Review: Wise Man’s Grandchild (Vol. 2)

Nachdem die erste Ausgabe der Anime-Serie Wise Man’s Grandchild im November 2020 im deutschsprachigen Raum erschien, folgte die Veröffentlichung der zweiten Volume seitens Publisher Kazé Anime im Dezember und somit knapp vor den Weihnachtsferien.

Wise Man’s Grandchild knüpft in der zweiten Volume der Anime-Serie an die Geschehnisse der Folgen aus dem ersten Episodenpaket an. Im Hintergrund des turbulenten Schulalltags von Protagonist Shin Wolford bahnt sich eine dunkle Bedrohung an, die auf die Helden noch hereinbrechen wird. So hegt Shin beispielsweise den berechtigten Verdacht, dass Antagonist Schtrom den Angriff am Ende der ersten Volume überlebt hat. Hinzu kommt, dass auch das feindliche Imperium in das Königreich Earlshide einfallen will. Als dann auch noch Dämonen eine Stadt verwüsten und niederbrennen, spitzt sich die Lage endgültig zu. Im Gegensatz zu den ersten vier Folgen sind die Episoden aus der zweiten von insgesamt drei Volume von Wise Man’s Grandchild wesentlich ernster, zumal politische Züge aufgefahren werden. Trotz allem bleibt immer noch Zeit für den markanten Humor, der zum Teil auf Shins Erinnerungen an sein frühes Leben basiert. Auch dass er eigentlich überhaupt kein Allgemeinwissen über die Welt hat, in der er lebt, spielt in diesen Aspekt hinein. So erfährt Shin unter anderem neue Hintergründe über seinen früheren Trainer Michel, der in ganz Earlshide bestens bekannt ist. Auch lustig ist Shins Erklärung über seine von ihm erdachte Portalmagie und wie diese sich von der herkömmlichen Teleportationsweise abhebt. Zum Kopfzerbrechen ist das aber nicht.

Fantasievolles Gesamtbild

Diese Aspekte vermischen sich in Wise Man’s Grandchild zu einem regelrecht kunterbunten Potpourri. Trotz der Einordnung der Anime-Serie in das Isekai-Genre weiß die seichte Story mit ihrem noch seichteren Humor und den recht illustren Charaktere zumindest ein wenig zu unterhalten. Vor allem die Synchronsprecher tragen hierzu bei, denn sowohl im japanischen Originalton als auch in der deutschen Übersetzung passen die Stimmen zu den Charakteren. Es sei an dieser Stelle jedoch gesagt, dass die japanischen Synchronsprecher mit etwas mehr Elan bei der Sache sind. Dadurch kann der Humor im Originalton deutlich mehr punkten. Die deutsche Synchronisation ist aber ebenso gelungen, denn Sprecher wie Florian Marissal für Shin oder Flemming Stein für August von Earlshide hauchen ihren Rollen nicht weniger viel Leben ein. Der Soundtrack im Tonformat Dolby Digital 2.0 passt zur Serie, reißt jedoch keine Bäume aus. Optisch überzeugt Wise Man’s Grandchild mit fantasievollen Umgebungen und Hintergründen. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung in Full-HD heben sich die Charaktermodelle teilweise zu stark davon ab, zumal es ihnen häufig an Details fehlt. Die Animationen passen jedoch hervorragend ins Gesamtbild, genauso wie die stimmungsvollen Effekte bei den Zaubersprüchen. Auch will der Stil der Serie auf sich aufmerksam machen.

Stilvolle Anspielungen 

Unter stilistischen Gesichtspunkten orientiert sich Wise Man’s Grandchild an verschiedenen Werken. Beispielsweise befindet sich im Opening der Anime-Serie eine Anspielung an Square Enix’ langjährige Rollenspielreihe Dragon Quest. So ähnelt die dargestellte Weltkarte frappierend der Darstellung der Oberwelt aus den 8- und 16-Bit-Ablegern der Reihe. Das ist in jener Hinsicht spannend, da Shin als Protagonist Erinnerungen an ein vorheriges Leben in Japan trägt und somit Dragon Quest kennen müsste. Eine andere Anspielung lässt sich an den inflationär verwendeten Wischblenden, sprich den Szenenübergängen, bei denen von links nach rechts oder auch umgekehrt ein neues Bild über das alte geschoben wird. Ein Charakteristikum, das der japanische Regisseur Kurosawa Akira seinen Film verpasst hat und später von George Walton Lucas Jr. für die Star-Wars-Reihe wiederverwertet wurde. Wise Man’s Grandchild spielt das Potenzial allerdings nicht aus, denn die Dynamik der Vorbilder wird selten bis gar nicht erreicht, da meistens immer ein Standbild ohne Bewegung über das bisherige Bild, das oftmals genauso stillsteht, gelegt wird. Vielleicht soll auch dieses Stilmittel einfach nur Nerds befriedigen. Im 48-seitigen Booklet können vielleicht Antworten zu dieser offenen Frage gefunden werden. Für dieses Review stand das Heftchen nicht zur Verfügung.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Erzähltechnisch baut die Anime-Serie Wise Man’s Grandchild in der zweiten Ausgabe auf dem Grundgerüst der ersten Volume auf. Soll heißen, dass es zwar ein paar neue Aspekte über die politischen Verhältnisse gibt, die Story aber viel Zeit mit Nichtigkeiten vertrödelt. Das passt zum Isekai-Werk, das deutlich mehr Humor versprüht als vergleichbare Anime-Serien, aber führt das Konzept nicht wirklich zu einem Ziel. Auch optisch und akustisch wäre mehr möglich gewesen. Schade ist meiner Meinung nach außerdem, dass die Anime-Serie in stilistischer Hinsicht ihr volles Potenzial fast gar nicht ausspielen kann. Vor allem bei den inflationär eingesetzten Wischblenden ist auffällig, dass die Dynamik der Vorbilder von den Regisseuren Kurosawa Akira und George Walton Lucas Jr. nicht eingefangen wird. Interviews über die Nutzung der Wischblenden hätten hier aufschlussreich sein können, liegen im digitalen Bereich aber nicht vor. Ob das Booklet, das mir leider für das Review nicht zur Verfügung stand, tiefe Einblicke in dieses Konzept geben kann, kann ich nicht beurteilen. Ich habe da jedoch so meine Zweifel.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wise Man’s Grandchild (Vol. 2)!

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