Review: Wonder Boy: Asha in Monster World

Am 1. April 1994 erschien mit Monster World IV der sechste Teil der Wonder-Boy-Reihe in Japan. Dem europäischen Publikum wurde das Original lange Zeit vorenthalten. Das Remake, Wonder Boy: Asha in Monster World, erschien im Mai 2021 zum Glück weltweit zeitgleich.

Wer das Wonder-Boy-Franchise untersucht, wird auf eine sehr spannende Entwicklung stoßen. Angefangen als Jump ’n’ Run und Arcade-Titel formte sich die Reihe mit der Zeit mehr und mehr zur Action-Adventure-Serie. Während dieser Umstand noch leicht zu verstehen ist, wird es bei den Bezeichnungen der einzelnen Serienteile peu à peu abstruser. Nur mit Hinblick auf die japanischen Originaltitel ist nachzuvollziehen, warum Monster World IV seinem Namen gerecht wird. Mit den vorherigen Spielen hat der sechste Serienteil, dem im Mai 2021 unter dem Alias Wonder Boy: Asha in Monster World auf der Switch, der PlayStation 4 und dem PC ein Remake spendiert wurde, storytechnisch fast nichts mehr zu tun. Wir schlüpfen in die Rolle der titelgebenden Kriegerin Asha. Nun ja, zu Beginn des Abenteuers ist sie das vielleicht noch gar nicht. Im orientalisch angehauchten Königreich Rapadagna muss sich Asha diesen Titel in der ersten halben Spielstunde zunächst verdienen. Nachdem wir mit ihr die Mutprobe gemeistert haben, verleiht uns Purapril, die Dreizehnte, ihres Zeichens Herrscherin von Rapadagna, den begehrten Titel. Mit der Ernennung zur Kriegerin beginnt das Abenteuer aber erst, denn Rapadagna wird von einer sich rasch ausbreitenden Dunkelheit bedroht. Ein Glück, das sich ganz zufällig eine Kriegerin im Land auffällt, die sich dem Bösen stellen will.

Bekanntes Genremuster

Obwohl die zuckersüße, aber niemals herausragende Geschichte von Wonder Boy: Asha in Monster World so gut wie nichts mit der Handlung der Vorgänger zu tun hat, orientiert sich das Gameplay relativ stark an Wonder Boy in Monster World und Wonder Boy III: The Dragon’s Trap. Wir laufen mit Asha über saftige Wiesen, erklimmen mit ihr einen düsteren Turm, erkunden einen feurigen Vulkan und durchkämmen mit ihr einen dichten Dschungel. Bei diesem Unterfangen hüpfen wir über Abgründe und legen uns mit Monstern an. Hierzu steht uns ein Säbel zur Verfügung, mit dem wir Blobs, Golems und Geistern das Fürchten lehren. Haben wir oft genug die Feinde getroffen, dürfen wir eine magische Attacke entfesseln. Wirklich herausfordernd sind die Gegner auf dem normalen Schwierigkeitsgrad aber eigentlich nicht. Meistens bleibt genug Platz, um in der zweidimensionalen Level-Architektur auszuweichen und im richtigen Moment zurückzuschlagen. Außerdem zieht ein gegnerischer Angriff niemals mehr als einen als Herz symbolisierten Energiepunkt ab. Unsere Lebensenergie erhöhen wir im Übrigen damit, dass wir uns in der Stadt mit erbeutetem Geld bessere Armreife kaufen und die zweihundert im Königreich verteilten Lebenstropfen einsammeln. Immer dann, wenn wir zehn Stück gesammelt haben, erhalten wir ein zusätzliches Herz. Echt motivierend!

