Review: Nintendo 3DS XL

Als Satoru Shibata am 22. Juni 2012 in einer neuen Ausgabe von Nintendo Direct die ebenso neue Hardware präsentierte, war die Euphorie dank der passend eingespielten New-Super-Mario-Bros.-Musik bei den Fans hoch. Der zweite Eindruck ist ernüchternd.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass der Nintendo 3DS XL (wie es der Name schon vermuten lässt) größer als sein Vorgängermodell (Review erfolgte am 21. März 2011) ist. In Länge und Breite misst das Gerät nun jeweils circa zwei Zentimeter mehr. Einzig und allein die Höhe bleibt in etwa identisch. Durch die neuen Abmessungen und weiteren technischen Spezifizierungen steigt das Gewicht von 227 auf 336 Gramm. Das sind circa 20 Gramm mehr als noch beim Nintendo DSi XL – für ein auf zwei Hände ausgelegtes Videospielsystem aber immer noch mehr als tragbar. Ein Tablet PC wiegt vergleichsweise das Doppelte. Neben einem frischen Design und einem neuen Stylus, der nun nicht mehr höhenverstellbar ist und eine neue Einlegestelle im Gerät erhält, fallen äußerlich keine weiteren Merkmale auf. Klappen wir das Gerät jedoch auf, stechen uns sofort die größeren Bildschirme ins Auge. Diese sind nämlich um satte neunzig Prozent gewachsen. Das heißt, dass der obere Bildschirm nun 4,88 und der Touchscreen 4,18 Zoll messen. Die Auflösung hingegen bleibt wie erwartet unverändert. Dadurch wirkt das Geschehen je nach Anwendung ein wenig verpixelt oder verwaschen – in der Praxis fällt das allerdings nicht so stark ins Gewicht wie hier beschrieben. Nach wie vor spielt das Gerät sämtliche erwerbbare Software ab, die für DS, DSi und 3DS erschienen ist. Lediglich die Regionalcode-Sperre verpasst Importfreunde bei DSi- und 3DS-Software einen Dämpfer.

Bildwiedergabe und Regionalcode-Sperre

Wer also nach wie vor Spiele aus Fernost spielen möchte, kommt um den Erwerb eines japanischen 3DS-XL-Modells nicht herum. Schade, aber diese Sperre ist uns seit Jahren unverständlich und bei der Konsolenkonkurrenz haben wir dieses Problem in vielen Fällen nicht. In diesem Punkt muss sich der 3DS XL der Konkurrenz aus dem Hause Microsoft und Sony geschlagen geben. Wir haben den Bildwiedergabetest zunächst mit New Super Mario Bros. gemacht – das Bild wirkt in der vergrößerten Form pixeliger als für das konzipierte Modell, jedoch macht das gespielte Geschehen auf uns einen gefühlt flüssigeren Eindruck. Abschließend haben wir den Versuch auch mit den 3DS-Spielen The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D und Steel Diver gemacht. Beide Spiele profitieren durch den größeren Bildschirm enorm. Der Tiefeneffekt vermittelt uns jedoch gemischte Gefühle. Nach wie vor müssen wir unsere Augen ganz gerade auf den oberen Screen richten – ansonsten werden die Informationen wie beim ein Jahr alten Vorgängermodell nicht korrekt wiedergegeben. Wir empfinden diesen Vorgang sogar etwas unangenehmer als beim 3DS. Wer ohne Tiefeneffekt spielt, hat das Problem nicht. Ausgeliefert wird der Nintendo 3DS XL am 28. Juli 2012 mit dem gleichen Betriebssystem wie sein Vorgänger, jedoch direkt in der Firmware-Version 3.1.0-6E.

Betriebssystem und Software-Übertragung

Somit ist die Hardware direkt im Stande über die Nintendo-3DS-Kameralinsen 3D-Videos aufzunehmen. Die vom 3DS bereits bekannten AR-Karten liegen aber ebenfalls dem 3DS XL bei. Mit diesen Werkseinstellungen können in der Betriebssystemoberfläche allerdings noch keine Ordner erstellt werden, um etwa Spiele und Anwendungen übersichtlicher zu sortieren. Ein Update auf Version 4.2.0-9E war zum Testzeitpunkt jedoch ohne Probleme über das Internet möglich. Wer bereits ein Nintendo-3DS-System besitzt, hat über die aktuelle Firmware sogar die Option seinen Freundescode, seine Freundesliste, heruntergeladene Anwendungen und Spiele, sowie sonstige Einstellungen auf seinen neuen 3DS XL zu übertragen. Das funktioniert aber nur bis zu fünfmal – danach schiebt uns Nintendo den Riegel vor. Wer gerne beide Konsolen weiterhin nutzen möchte, etwa das alte Modell unterwegs und die XL-Variante zuhause, hat hier das Nachsehen. Diese Politik ist veraltet – Nintendo sollte unserer Meinung nach mit der Zeit gehen und wie Sony ein Hybridmodell anbieten, in dem wir erworbene Software von mehreren Systemen aus gleichermaßen nutzen können. Eventuell ändert sich das zum Launch der Wii U – wir sind gespannt! Mit im Lieferumfang enthalten ist dieses Mal eine 4-Gigabytes-SDHC-Karte von Lexar, auf welcher eigens erstellte und aus dem Internet heruntergeladene Inhalte zunächst Platz haben werden.

