Review: Star Wars: Knights of the Old Republic

Mitte 2003 erschien Star Wars: Knights of the Old Republic für die Xbox. Ende desselben Jahres erschien auch die PC-Fassung. Im November 2021 wurde das Spiel auf die Switch portiert. Dabei fällt auf, dass das Rollenspiel definitiv nichts von seinem Glanz verloren hat.

Star Wars: Knights of the Old Republic ist viertausend Jahre vor den Geschehnissen der bisherigen Kinofilme angesiedelt und spielt kurz nach den mandalorianischen Kriegen. In diesen haben auch die beiden Jedi Revan und Malak auf Seiten der titelgebenden Republik gekämpft. Während des Krieges verschwanden die beiden jedoch und kehrten später als Sith zurück. Es entbrennt ein neuer militärischer Konflikt, in den wir zu Beginn der wendungsreichen Story verwickelt werden. Bevor die Handlung aber überhaupt ins Rollen kommen kann, müssen wir unseren Helden erstellen. Hierfür stehen die drei Klassen Gauner, Soldat und Späher zur Verfügung, die sich vor allem in ihren zur Verfügung stehenden Kampffähigkeiten teilweise stark unterscheiden. Ebenfalls wichtig für die Charaktererstellung eines Rollenspiels ist natürlich die Verteilung von Attributspunkten. Die Werte entscheiden noch sehr viel mehr darüber, wie wir uns im Abenteuer schlagen können. Stärke verbessert etwa unseren Angriff, Verfassung unsere maximalen Gesundheitspunkte und Charisma ist in Gesprächen hilfreich. Hinzu kommen Fähigkeiten wie Tarnung, Überreden, Reparieren oder Heilen. Talente wiederum kommen uns vor allem in den Kämpfen zugute. Beispielsweise können wir mit dem Talent Kritischer Treffer mehr Schaden anrichten, erhalten dafür aber einen Malus auf Verteidigung.

Per Anhalter durch die Galaxis

Haben wir unseren Haudegen zusammengestellt, geht es in Star Wars: Knights of the Old Republic ans Eingemachte. Unsere erste Aufgabe besteht darin, von der Endar Spire, einem Raumschiff der Republik, zu fliehen. Das Schiff wird von den feindlichen Sith angegriffen. Mit einer Rettungskapsel gelangen wir auf den Planeten Taris und machen uns dort auf die Suche nach der Jedi Bastila. Mit der Zeit werden wir immer mehr in die ausgefeilte Geschichte des Spiels gesogen und erkunden dabei auch andere Orte wie den Wüstenplaneten Tatooine. Auch eine Ausbildung zum Jedi ist im Reisepaket inbegriffen. Alleine sind wir dabei aber nie, denn im Handlungsverlauf lernen wir andere Persönlichkeiten kennen, die sich uns anschließen. Bis zu zwei Gefährten haben neben uns in unserer Gruppe Platz. Auswechseln können wir diese im jeweils aktuellen Rückzugsort, an dem auch stets unsere Wunden geheilt werden. Toll ist, dass jede Figur eine eigene Hintergrundgeschichte hat. Wir haben also stets das Interesse, mehr über unsere illustren Begleiter herauszufinden. Auch die vielen Nicht-Spieler-Charaktere sind interessant geschrieben, sind aber vor allem Spielwiese für unsere Gesinnung. Wir entscheiden stets, ob wir freundlich oder feindselig auftreten und uns damit zur hellen oder dunklen Seite der Macht hingezogen fühlen. Auch die Quests entwickeln sich vielseitig.

Dungeons and Dragons 

Für erfolgreich abgeschlossene Quests erhalten wir Erfahrungspunkte, die wir in unsere Charakterentwicklung stecken. Sobald ein Charakter genügend Erfahrungspunkte gesammelt hat, steigt er im Level auf. Anschließend dürfen wir neue Talente lernen, Fähigkeiten verbessern und gelegentlich auch Attribute erhöhen. Pen-and-Paper-Rollenspielfans wissen unlängst, dass Star Wars: Knights of the Old Republic auf dem Regelwerk der dritten Edition von Dungeons and Dragons basiert. Leichte Abwandlungen der Regeln sorgen dafür, dass sich das Rollenspiel als Videospiel besser respektive flüssiger spielt. Vor allem die Kämpfe profitieren davon. Diese laufen zwar rundenbasiert ab, doch werden nach dem ersten von uns eingegebenen Befehl flüssige Echtzeitkämpfe suggeriert. Lediglich wenn unser Held oder einer seiner Gefährten das Bewusstsein verliert oder wir auf Knopfdruck den Kampf unterbrechen, pausiert das Geschehen. So können wir in aller Seelenruhe neue Befehle erteilen. Besonders wenn die Gesundheitspunkte einer Spielfigur sich dem Ende zuneigen, ist es keine Schande, eine kurze Verschnaufpause einzulegen, über die Schultertasten zum jeweiligen Charakter zu wechseln und ihn oder sie ein Medikit einsetzen zu lassen. Da im Hintergrund jede Aktion ausgewürfelt wird, spielt auch Glück eine kleine, aber selten eine entscheidende Rolle.

