Review: Toem: A Photo Adventure

In der Flut an Videospielen, die jede Woche im eShop der Nintendo Switch landet, gehen so einige Spiele unter. Toem: A Photo Adventure ist ein Spiel, das aus dieser Masse weitgehend positiv heraussticht. Das Adventure verbindet das Konzept der Fotografie mit einer seichten Coming-of-Age-Story.

Anhand Spielen wie New Pokémon Snap für die Nintendo Switch aus dem Jahr 2021 oder Afrika für die PlayStation 3 aus dem Jahr 2008 ist ersichtlich, dass Entwickler an Fotografie als zentrales Spielelement in ihren Titeln durchaus interessiert sind. Toem vom schwedischen Entwicklerstudio Something we made schlägt ebenfalls in diese Kerbe. Dennoch geht Toem ein Stück weiter und lässt uns Fotos schießen, die wir im Adventure-Stil an der vorgesehenen Stelle als Schlüssel-Items zum Lösen von Quests einsetzen müssen. Hierfür schlüpfen wir in die Rolle eines heranwachsenden humanoiden Schafs, das unbedingt das titelgebende Naturphänomen Toem erleben will. Um was es sich bei diesem Toem handelt, wollen wir aus Spoiler-Gründen nicht verraten. Es sei nur so viel gesagt, dass es eine seltene Besonderheit in der fiktiven Welt des Spiels ist. Um Toem erleben zu können, reisen wir von einem Gebiet zum nächsten, knipsen Fotos und lassen uns von den ulkigen Bewohnern der Welt in kurzen, aber dennoch prägnanten Monologen bequatschen. So erfahren wir immer mehr über den Wald, den Strand, die Stadt oder die Berge. Um mit dem Bus ins nächste Gebiet fahren zu können, müssen wir vor Ort mindestens die Hälfte aller verfügbaren Stempel sammeln. Diese gibt es für das erfolgreiche Abschließen der spaßigen, wenn auch kurzweiligen Nebenaufgaben.

Schwierigkeitsgrad zwischen Anspruch und Zugänglichkeit

Toem fühlt sich in puncto Schwierigkeitsgrad oft zugänglich an, denn die meisten Aufgaben sind leicht verständlich. Unter anderem müssen wir einen herumstreunenden Hund zu seinem Herrchen eskortieren oder mit einer Hupe Möwen verscheuchen. An vielen anderen Stellen benötigen wir unsere Kamera, damit wir bestimmte Motive einfangen, damit sich die zahlreichen Nicht-Spieler-Charaktere an etwas erinnern. Je nach Spielertyp kann sich das Blatt beim Schwierigkeitsgrad auch wenden. Nicht jeder dürfte vielleicht darauf kommen, dass auch Lautmalerei fotografiert werden kann. Wenn sich also eine Spielfigur an eine Melodie erinnern möchte, sollten wir nach aufpoppenden Musiknoten Ausschau halten. Manchmal ist es auch notwendig, eine Situation in einem bestimmten Moment einzufangen. Gelegentlich müssen wir auch Selbstporträts von uns mit der Kamera schießen, die uns vor einer gewissen Kulisse oder in einer bestimmten Kleidung ablichten. Uns gefällt dieses Konzept sehr, da zum einen weniger kreative Spieler beim Vorankommen in der Story nicht behindert werden. Zum anderen können die letzten abzuschließenden Aufgaben auch nach dem Abspann zusätzlich anspornen, noch etwas mehr Zeit mit Toem zu verbringen. Positiv fällt ebenfalls auf, dass wir jederzeit mit dem Bus zu bereits besuchten Orten zurückkehren dürfen. So sieht Freiheit aus!

Genussvolles Abenteuer mit ungenutzten Möglichkeiten

Stilistisch betrachtet kann Toem mit einem knuffigen Grafikstil überzeugen. Das Spiel ist fast durchweg in Schwarz und Weiß und diversen Graustufen getaucht. Hin und wieder erinnert Toem mit seinem Look an betagte Cartoons wie Steamboat Willie von 1928, aber ohne dessen visuelle Eigenschaften zu kopieren. Unser Schaf kontrollieren wir meistens aus der leicht versetzten Vogelperspektive. Dadurch, dass wir die Kamera oft auch um 360 Grad drehen können, weist die Ansicht ebenfalls isometrische Elemente auf. Wenn wir unseren Fotoapparat herauskramen, wechselt das Geschehen wiederum in die Egoperspektive. Hier haben wir die Option, bis zu einem gewissen Grad stufenlos in die Umgebung hineinzuzoomen, was für die eine oder andere Aufgabe auch nötig ist. Hier fällt uns jedoch unschön auf, dass fast alle Grafiken nicht sonderlich hochauflösend sind. Besonders bei einem Spiel, das so viel Wert auf die Aspekte der Fotografie legt, ist das äußerst bedauerlich. Ebenso verpassen die Entwickler die Möglichkeit, den Gyrosensor oder den Touchscreen der Switch als Bedienungswerkzeuge zu unterstützen. Dem Spielfluss oder dem Spielspaß tut dies jedoch alles keinen Abbruch. Mit der Musik von Launchable Socks und Jamal Green wird Toem für zwei bis drei Stunden zu einem auditiven Genuss. Wer alles von Toem sehen will, rechnet ein bis zwei Stunden hinzu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Toem: A Photo Adventure erzählt weder eine sonderlich tiefgründige Geschichte, noch ist das Gameplay sonderlich anspruchsvoll. Dennoch verleiht Toem mir ein wohliges Gefühl, denn ich mag es, die unterschiedlichen Orte aufzusuchen und mehr über die fiktive Spielwelt von den ulkigen Charakteren zu erfahren. Ich finde es auch gut, dass ich nicht alle Motive einfangen muss, um im Spiel voranzukommen. Soll heißen, dass der Spielfluss nie wirklich gestört wird und ich bis zur letzten Minute schnell Fortschritte erzielen kann. Nach dem Abspann habe ich sogar immer noch Lust, die restlichen Aufgaben zu erfüllen und noch etwas mehr Zeit mit Toem zu verbringen. Das liegt vielleicht aber auch am knuffigen Grafikstil und der verträumten Musik, die das Spiel auszeichnen. Schade ist jedoch, dass Toem nicht alle Funktionen der Switch nutzt, worunter vor allem in puncto Steuerung das Fotografieren ein wenig leidet. Dennoch ist Toem eine kleine Empfehlung für alle wert, die nach einem kurzweiligen und entspannenden Titel suchen. Diese Aufgabe meistert Toem in meinen Augen nämlich richtig gut!

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