Review: Ori and the Will of the Wisps

Nachdem Microsoft im September 2019 Ori and the Blind Forest auf die Nintendo Switch portieren ließ, war es nur eine Frage der Zeit, bis der im März 2020 erstmals veröffentlichte Nachfolger Ori and the Will of the Wisps den Sprung auf die Hybridkonsole schaffen konnte.

Im September 2020 war es endlich soweit: Ori and the Will of the Wisps wurde für die Switch veröffentlicht. Bei dem Action-Adventure handelt es sich erzähltechnisch um die direkte Fortsetzung des Seriendebüts. Der Waldgeist Ori und seine beiden Freunde Naru und Gumo helfen der kleinen Eule Ku das Fliegen zu lernen. Ku hat jedoch einen missgebildeten Flügel und kann daher nur wenige Meter über den Boden flattern, bevor sie zum Sturzflug ansetzt. Damit Ku dennoch in die Lüfte emporsteigen kann, kramt Ori eine Feder seines einstigen Widersachers Kuro aus seinen Schätzen heraus. Mit der Feder können die beiden kurzerhand luftige Höhen erreichen, werden aber ebenso schnell in einen Sturm gezogen und aus dem Waldreich Nibel in das benachbarte Waldreich Niwen geschleudert und voneinander getrennt. Auf der Suche nach Ku begleiten wir Ori aus der zweidimensionalen Seitenperspektive. Leider müssen wir bei diesem Unterfangen erfahren und erkennen, dass Niwens Geisterbaum gestorben und der Waldgeist des Reichs verschwunden ist. So werden wir nach und nach in die Geschehnisse des Landes verwickelt und müssen nicht nur Ku, sondern gleich alle Waldbewohner vor dem drohenden Untergang retten. Was der Wille der Irrlichter, so unsere grobe Übersetzung des Titels, aber eigentlich ist, erfahren wir erst ganz am Schluss der mitreißenden, aber sehr melancholischen Geschichte, die uns beim Abspann tatsächlich zu Tränen rührt.

Gelungene Verbesserungen

Während Ori and the Blind Forest selbst in der Definitive Edition auf der Switch fast ohne Text ausgekommen ist, unterscheidet sich Ori and the Will of the Wisps stark davon. Überall in der Spielwelt treffen wir auf Moki, affenähnliche Geschöpfe, und andere Tier- und Fabelwesen. Diese erklären uns in kleinen Monologen mehr über das Waldreich, was der Atmosphäre sehr zu Gute kommt. Ein paar der Charaktere treffen wir zudem an verschiedenen Orten immer mal wieder, was uns ein heimeliges Gefühl beschert. Allerdings überflügelt Ori and the Will of the Wisps seinen Vorgänger nicht nur in puncto Storytelling, auch das Gameplay ist ein ganzes Stück besser. Dabei spielt sich das Action-Adventure grundlegend nicht wirklich anders. So erkunden wir die Spielwelt, meistern an Jump ’n’ Runs wie Donkey Kong Country 2: Diddy’s Kong Quest oder Super Mario World 2: Yoshi’s Island angelehnte Geschicklichkeitspassagen, springen über Abgründe und legen uns in flotten und gut spielbaren Kämpfen mit feindlichen Kreaturen an. Besiegte Gegner hinterlassen das mysteriöse Geisterlicht, das als Währung herhält. Bei diversen Nicht-Spieler-Charakteren können wir mit dem Geisterlicht neue Fähigkeiten wie die Möglichkeiten, Feinde in Brand zu setzen, brüchige Wände einzureißen, unter Wasser zu atmen oder einen Dreifachsprung auszuführen, erwerben. Ebenso ist es möglich, dass wir im Austausch gegen das Geisterlicht Eigenschaften wie unsere Verteidigung, Schadensausteilung, Gesundheit oder Energiekapazität verbessern.