Langweilige Minispiele

Es gibt nur sehr wenig an Star Wars: Knights of the Old Republic auszusetzen. Die Quests kommen in genau der richtigen Dosis vor. Auch die Dialoge sind spannend geschrieben, ganz gut auf Deutsch synchronisiert und selten ausufernd. Wer bei der Erwähnung von Dungeons and Dragons zusammenzuckt und an ellenlange Dialoge wie in Baldur’s Gate denkt, darf also aufatmen. Das Rollenspiel ist in dieser Hinsicht dem im gleichen Zeitraum entstandenen Neverwinter Nights deutlich ähnlicher. Lediglich die Minispiele lassen zu wünschen übrig. Das fiktive Kartenspiel Pazaak ist reines Glücksspiel und kaum kalkulierbar. Bei den Swoop-Rennen müssen wir hingegen kurze und gerade Strecken möglichst schnell hinter uns bringen. Schon im Jahr 2003 haben uns diese Minispiele nur ein müdes Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Achtzehn Jahre später hat sich auch auf der Switch nichts an diesem Umstand geändert. Das ist nur logisch und nachvollziehbar, handelt es sich doch um eine schlichte Portierung aus dem Hause Aspyr. Wir sind aber gespannt darauf, wie sich das im Remake des Spiels ändern wird, das zum Testzeitpunkt noch in der Entwicklung steckt. Immerhin ist für das Remake ebenso Aspyr verantwortlich, sodass diese Kritik nicht auf taube Ohren stoßen wird – und wie gesagt: Es gibt selbst bei der Portierung nur sehr wenig am Spiel auszusetzen.

Fast makellose Switch-Portierung

Da Star Wars: Knights of the Old Republic bereits auf der Xbox erschien, lag Aspyr für die Portierung ein funktionierendes Interface vor, welches sich von der PC-Fassung vor allem in den Kämpfen stark unterscheidet. Auch auf der Switch geht die Bedienung kinderleicht von der Hand. Sowohl über den Pro Controller als auch im Handheld-Modus lassen sich unsere Charaktere einwandfrei steuern und Aktionen tätigen. Nur die Übersicht in den Menüs geht etwas flöten, wenn wir zu viele Items und Ausrüstungsgegenstände anhäufen. Trotz dem Alter des Spiels sind die Texturen ansehnlich, die vielen Schattierungen atmosphärisch und auch die Lichteffekte gehen in Ordnung. Unterschiede zur PC-Fassung sind mit der Lupe zu suchen. In unseren Augen sieht die Switch-Fassung sogar kontrastreicher aus. Allerhöchstens Spezialeffekte wie Explosionen sind auf dem PC gefühlt ein bisschen hübscher. Dafür läuft das Rollenspiel mit fünfzig Bildern pro Sekunde auf der Switch sehr flott. Nur selten fällt die Bildwiederholrate in Kämpfen unter dreißig Bilder oder weit darunter, was aber maximal ein bis zwei Sekunden dauert. Komponist Jeremy Soule baut zum Teil auf der Star-Wars-Filmmusik von John Towner Williams auf und unterlegt das Geschehen wunderbar. Lediglich dass die Musik manchmal aussetzt oder plötzlich abbricht, schmälert das sonst stimmungsvolle Star Wars: Knights of the Old Republic. Das ist aber nur kleiner Fleck auf einer fast makellosen Weste!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC- und Nintendo-Switch-Fassung): Seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 2003 gilt Star Wars: Knights of the Old Republic nicht nur als eines der besten Spiele des Franchises, sondern auch noch als eines der besten Rollenspiele aller Zeiten. Zwar mag ich andere Rollenspiele aus dieser Zeit deutlich mehr, doch kann ich nicht abstreiten, dass der von BioWare entwickelte und von Aspyr auf die Switch portierte Titel damals wie heute unglaublich atmosphärisch ist. Von der ersten bis zur letzten Minute fühle ich mich ins Star-Wars-Universum versetzt. Der Titel bietet eine dichte Story mit einer kaum vorhersehbaren Wendung und noch dazu facettenreiche Charaktere. Ich verliere mich richtig gerne in die zahlreichen Nebenquests, fühle mich mal mehr und mal weniger der hellen oder dunklen Seite der Macht hingezogen und genieße zudem die flüssigen Kämpfe. Wer schon mal Dungeons and Dragons ab der dritten Edition gespielt hat, wird sich sofort zurechtfinden – und selbst wenn nicht, ist das kein Beinbruch. Das Regelwerk wird so stark verschleiert, dass die stimmungsvolle Atmosphäre nicht darunter leidet. Beeindruckt bin ich auf jeden Fall davon, wie gut Aspyr die Portierung auf die Switch gelungen ist. In meinen Augen sieht diese auch ein wenig besser als die PC-Fassung aus. Lediglich dass die Framerate selten für ein bis zwei Sekunden stark einbricht und die Musik gerne mal aussetzt oder abbricht, hätte bei der Portierung vermieden werden können. Trotz dieser Mankos, die nicht ansatzweise so schlimm sind, wie sie klingen, kommen Star-Wars- und Genre-Fans nicht um den Kauf herum. Star Wars: Knights of the Old Republic bleibt eben ein fantastisches Rollenspiel!

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