Review: Saros

2021 veröffentlichte Sony Interactive Entertainment den vom finnischen Entwicklerstudio Housemarque stammenden Rogue-like-Shooter Returnal. Fünf Jahre später ist der Nachfolger Saros fertig, der handlungstechnisch zwar neue Wege einschlägt, aber sonst ähnlich bleibt.

Immer und immer wieder aufs Neue – so und nicht anders lassen sich Videospiele, die sich dem Rogue-like-Prinzip bedienen, wohl am ehesten beschreiben. Returnal gehört definitiv zu dieser Sorte Spiel und spaltete 2021 die Gemüter. Wir haben das damals noch exklusive Spiel für die PlayStation 5 kritisch beäugt. Für uns haben die negativen Aspekte zu sehr überwogen als dass wir mit dem Spiel längerfristig Spaß haben konnten. Im Vorfeld hat es uns Saros daher nicht leicht gemacht – wenige Stunden nach Spielstart sah es da schon ganz anders aus, denn obwohl der Titel noch dieselben Defizite wie Returnal aufweist, schließt er Spieler, die mit den Nerven schnell am Ende sind, nicht weiter aus. Nichtsdestotrotz geht Saros zunächst den Weg, das Spiel so zu präsentieren, wie Housemarque es gedacht hat. Dies beginnt bei der kryptischen Geschichte. Wir schlüpfen in die Rolle des Vollstreckers Arjun Devraj, der zusammen mit der Besatzung des Raumschiffs Echelon IV auf dem Planeten Carcosa gestrandet ist. Sie sind auf der Suche nach einer Kolonie, zu welcher der Kontakt unlängst abbrach. Auf dem ominösen Planeten stellen sie fest, dass Teile der Besatzung den Verstand verloren haben, verschwinden oder wieder auftauchen. Beim Erkunden von Carcosa fällt auf, dass sich der ganze Planet verändert und Devraj wiederkehrt, sollte er beim Erkunden den Tod erleiden.

Schießen, ausweichen, aufladen, kontern

Spieltechnisch handelt es sich bei Saros um einen Rogue-like-Shooter mit Action-Adventure-Anleihen, den wir aus der Third-Person-Perspektive erleben. Jedes Mal, wenn wir in eines der Biome des Planeten aufbrechen, verändert sich die Level-Architektur. Wie bei Returnal fällt auch hier wieder auf, dass die Varianz der einzelnen Abschnitte äußerst gering ist, denn kaum haben wir unser Ableben gefunden und machen uns erneut auf ins Abenteuer, kommt eine überschaubare Anzahl an Level-Bausteinen zum Tragen. Wir erkunden alte Tempelruinen, versteckte Höhlen oder auch mit Schlingpflanzen durchzogene Abschnitte. Innerhalb dieser Areale kommt die gefräßige Fauna zum Tragen, die an rezente oder ausgestorbene Tiere unserer Realität nachempfunden sind, aber stets angriffslustig Jagd auf uns machen. Wir erwehren uns mit Schusswaffen aus der Ferne oder schlagen mit einzelnen Attacken brachial im Nahkampf zu. Gegnerischen Manövern weichen wir gezielt aus. Die feindlichen Projektile sollten wir jedoch mit einem Schutzschild abwehren, denn dieser sammelt die Energie der an Bullet-Hell-Shooter erinnernden Salven, wodurch wir einen Schuss aufladen und mit diesen mehr Schaden anrichten können. Gerade die Zwischen- und Endbosse sollten wir vornehmlich mit aufgeladenen Schüssen bearbeiten, da sich diese Scharmützel sonst arg in die Länge ziehen.

Modifizierbarer Schwierigkeitsgrad

Saros ist durchaus knifflig, denn Devraj ist eine Ein-Mann-Armee und muss sich nicht selten gleich fünf oder mehr Gegnern erwehren. Der Schwierigkeitsgrad ist somit der Grund dafür, warum wir regelmäßig ins Gras beißen. Mit gesammeltem Lucenit können wir in der Passage, dem Ausgangspunkt jedes Durchgangs, permanente Verbesserungen für Devraj erwerben. So wird das Spiel peu à peu leichter. Damit wir auf Carcosa weiterhin eine Chance haben, sollten wir stets die Augen nach neuen Waffen offen halten, temporäre Verbesserungen einsammeln, Heiläther niemals auslassen und schließlich Angriffs- und Ausweichmanöver perfektionieren. Aufgrund der gelungenen Steuerung, die sich dank des haptischen Feedbacks des DualSense-Controllers der PlayStation 5 so richtig gut anfühlt, klappt das ganz gut. Das hilft aber alles nicht, wenn einem das Genre nicht liegt. Früh im Spiel können wir den Schwierigkeitsgrad modifizieren, beispielsweise mehr Schaden aktivieren. Dadurch wird das Spiel deutlich leichter, was aber gerade Anfänger motivieren dürfte, dem Spiel eine Chance zu geben, um die interessante Geschichte des visuell angemessenen und mit mysteriösen Klängen unterlegten Saros erleben zu wollen. So werden nicht nur der Schwierigkeitsgrad, sondern auch arg repetitive Laufwege durch die schlauchartigen Levels reduziert, was schließlich auch uns gefällt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Returnal ist ein Spiel, das ich wirklich mögen möchte, es aber nicht kann. Da sich Saros an haargenau denselben Spielstrukturen wie der Vorgänger orientiert, war Housemarques zweiter PlayStation-5-Titel bei mir direkt vorbelastet. Ich bin jedoch froh, dass ich dem Spiel zu guter Letzt eine Chance gegeben habe. Obwohl mir das Werk, so wie es sich Housemarque vorgestellt hat, nicht gänzlich gefällt, sind zwei entscheidende Punkte für mich das Zünglein an der Waage, warum ich motivierter als in Returnal bleibe. Einerseits gibt es deutlich mehr permanente Verbesserungen, weshalb auch geübte Spieler tatsächlich Progression bemerken. Dass ich dazu Modifizierungen am Schwierigkeitsgrad vornehmen darf, um etwa den Schildeinsatz anzupassen, den Verfäulnisgrad zu minimieren oder den Schaden zu erhöhen, finde ich klasse. Dies muss normalerweise im Rahmen vorgeschriebener Parameter geschehen, weshalb ich für mich zugleich negative Modifizierungen in Kauf nehmen muss. In den Optionen lässt sich dies aber deaktivieren. Dadurch wird das Spiel selbst für mich viel zu leicht, aber endlich muss ich nicht repetitive Laufwege durch ähnlich aufgebaute Levels in Kauf nehmen, um der Story zu folgen und Spaß zu haben. Wer darauf verzichten kann und sich für einen hartgesottenen Spieler hält, kann diese Möglichkeit ganz einfach ignorieren – oder sich nur negative Modifikationen für einen Höllentrip aufbürden, was ebenfalls möglich ist. Perfekt ist Saros in meinen Augen zwar nicht, aber immerhin haben die Entwickler selbst gemerkt, wie sie den negativen Aspekten ihrer Spielidee selbst entgegen wirken können.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Saros!

Hinterlasse einen Kommentar