospielen. Selbst eigenständige Umsetzungen wie Phantasy Star Online: Episode III – C.A.R.D. Revolution oder die beiden Lost-Kingdoms-Umsetzungen haben es zu größerer Bekanntheit geschafft. Voice of Cards: The Isle Dragon roars verfolgt jedoch einen anderen Ansatz, denn es geht kaum darum, bestimmte Karten zu sammeln und sie geschickt in das eigene Deck einzuarbeiten. Stattdessen besteht die gesamte Spielwelt aus Karten, welche die für das Spiel wichtigen Elemente visualisiert darstellen. In allen anderen Belangen fühlt sich das Spiel wie ein typisches japanisches Rollenspiel an. Wir schlüpfen in die Rolle des engstirnigen und regelrecht unsympathischen Kriegers Dust, der mit seinem Monstergefährten Marin durchs Land zieht. Von der Königin höchstpersönlich wird er befehligt, den titelgebenden Drachen zu töten und das Land zu retten. Wir durchstreifen daraufhin das Königreich und schließen Bekanntschaft mit anderen Kämpfern, die den Drachen zur Strecke bringen wollen. Die Story ist zwar altbacken, doch gerade der eingestreute Humor trägt zur Stimmung bei.

Charmante und humorvolle Erzählweise

Erzählt wird das aus der leicht versetzen Vogelperspektive dargestellte Abenteuer über einen Erzähler. Immer wenn etwas auf dem Bildschirm passiert, wird das Geschehen über Spielkarten nicht nur visualisiert, sondern auch von einem guten japanischen und noch sehr viel besseren englischen Sprecher kommentiert. Obwohl Story, Setting und Szenario von Voice of Cards: The Isle Dragon roars eine erwachsene Grundstimmung aufweist, werden die ernsten Ereignisse immer wieder mit kleinen Witzen aufgelockert. Selbst Hintergründe über Dorfbewohner oder Monster, die wir mit der Zeit freischalten, sind davor nicht gefeit. An allen Ecken und Enden ist zu erkennen, dass auch in die mitreißende deutsche Übersetzung sehr viel Mühe und Zeit geflossen ist, um das Rollenspiel so atmosphärisch wie nur möglich zu inszenieren. Selbiges betrifft auch die Figuren, die richtig gut geschrieben sind. Nicht nur die Helden verfügen jeweils über ihre eigene Persönlichkeit, auch die Nicht-Spieler-Charaktere. Sie erzählen herzerwärmende wie packende kleine Geschichten. Vor allem die stetigen Auseinandersetzungen mit einer rivalisierenden Heldengruppe motivieren, unsere Gefährten beim Abenteuer nicht alleine zu lassen und mit ihnen schlussendlich dem Drachen den Garaus zu machen. Lediglich dass es nur einen einzigen Sprecher gibt, könnte auf Dauer leicht ermüden.

Durchbrechen der vierten Wand

Letzteres ist aber vom Spiel gewollt, denn Voice of Cards: The Isle Dragon roars suggeriert in der ersten Szene, dass wir an einem Tisch mit einem Spielleiter sitzen, der uns durch das Abenteuer leitet. Je nach Umgebung, die aus dutzenden oder gar hunderten nebeneinander liegenden Karten zusammengesetzt ist, können wir am Rande einen Holztisch erkennen. Wenn unsere Gruppe, die als einzelnes Objekt, das einer Schachfigur ähnelt und immer auf einer der Karten Platz nimmt, in einen Zufallskampf verwickelt wird, öffnet sich auch in Voice of Cards: The Isle Dragon roars ein Kampfbildschirm. Hierbei handelt es sich jedoch um ein abgestecktes Spielbrett, auf dem unsere Helden als einzelne Karten symbolisiert der ebenso dargestellten Feinde gegenüberstehen. Unsere Aktion ziehen wir aus einer Kartenauswahl hervor. Ob wir diese Aktion tätigen können, hängt jedoch davon ab, ob wir genügend Kristalle zur Verfügung stehen haben. Diese liegen oben links in einer kleinen Schatulle und werden bei jedem Zug um einen Edelstein aufgestockt. Auf den Karten der Helden und Gegner sind zudem Angriffs- und Verteidigungswerte sowie die aktuellen und maximalen Lebenspunkte des jeweiligen Individuums angegeben. So können wir abschätzen, wie viel Schaden unser Angriff anrichtet oder welche Auswirkung die nächste Attacke des Gegners haben wird.