Lineare Spielweltstruktur

Leider fällt Wonder Boy: Asha in Monster World recht linear aus. Wir kehren zwar regelmäßig in die Hauptstadt als Ausgangspunkt zurück, doch sobald wir uns einmal in ein Außengebiet teleportiert haben, stecken wir dort erst einmal fest. Hinzu kommt, dass wir uns nur bedingt frei durch diese Levels bewegen können. Segeln wir mit Hilfe unseres kleinen blaufarbigen Flatterbegleiters Pepelogoo, der uns bereits in der ersten Spielstunde zur Seite gestellt wird, einen Abgrund hinunter und verpassen dabei einen Lebenstropfen, müssen wir das Level nach Abschluss noch einmal von Anfang bis Ende spielen, um diesen einsammeln zu können. Aufgrund der immensen Größe der Spielabschnitte, die recht repetitiv aufgebaut sind, ist das leider eine Zumutung. Im Remake des 16-Bit-Klassikers hätten solche Spieldesignschnitzer unbedingt ausgemerzt werden müssen, so spaßig die tollen Sprungpassagen, die seichten Rätsel und die flotten Kämpfe auch sein mögen. Perfektionisten werden vor unnötige Herausforderungen gestellt. Glücklicherweise ist es möglich, jederzeit zu speichern und ältere Spielstände zu laden. Aufgrund des schnellen Gameplays vergessen wir diese Funktion aber gerne mal und ärgern uns dann darüber, Verpasstes erst später nachholen zu können, ohne gleich ganze Gebiete noch einmal zu wiederholen. Das ginge im Jahr 2021 doch so viel besser!

Technische Problemchen

Steuerungstechnisch gibt es wenig zu bemängeln. Asha lässt sich grundsätzlich gut per Analog-Stick bewegen. Problematisch ist nur die Aktivierung des Schildes, um Angriffe abzublocken. Dies funktioniert über die Schultertasten oder über eine Analog-Stick-Bewegung nach unten. Letzteres passiert ungewollt aber auch einfach so beim Laufen. Alternativ können wir Asha via Richtungstasten beziehungsweise Steuerkreuz auf dem Pro Controller bewegen. Zum Laufen ist es aber notwendig, das Steuerkreuz in besagte Richtung zweimal zu drücken. Da wir ständig von höheren Plattformen, Abgründen oder Gegnern aufgehalten werden, fällt das störend auf. In technischer Hinsicht gibt es noch ein leichtes Dauerruckeln auf der Switch zu beanstanden. Besonders wenn viel auf dem Bildschirm passiert, fällt die Bildwiederholrate von circa fünfzig Bildern pro Sekunde für zwei bis drei Sekunden auf dreißig Frames runter. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Bildwiederholrate auf einen festen Wert zu begrenzen. Dies hätte Wunder bewirkt, zumal die eigentliche Comic-Grafik keinen Grund für die teils heftigen Schwankungen liefern sollte. Akustisch gibt es schöne Musik auf die Ohren, die das Geschehen passend untermalt. Für Fans des Mega-Drive-Originals ist Wonder Boy: Asha in Monster World ein echter Tipp. Mit dem spirituellen Nachfolger, Monster Boy and the Cursed Kingdom aus dem Jahr 2018, kann das Remake aber leider bei Weitem nicht mithalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Ich habe zwar nur wenige Teile der Reihe gespielt, doch Wonder Boy: Asha in Monster World macht mir durchaus Spaß. Das liegt vor allem am flotten Gameplay wie den tollen Hüpfpassagen und den schnellen Kämpfen. In den einzelnen Levels passiert fast jede einzelne Sekunde etwas. Diese Nonstop-Action ergänzt den seichten Adventure-Anteil wirklich gut. Storytechnisch ist das Abenteuer eher mau. Es greift Motive auf, die ich in den meisten Spielen zugenüge gesehen habe. Der Titel will eher mit seinem Gameplay punkten, das aber nicht immer zum restlichen Spieldesign passt. Beispielsweise können Objekte verpasst werden, für die ich den ganzen Level noch einmal spielen muss, um sie einzusammeln. Die Blockfunktion, die ich über den Analog-Stick oft genug versehentlich aktiviere und die nicht konstante Bildwiederholrate sind zudem technische Probleme, die einfach nicht sein müssten. So bietet Wonder Boy: Asha in Monster World unterm Strich zwar ein angenehmes Spielgefühl, doch die Entwickler hätten erkennen müssen, dass es inzwischen weitaus bessere Alternativen wie Monster Boy and the Cursed Kingdom gibt. Wer das Original kennt, darf dem Spiel mit seinem Nostalgiefaktor aber gerne noch ein paar Sympathiepunkte geben.

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