Virtua Fighter 5 blickt auf eine längere Historie zurück, denn erstmals erschien das Fighting Game 2006 in japanischen Arcade-Hallen. Seither hat der Titel verschiedene Auftritte auf diversen Plattformen hingelegt. Im Januar 2025 kamen erstmals PC-Spieler in den Genuss.
Schon bei Virtua Fighter 5: Ultimate Showdown aus dem Jahr 2021 haben wir die leicht kuriose Namensgebung der Spielreihe angemerkt, ist die Vorgängerversion doch bereits mit dem Untertitel Final Showdown bestückt. Ein weiteres Mal will es Sega jedoch wissen und veröffentlichte mit Virtua Fighter 5: R.E.V.O. eine Portierung von Ultimate Showdown für den PC. Soll heißen, dass so ziemlich alles beim Alten bleibt. Fans von Singleplayer-Spielen kommen also auch dieses Mal nicht auf ihre Kosten. Der von Sega AM2 und dem Ryū ga Gotoku Studio entwickelte Titel richtet sich in erster Linie ans Fans der Mehrspielerunterhaltung. Einzelspieler gehen zwar nicht ganz leer aus, doch ihre Optionen sind begrenzt. Los geht es mit dem Tutorial, in dem Neulinge die nach wie vor schwierige wie fummelige Steuerung und erste Moves erlernen. Sind die Techniken des gewählten Charakters erst einmal verinnerlicht, geht es auch schon in den Arcade-Modus. Wie in anderen Spielen des Genres erwarten uns hier ein paar Kämpfe, die wir nacheinander bestreiten müssen. Wir prügeln uns unter anderem vor einem buddhistischen Tempel, in einem Boxring, zwischen zerfallenen Ruinen, vor der Kulisse einer verschneiten Landschaft oder mitten in der mongolischen Steppe mit unseren Rivalen. Trotz dieser kulturellen Vielfalt wird im Spiel abermals keinerlei Story erzählt. Enttäuschend!
Überschaubares Einzelspieler-Erlebnis
Haben wir uns im Arcade-Modus zum Beispiel mit dem Karateka Yūki Akira, dem Shinobi Kagemaru, dem Wrestler Wolf Hawkfield oder dem Shàolín-Mönch Léi Fēi gemessen, erwartet uns am Ende noch ein Bonuskampf gegen das Mischwesen Dural. Während wir bei einer Niederlage fairerweise den Kampf immer wieder von Vorne bestreiten können, ist die Auseinandersetzung mit Dural einmalig. Nur wer den relativ knappen Arcade-Modus noch einmal durchspielt, bekommt eine neue Chance. Das ist einerseits motivierend, aber da der Arcade-Modus allgemein wenige Anreize bietet, ist dieser Umstand andererseits auch einfach dröge. Ein wenig mehr Abwechslung bringt die Möglichkeit mit sich, die Figuren zu personalisieren. Langjährigen Fans fällt auf, dass zu knappe Bekleidungen der Schere zum Opfer gefallen sind. Für Individualität stehen euch in Virtua Fighter 5: R.E.V.O. nur Brillen und andere Accessoires. Durchaus nett gemeint, aber auch nicht mehr als ein Gimmick. In Anbetracht dessen, dass das Fighting Game inzwischen in der mindestens fünften Auflage erschienen ist, enttäuscht Sega auf ganzer Linie. Es wäre doch endlich einmal angebracht gewesen, anstatt einer schnöden Portierung die Stellschrauben an den richtigen Positionen neu auszurichten, damit auch Fans von Einzelspieler-Action deutlich mehr in das Spielkonzept eingeführt werden.
