Review: Rent-a-Girlfriend (Vol. 1)

Basierend auf der Manga-Reihe von Miyajima Reiji, die 2017 ihr Debüt feierte, entstand bei TMS Entertainment im Jahr 2020 die erste Staffel der Anime-Serie Rent-a-Girlfriend. Aufgeteilt auf drei Volumes erschien im Juli 2022 das erste Episodenpaket bei Kazé Anime.

Rent-a-Girlfriend erzählt die Geschichte des Studenten Kinoshita Kazuya, für den es nicht besser laufen könnte. Er studiert in Japans Hauptstadt Tōkyō und ist offenbar glücklich in einer Beziehung. Zumindest bis zu Beginn der Handlung, denn schon in der ersten Szene der Anime-Serie beendet seine Freundin die Beziehung, da sie sich in einen anderen Mann verliebt hat. Seine ach so heile Welt zerbricht von einen Moment auf den anderen. So sucht er Trost in den Weiten des Internets und findet dort auf einer Website die Möglichkeit, sich eine Freundin zu mieten. Auf diesem Weg lernt Kazuya die bildhübsche Mizuhara Chizuru kennen, die ihm gegenüber auch äußerst freundlich ist und zudem gebildet scheint. Obwohl Kazuya schnell merkt, dass all das nur eine finanzielle Masche ist, mit der sie eben ihr Geld verdient, trifft er sie weiter. Bei einer Verabredung eskaliert die Situation dennoch in einem Streit, der jäh von einem Anruf unterbrochen wird: Kazuyas Großmutter ist im Krankenhaus gelandet. Mit Chizuru im Schlepptau begibt er sich ins Krankenhaus und stellt sie als seine Partnerin vor. Chizuru spielt die Maskerade in Rent-a-Girlfriend mit und realisiert kurz darauf, dass auch ihre Großmutter im selben Krankenhaus liegt. Plötzlich befinden sich die beiden Turteltauben in einer Situation, aus der es für sie vermeintlich kein Entkommen mehr gibt.

Gefangen in der Abwärtsspirale

Wirklich unverbraucht ist das Setting von Rent-a-Girlfriend nicht. Schon in dem einen oder anderen Projekt gab es ähnliche Situationen, in die die Charaktere geworfen wurden. Trotz dieser Tatsache nutzt die Anime-Serie von Regisseur Koga Kazuomi jeden erdenklichen Moment, um die Ausgangslage noch heikler zu gestalten. Kazuyas Großmutter jedoch hat einen Narren an Chizuru gefressen und will sie unbedingt so bald wie möglich wiedersehen. Da sich die beiden als Geschichte ausdenken, dass sie sich getrennt haben, um nicht noch weiter in diese Abwärtsspirale zu geraten, stellt sich das jedoch als schwieriger heraus als gedacht. Hinzu kommt, dass die beiden offenbar dieselbe Universität besuchen und zufälligerweise sogar Nachbarn sind. Auch dass Kazuyas Exfreundin Nanami Mami auf dem Campus hier und da anzutreffen ist, macht die allgemeine Situation für den Schwerenöter nicht gerade einfacher. Viel gravierender sind jedoch Zusammenstöße mit Freunden, wenn Kazuya und Chizuru in der Stadt zusammen gesehen werden. So müssen sie die Scharade weiter aufrechterhalten und machen alles noch viel komplizierter. Rent-a-Girlfriend lässt keinen Moment ungenutzt, um die Charaktere zu fordern – und den Zuschauer zum Lachen zu bringen. So tragisch die Situation für Kazuya auch sein mag, so humorvoll werden die Szenen dafür auch ausgeschmückt.

Charakterbezogene Erzählweise

Handlungstechnisch konzentriert sich Rent-a-Girlfriend auf das Verhalten von Kazuya, der in den ersten vier Folgen alles andere als leicht mit Mami und Chizuru umgeht. Der Fokus liegt auf seiner persönlichen Entwicklung, wozu die soziale Interaktion mit seiner Umwelt dient. Rent-a-Girlfriend macht es dem Zuschauer daher einfach, sich mit Kazuya und den anderen Akteuren zu identifizieren. Dies liegt zum Teil auch am weitgehend urbanen Setting, das die Anonymität für die Charaktere aufbricht. Auch der obligatorische Ausflug ans Meer steht in der Anime-Serie an der Tagesordnung – und auch dort kommt es wieder zu einem Zufall, der für den einen oder anderen Lacher sorgt. Nicht unschuldig daran sind die Synchronsprecher, die sowohl im japanischen Originalton als auch in der deutschen Version ihren Charakteren im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 genügend Tiefe verleihen. Langweilig oder sogar langwierig wird es für den Zuschauer in keiner der vier Episoden, die eine Laufzeit von je 24 Minuten einnehmen. Aufgrund dessen, dass sich die Folgen meistens auf einen bestimmten Vorfall oder eine besondere Situation beziehen, eignen sie sich wirklich hervorragend für das Anschauen zwischendurch. Das digitale Bonusmaterial fällt mit Clean Opening und Clean Ending äußerst dürftig aus. Als physische Dreingabe gibt es ein Poster und eine Artcard.

Geschrieben von Eric Ebelt

Eric Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Rent-a-Girlfriend erzählt möglicherweise keine originelle Geschichte, eine tragische und humorvolle Story dafür aber sehr wohl. Es ist äußerst unterhaltsam, Protagonist Kazuya dabei zu beobachten, wie er von der einen unschönen Situation ins nächste Fettnäpfchen schlittert. Auch wenn die Ausgangslage für Kazuya sicherlich nicht die Beste ist und sich die Abwärtsspirale durch Wunschdenken und Lügen immer weiter dreht, sind es gerade die Dialoge und die Zufälle, die Rent-a-Girlfriend so sehenswert und unterhaltsam machen. Comedy und Romance geben sich wahrhaftig die Klinke in die Hand. Nach vier Episoden dürfte dem Zuschauer klar sein, dass die Strapazen nur der Beginn einer noch größeren Verkettung der Umstände sind. Zusammen mit den gut geschriebenen Charakteren, die tiefgründiger sind als es den Anschein macht, weiß die Anime-Serie auf ganzer Linie zu überzeugen. Wer etwas für humorvolle und tragische Momente übrig und auch mit nachvollziehbarer wie gespielter Romantik keine Probleme hat, sollte bei Rent-a-Girlfriend einen Blick riskieren!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Rent-a-Girlfriend (Vol. 1)!

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