Review: Crisis Core: Final Fantasy VII – Reunion

Ursprünglich erschien Crisis Core: Final Fantasy VII – Reunion im Jahr 2007 in Japan für die PlayStation Portable. Obwohl der Titel das erfolgreichste Spiel für Sonys tragbaren Handheld war, blieb das Spiel tatsächlich bis zum 13. Dezember 2022 auf dieser Plattform gefangen.

Im Rahmen der sogenannten Compilation of Final Fantasy VII begann Square Enix im Jahr 2003 damit, das Universum um eine der beliebtesten Episoden der Rollenspielreihe stark zu erweitern. Zum Ausbau des Final-Fantasy-VII-Kosmos gehört neben dem Animationsfilm Final Fantasy VII: Advent Children aus dem Jahr 2005 auch Crisis Core: Final Fantasy VII. Dieses Action-Rollenspiel schmiss der japanische Hersteller Square Enix fünfzehn Jahre nach der Erstveröffentlichung mit dem Zusatz Reunion erneut auf den Markt, zumal die Cashcow mit den Remakes des Hauptwerks der vertikalen Reihe ohnehin noch zur Genüge gemolken werden dürfte. Angesiedelt ist Crisis Core wenige Jahre vor den Geschehnissen von Final Fantasy VII. Wir schlüpfen in die Haut von Protagonist Zack Fair, der im Hauptspiel nur als Randnotiz auftaucht. Zack arbeitet als eine Art Soldat für den Energiekonzern Shinra. Im Auftakt des Spiels wird er in einen militärischen Konflikt mit der Region Wutai verwickelt. Er ist überzeugt von den Absichten seines Arbeitgebers und stellt die Gewinnung von Makō, einer im Planeten vorkommenden Energie, die auch als Lebensstrom bezeichnet wird, gar nicht in Frage. Dies ändert sich jedoch im Verlauf des Spiels, in dem sich mehrere Fraktionen herausbilden, die allesamt ihre eigenen und zum Teil auch gespenstisch gleichen Ziele verfolgen.

Vorgeschichte mit Altbekanntem

Seine Arbeit führt Zack in Crisis Core an verschiedene Orte, die schon aus Final Fantasy VII bekannt sind. So erkunden wir unter anderem die gigantische Stadt Midgar mit ihren Slums und erleben sogar den Nibelheim-Vorfall hautnah mit. Aus letzterem Grund können wir auch nur dazu raten, zuerst das Hauptspiel anzugehen, da gerade dieses Ereignis eine gravierende Handlungswendung darstellt. Darüber hinaus trefft ihr in Crisis Core auch auf viele wichtige Figuren aus dem ursprünglichen Werk. Hierzu zählen unter anderem das Blumenmädchen Aerith Gainsborough, der Elite-Soldat Sephiroth und der Gardist Cloud Strife. Diese Figuren scheinen mit dem Schicksal von Zack untrennbar verbunden zu sein. Es bleibt aber auch Platz für neue Figuren wie seinen Mitstreiter Angeal Hewley, zu dem Zack aufblickt. Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach dem Dissidenten Genesis Rhapsodos, der ebenso eine sehr wichtige Rolle in Crisis Core spielt. Erzählt wird die Geschichte in mehreren konsekutiven Kapiteln, die für ein stringentes Erlebnis sorgen. Hinzu kommen viele Anspielungen auf den fiktiven Roman Loveless, der in der Welt von Final Fantasy VII einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt. Im Klartext heißt das, dass ein Teil der Story eine metaphysische Ebene erreicht. Dies zeigt sich in den tiefgründigen Gesprächen und wird sogar visuell ausgedrückt.

Actionorientertes Kampfsystem

Im Gegensatz zu Final Fantasy VII setzt Crisis Core keineswegs auf ein rundenbasiertes Kampfsystem. Stattdessen laufen die Auseinandersetzungen ähnlich wie im Remake aus dem Jahr 2020 stark actionorientiert ab. Laufen wir durch die sehr überschaubaren Gebiete, die in der Regel schlauchartig aufgebaut sind und nur wenig Platz für das freie Erkunden lassen, können wie aus dem Nichts Gegner auftauchen. Im selben Atemzug wird das Kampfareal abgesteckt und das Scharmützel kann beginnen. Um den Feinden ordentlich einzuheizen, attackieren wir mit normalen Angriffen oder setzen Materia ein, mit denen wir bestimmte Spezialangriffe oder gar Zaubersprüche ausführen dürfen. Gegnerischen Attacken können wir zudem ausweichen oder diese abblocken. Letzteres sollte nicht unterschätzt werden, da die Kämpfe insbesondere in den ersten Spielstunden herausfordernd sein können. So stellen Militärs, Roboter und allerhand Monster zu Beginn des Spiels durchaus eine Bedrohung dar. Der Schwierigkeitsgrad steht und fällt jedoch mit der Zeit, die wir in Crisis Core investieren. So schalten wir nach und nach dreihundert Missionen frei, die wir an jedem Speicherpunkt in der Spielwelt beginnen können. Diese sind zwar äußerst kurz, halten aber viele wertvolle Belohnungen für uns bereit, mit denen wir Zack geradewegs in eine Kampfmaschine verwandeln.