Wohlige Umsetzung von Genre-Standards

Hinzu kommt, dass manche Aktionen zur Folge haben, dass wir oder der Gegner einen oder mehrere Würfel zücken müssen. Die Würfel rollen dann mit Stil übers Spielbrett. Ist der Wert hoch genug, richten wir zum Beispiel mehr Elementarschaden an oder können einen Gegner mit einem Statuseffekt belegen. In manchen Kämpfen werden sogar Ereigniskarten gezückt, die den Verlauf der Auseinandersetzung variieren können. Typisch für einen Genre-Vertreter sammeln unsere Helden auch Erfahrungspunkte und verbessern ihre Attribute, wenn sie im Level aufsteigen. In den Ortschaften können wir im Rüstungsladen unsere Recken auch neu ausstatten, wodurch künftige Kämpfe ein wenig leichter werden. Sonderlich schwierig ist der Titel allerdings nicht. Selten haben wir in Voice of Cards: The Isle Dragon roars das Gefühl, dass wir unser hart verdientes Geld für neue Ausrüstungsgegenstände oder gar Heiltränke ausgeben müssen. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt es ebenfalls nicht, was vor allem für Profis bedauerlich sein dürfte. Nichtsdestotrotz macht dieser Umstand die spaßige Erkundung der Spielwelt wett, bei der wir nach und nach alle Karten aufdecken müssen. Die Kämpfe an sich sind ebenfalls spaßig, lassen sich aber nicht ganz durchrechnen, da Affinitäten und Schwächen nicht detailliert genug sind und kritische Treffer das Blatt wenden können.

Stilistisches und atmosphärisches Abenteuer

In der PC-Version kontrollieren wir das Geschehen hervorragend per Mauszeiger. Jeder Klick geht wunderbar von der Hand. Lediglich beim Navigieren durch das umständlich zu bedienende Menü weist die Steuerung ein paar Probleme auf. Mit diesen können wir uns zwar schnell arrangieren, doch verpassen sie dem Gesamtbild einen klaren Dämpfer. Das Erscheinungsbild von Voice of Cards: The Isle Dragon roars ist über alle Zweifel erhaben, denn der Minimalismus zündet im Gegensatz zu Dungeon Encounters in jeder einzelnen Sekunde. So gefallen uns vor allem die Illustrationen und allgemein der Gedanke, wie die Spielwelt strukturiert ist. Selbst in den Menüstrukturen setzt das Rollenspiel auf dieses Konzept, wodurch eine wunderbare Einheitlichkeit gewährleistet ist. Darüber hinaus wird das Spiel hervorragend von der Musik der Komponisten Oliver Good, Okabe Keiichi und Seo Shōtarō untermalt. Die mittelalterlich klingenden Melodien machen das Abenteuer zu einem richtigen Genuss. Vor allem die zahlreichen Kämpfe wirken dadurch niemals langwierig, da der Soundtrack zur Entspannung beiträgt. Im Gegensatz zu Dungeon Encounters sollte Square Enix unbedingt noch einmal an Voice of Cards: The Isle Dragon roars anknüpfen. Wenn das Gameplay noch etwas mehr in die Tiefe gehen würde, dann könnte aus einem guten auch ein sehr guter Titel werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Minimalismus ist im Grunde kein schlechter Ansatz für ein Videospiel. Besonders Puzzle-Spiele profitieren von diesem Konzept. Beim Rollenspielgenre kann diese Idee schnell nach hinten losgehen, wie Dungeon Encounters gezeigt hat. Voice of Cards: The Isle Dragon roars von Entwicklerstudio Alim zeigt, dass es auch anders geht. Von der ersten Sekunde gefällt mir das Rollenspiel mit seiner charmanten und humorvollen Story. Im Gegensatz zu dieser reißt das überaus markante Spieldesign regelrecht Bäume aus! Die Idee, Karten nicht nur als Spielelement, sondern auch als eine Grundlage für Umgebungsgrafiken zu nutzen und im Kampfsystem tatsächlich auch noch Kristalle in ein Behältnis plumpsen und Würfel über die Unterlage rollen zu lassen, ist durchweg gelungen. In anderen Belangen erfindet das Rollenspiel das Genre-Rad nicht neu und setzt auf eingängige Standards. Schlimm ist das aber keinesfalls. Lediglich dass der Titel schon zu Beginn etwas zu leicht ist, wäre vermeidbar gewesen. Zumindest ein einstellbarer Schwierigkeitsgrad wäre ein netter Zug seitens Square Enix. Genauso wäre ein etwas besserer Umgang mit der Steuerung per Maus wünschenswert. Zwar funktioniert jeder Klick, doch gerade die Bedienung in den Menüs ist ausbaufähig. Nichtsdestotrotz ist Voice of Cards: The Isle Dragon roars eine echte Empfehlung für Rollenspielfans. Square Enix darf gerne eine Fortsetzung in Auftrag geben, die noch ein wenig tiefgründiger sein darf.

Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Voice of Cards: The Isle Dragon roars!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s