Aufpoliertes Gameplay

Elementare Verbesserungen, die für den Fortschritt in Ori and the Will of the Wisps zwingend erforderlich sind, erlernen wir wie schon im Vorgänger an speziellen Punkten in Form von magischen Bäumen und können also gar nicht verpasst werden. Einen Talentbaum wie noch in Ori and the Blind Forest, bei dem alle optionalen Fähigkeiten konsekutiv freigeschaltet werden, gibt es allerdings nicht mehr, was zu einem weniger linearen Erlebnis führt. Mit neuen Fähigkeiten im Gepäck öffnet sich uns peu à peu die Spielwelt. Wenn wir nicht gerade mit geschlossenen Augen durch die Gegend laufen, entdecken wir regelmäßig Erweiterungen für unsere Gesundheit oder Energie. Außerdem sind zahlreiche Geisterlichtgefäße versteckt, die wir auch für den Abschluss von kniffligen Rennen erhalten. Wollen wir mehr Geistersplitter ausrüsten und so mehr Fähigkeiten gleichzeitig aktivieren können, müssen wir uns hingegen an Schreinen in Kämpfen mit Gegnern messen. Mit ansteigender Spielzeit werden wir also wie im großen Vorbild Metroid mächtiger und damit auch mutiger, noch tiefer in das Waldreich Niwen einzutauchen. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es jetzt auch Bosskämpfe, die je nach Spielfortschritt mal schwieriger und mal leichter ausfallen. Die aus dem Vorgänger bekannten Fluchtpassagen kommen wesentlich seltener vor, sind besser designt, weniger schwierig und fühlen sich deshalb auch absolut nicht mehr so spielzeitstreckend an. Grandios!

Reichlich Motivation trotz ärgerlicher Abstürze

Stattdessen haben in Ori and the Will of the Wisps Nebenmissionen Einzug gehalten, die uns Geisterlicht, Geistersplitter oder andere Quest-Items bescheren. Wer hier an Tauschaufgaben wie in The Legend of Zelda: Link’s Awakening denkt, darf genüsslich schweigen. So macht es gleich doppelt so viel Spaß, die Spielwelt zu erkunden, da wir schließlich jederzeit über neue Geheimnisse stolpern können. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir von den Bewohnern des Waldreichs häufig auf Gerüchte aufmerksam gemacht werden. Nicht selten ertappen wir uns dabei, prompt die auf der Karte plötzlich markierten Orte aufzusuchen. Aufgrund des sehr schönen Grafikstils, der uns genauso gut wie beim Vorgänger gefällt, hüpfen und laufen wir einfach gerne durchs Waldreich, zu dem auch dunkle Höhlen, eine sandige Wüste, verschneite Berge und ein ganzes Seengebiet gehören. Die Musik, bei denen Klavierklänge dominieren, ist ebenfalls wieder ein traumhafter Genuss für unsere Ohren. Leider ist die Steuerung immer noch so empfindlich wie beim ersten Teil, doch da das Spiel jetzt alle paar Sekunden automatisch speichert, sind Frustmomente so gut wie ausgeschlossen – wären da nicht die zahlreichen Abstürze. Bis wir den Abspann nach etwa 14 Stunden erreicht hatten, ist uns das Spiel circa zehn Mal abgeschmiert. Ein Problem, an dem bereits die PC- und Xbox-One-Fassung leidet, wurde bei der Switch-Portierung leider nicht behoben. Wer dieses vermeidbare Manko außer Acht lässt, kommt allerdings in den Genuss eines großartigen Spiels, das seinen Vorgänger in wirklich allen Punkten überflügelt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Ori and the Will of the Wisps steht seinem Vorgänger in so gut wie Nichts nach. So gefällt mir die Story, allein aufgrund der höheren Textdichte, wesentlich besser. Sie motiviert mich durchweg, mehr über den Wald und seine Bewohner herauszufinden, die Eule Ku zu retten und die besonders zum Ende hin auftretende Melancholie zu ertragen und schließlich zu akzeptieren. Auch das Gameplay kann mich im zweiten Teil der Reihe deutlich mehr überzeugen, da das Spiel ein wesentlich besseres Leveldesign aufweist und mich mit ein paar interessanten Bossgegnern überrascht. Ich mag es einfach, die Spielwelt zu erkunden, jede Menge Geheimnisse aufzuspüren und Waldgeist Ori der Reihe nach mit neuen Fähigkeiten auszustatten, nur um noch tiefer ins visuell beeindruckende und akustisch faszinierende Spiel einzutauchen. Es ist allerdings unverständlich, warum das Spiel pro Stunde durchschnittlich einmal aus nicht reproduzierbaren Gründen abstürzt. Das trübt den Gesamteindruck, besonders wenn ich mich gerade in eine knifflige Stelle verbeiße oder die Welt intensiver erkunde, in meinen Augen stark. Wem das aber nichts ausmacht, sollte Ori and the Will of the Wisps unbedingt eine Chance geben, denn das Action-Adventure gehört zum Pflichtprogramm für jedweden Genrefan.

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