Unverändert mittellange Einarbeitungszeit
Richtig los geht es also erst im Multiplayer-Modus, der vor allem online stattfindet. Gegenüber der PlayStation-4-Version aus dem Jahr 2021 hat die PC-Variante diesbezüglich jedoch einen entscheidenden Vorteil: Das Spiel läuft ohne zusätzliche Kosten und läuft online zum Testzeitpunkt am 30. Januar 2025 auch weitgehend flüssig. Alternativ zu den schnellen Duellen können wir eine Kampflobby eröffnen, um uns beispielsweise mit Freunden zu duellieren. Die Entwickler haben für alle Sparfüchse in Virtua Fighter 5: R.E.V.O. jedoch auch an einen Offline-Modus gedacht. So kann sich ein Freund oder einer Freundin einen Stuhl schnappen und einen Controller anschließen, damit wir uns virtuell die Köpfe einschlagen. Bis das so richtig flutscht, vergehen gut und gerne ein paar Stunden. Das Fighting Game setzt nach wie vor auf eine mittellange Einarbeitungszeit, was die Steuerung betrifft. Vor allem Ausweichschritte und Gegenangriffe sind ein Graus. Hinzu kommt, dass das Tutorial nichts vormacht und die deutschen Texte manchmal kryptisch sind. Dafür lässt sich die Knopfbelegung weitgehend individualisieren. So entscheiden wir, mit welchem Knopf wir zuschlagen, zutreten oder abwehren. Fraglich ist, warum in der Befehlsliste mit nicht erklärten Buchstaben statt mit den korrekten Action Buttons geworben wird. Dies war schon bei Ultimate Showdown nervig.
Altbackene Technik mit kleinem Update
Unter technischen Gesichtspunkten läuft das Spiel sehr flüssig. Das ist für das überaus schnelle Gameplay auch unbedingt erforderlich. Bei ungeübten Spielern dürfte es anfänglich auch so schon zu heftigen Problemen kommen, wenn ein Gegner zuschlägt und zu spät erkannt wird, ob die Faust im Gesicht oder in der Magengrube landet. Grafisch sieht der Titel hingegen auch auf dem PC veraltet aus. Vor allem die Texturen und die Gesichtsanimationen der Charaktermodelle zeugen von ihrer Herkunft. Waren die Verbesserungen bei Ultimate Showdown noch deutlich spürbar, suchen wir die Unterschiede bei der PC-Variante abseits einer höheren Auflösung aber mit der Lupe. Da wäre mehr möglich gewesen! Akustisch geht das Kampfspektakel zwar in Ordnung, reißt aber auch auf dem PC keine Bäume aus. Die Melodien bleiben für unseren Geschmack viel zu sehr im Hintergrund anstatt uns auf das Kampfgetümmel einzustellen. Street Fighter IV hat in seinen unzähligen Versionen zwischen 2008 und 2014 doch so wunderbar gezeigt, was ein Ohrenschmaus bei einem Fighting Game auszeichnet! Die Synchronisation der Charaktere ist nicht weltbewegend, wird aber im Spiel nicht einmal untertitelt. Schlimm ist das zwar nicht, zeigt aber doch einmal mehr eine der vielen ungenutzten Chancen, unter der Virtua Fighter 5: R.E.V.O. bedauerlicherweise immer noch leidet.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC- und der PlayStation-4-Fassung): Ich möchte nicht sagen, dass Virtua Fighter 5: R.E.V.O. ein schlechtes Spiel ist. Es ist aber auch kein besonders gutes. Vor allem mit dem überschaubaren Umfang fahren die Entwickler das Spiel genauso wie die PlayStation-4-Version von 2021 an die Wand. So gibt es für Einzelspieler lediglich das Tutorial, den Arcade-Modus und die Kostümierung der Kämpfer zu erleben. Ebenso gibt es keine Story-Schnipsel für die Charaktere und auch allgemein verrät das Fighting Game nichts darüber, warum sich Yūki Akira und Co überhaupt verdreschen. Immerhin hat die PC-Variante für mich den Vorteil, dass ich für die Nutzung der Online-Funktionen nichts zahlen muss. So kann ich dem Titel immerhin online noch die eine oder andere Chance geben. Das Spiel bringt jedoch im Gegensatz zu zugänglicheren Titeln der Street-Fighter- oder Dead-or-Alive-Reihe eine wesentlich höhere Einstiegshürde aufgrund der fummeligen und langsameren Steuerung mit sich, worauf ihr euch einlassen müsst, falls ihr kein Fan der Serie oder vorheriger Varianten des fünften Teils seid. Virtua Fighter 5: R.E.V.O. enttäuscht mich zwar nicht ganz so sehr wie Ultimate Showdown, bleibt aber hinter meinen Erwartungen zurück. Die Entwickler haben das Potenzial nicht genutzt, um die Schwachstellen auszubessern.
Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Virtua Fighter 5: R.E.V.O.!