Mit der Lizenz zum Glücksspiel

Einerseits wären da Ausrüstungsgegenstände wie Armreife oder Halsketten, die Zack einen Bonus auf Attribute, Resistenzen oder ständig aktive Spezialeffekte verleihen. Andererseits erhalten wir Fusionsgegenstände, mit denen wir ausrüstbare Materia verstärken können. So haben wir beispielsweise nicht nur Zugriff auf starke Blitzmagie, sondern können auch einen Bonus auf unseren Magiewert erhalten. Passt uns die Art des Attributsbonus einer Materia nicht, können wir den Bonus durch verschiedene Fusionsgegenstände auch umwandeln. Wer sich mit dem System früh genug auseinandersetzt, dürfte selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad keinerlei Probleme haben. Darüber hinaus lässt sich Zack in Crisis Core auch ganz normal aufstufen, indem wir haufenweise Auseinandersetzungen bestreiten und Erfahrungspunkte sammeln. Allerdings setzt das Action-Rollenspiel hier sehr stark auf den Zufallsfaktor. In jedem einzelnen Kampf laufen in der oberen linken Bildschirmecke drei oder viel mehr sechs Walzen ähnlich eines Glücksspielautomaten ab. Diese Walzen zeigen auf der einen Seite Bilder von bestimmten Charakteren und beschwörbaren Kreaturen. Auf der anderen Seite zeigen sie auch Zahlen. Je nach Ergebnis unterscheiden sich die Art und die Intensität der Spezialaktion. Level-ups werden übrigens zufallsbedingt nur durch drei Sieben ausgelöst.

Frischzellenkur mit mehr Höhen als Tiefen

Obwohl diese Mechanik schon im Original eine zu belächeln ist und sie in der Neuauflage dringend hätte überarbeitet werden sollen, fällt sie nicht stark ins Gewicht. Schließlich haben wir stets die Option, Zack als einzigen spielbaren Charakter über die Materia so zu personalisieren, dass seine Fähigkeiten unserer Spielweise entsprechen. Lediglich wer alle Trophäen in der PlayStation-5-Fassung freischalten will, dürfte gerade zum Ende des Spiels ausflippen. Hin und wieder werden bei drei gleichen Bildern bei den Walzen Videosequenzen abgespielt, die Story-Schnipsel zeigen. Für eine Trophäe müssen wir tatsächlich alle Sequenzen sehen. Welches Video hierbei aber abgespielt wird, ist rein zufällig. Dem eigentlichen Spielspaß tut dies aber keinen Abbruch. Es macht unglaublich viel Spaß, sich durch die Gegnerhorden zu schnetzeln, Zack peu à peu zu verbessern und der Handlung zu folgen. Nicht ganz unschuldig daran ist auch die neue Optik des Spiels, die stark überarbeitet wurde. Der comicartige Artstyle, wie er auf der PlayStation Portable vorhanden ist, hat Square Enix durch einen erwachsenen Look ersetzt. Auch wenn manche Animationen veraltet wirken, ist die Grafik beeindruckend. Auch die englische und japanische Synchronisation ist gelungen, wobei es sich bei der englischen Vertonung tatsächlich um Neuaufnahmen handelt. Eine deutsche Synchronisation erfolgte leider nicht. Dafür gibt es deutsche Untertitel, die weitgehend in Ordnung gehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Crisis Core: Final Fantasy VII – Reunion kommt genau zur richtigen Zeit. Nach dem Remake von Final Fantasy VII aus dem Jahr 2020 ist es nur sinnvoll, die Vorgeschichte in einem frischen Gewand zu präsentieren. Die Handlung ist spannend inszeniert, wartet mit vielen Höhen und Tiefen für die Charaktere auf und bietet vor allem für Kenner der Vorlage viele Momente zum Schmunzeln, ausgelöst durch bekannte Handlungsorte und Charaktere. Wer zum Beispiel wissen will, woher das einzigartige Panzerschwert stammt und wie es in den Besitz von Cloud Strife gelangt ist, erhält in Crisis Core die Antwort. Darüber hinaus weiß auch das Gameplay des Action-Rollenspiels zu begeistern. Die Kämpfe gehen gut von der Hand, das ständige Verbessern der Spielfigur macht Laune und auch das Abschließen von Missionen eignet sich hervorragend dazu, auch einfach mal zwischendurch Crisis Core in die Konsole einzulegen. Lediglich die schiere Masse an Missionen ist ein wenig übertrieben und auch der Zufallsfaktor kann hier und da nerven. So kann es durchaus passieren, dass stundenlang kein Stufenaufstieg erfolgt und plötzlich in einer Stunde drei oder vier Mal das Level-up aufpoppt. Die überarbeitete Grafik, die fantastische japanische Synchronisation und die allgemeine Atmosphäre machen das aber wieder wett. Fans des Hauptspiels kommen um Crisis Core definitiv nicht herum. Besitzer der PlayStation-Portable-Fassung dürfen ebenfalls erneut zugreifen, da die überarbeitete Grafik bis auf so einige veraltete Animationen ein ganz neues Spielgefühl vermittelt.

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