Speicherplatz und Ladevorgänge – ein teures Vergnügen

Vielspieler sollten aber in Anbetracht der tiefen SD-Kartenpreise auf eine 16-Gigabytes-SDHC-Karte ausweichen, um langfristig über genügend Speicherplatz für persönliche Daten zu verfügen. Nicht im Lieferumfang enthalten ist jedoch weder eine Ladestation noch ein Ladekabel. Besitzer eines Nintendo-Handhelds seit dem DSi müssen sich darüber aber keine Gedanken machen – sie können ihr altes Kabel zum Aufladen weiterhin verwenden. Mit einer Akku-Ladung verspricht Nintendo eine Batteriebetriebszeit von bis zu 6,5 Stunden. Das sind neunzig Minuten mehr als noch beim Nintendo 3DS. Wer bisher noch mit einem Nintendo DS oder Nintendo DS Lite gespielt hat und sich jetzt für den Kauf eines Nintendo 3DS XL entscheidet, kommt um die zusätzliche Anschaffung eines Ladekabels nicht umher. Das originale Ladekabel von Nintendo schlägt mit circa zehn Euro zu Buche. Da der Nintendo 3DS XL zum Launch satte 200 Euro kostet, ist das ein eigentlich unnötiger Aufpreis von bis zu fünf Prozent. Die speziell auf den Nintendo 3DS XL ausgerichtete Ladestation listen Online-Versandhäuser derzeit sogar mit 25 Euro! Wer fleißig mit gerechnet hat, kommt auf einen Wert über den inoffiziellen Launch-Preis des Vorgängers. Da jene 3DS-Frühkäufer von Nintendo sogar mit jeweils zehn Nintendo-Entertainmant-System- und GameBoy-Advance-Spielen im Rahmen des Botschafterprogramm entschädigt wurden, ist der hohe Preis unserer Meinung nach mehr als unangebracht.

Entscheidungsfrage

Eine Schiebepad-Erweiterung für den Nintendo 3DS XL finden wir derzeit übrigens nirgends. Wer also mit der neuen Hardware direkt Titel wie Resident Evil: Revelations oder Metal Gear Solid: Snake Eater 3D spielen möchte, muss also zunächst auf die komplett auf den Handheld zugeschnittene Steuerung ausweichen. Das ist insofern schade, da sich viele Fans ein neues Nintendo-3DS-System mit eingebautem zweiten Schiebepad gewünscht haben. Hier hat das japanische Traditionsunternehmen eine große Chance verspielt, sich mit dem einen oder anderen Nutzer zu versöhnen. Nintendo hätte mit dem 3DS XL einen richtigen Treffer in der Medienwelt landen können. Hätte man neben den größeren Bildschirmen auch die Auflösung für bestimmte Applikationen und eventuell auch die Hardware-Power erhöht, wäre das Gerät besonders für Dritthersteller noch attraktiver geworden. Schlecht hingegen ist jedoch die Ausstattung des Geräts. Es zeugt nicht gerade von der bekannten und sonst so guten Kundenfreundlichkeit Nintendos, das Ladekabel wegzurationalisieren und den Kunden gegebenenfalls zum Kauf neuer Hardware zu zwingen. Im Endeffekt muss jeder Nintendo-Fan für sich selbst entscheiden, ob sich die Anschaffung zum Preis von fast 200 Euro lohnt. Die größeren Bildschirme sind es sicherlich wert, um Spiele in einer größeren Grafikpracht zu genießen. Wer sich zuvor jedoch selbst ein Bild von der neuen Hardware machen möchte, sollte sich am besten einmal unsere Prime Time anschauen. Wir raten allerdings eher auf einen Preisnachlass zu warten, denn die wenigen Verbesserungen und der geringe Lieferumfang sind den Aufpreis im Moment noch nicht wert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als ich das Rezensionsexemplar vom Nintendo Magazine, für welches ich auch Texte verfasse, letzten Samstag erhalten hatte, konnte ich das Gerät kaum aus der Hand legen – die großen Bildschirme haben mich einfach zu sehr in ihren Bann gezogen, obwohl es dazu eigentlich keinen Grund gäbe. Nintendo hat weder die Auflösung der beiden Screens geändert und ebenfalls nicht das Problem mit dem Tiefeneffekt gelöst. Nach wie vor muss ich gerade auf den oberen Screen schauen, damit die Bildinformationen nicht verfälscht werden und ich das Ergebnis des tollen Tiefeneffekts erleben kann. Das ist zwar ärgerlich, aber ich kann mit dem Problem leben. Deutlich ärgerlicher ist es da schon, dass ich heruntergeladene Software von meinem alten 3DS nur begrenzt oft hin- und herwechseln kann und dass dann auch nur alle sieben Tage. Ich kann das nicht verstehen, zumal Sony mit seinem Hybridmodell deutlich die Trümpfe in der Hand hält. Da könnte ich rein theoretisch auch ein PlayStation-Spiel auf der PlayStation 3 herunterladen und unterwegs auf der PlayStation Portable weiterspielen. So etwas wünsche ich mir auch für mein Nintendo-Konto (auch eine weitere ewige Baustelle des japanischen Traditionsunternehmens). Wer kein Problem damit hat, für einen geringen Umfang 200 Euro auszugeben, darf bei der wenig innovativen 3DS-XL-Variante für größere Bildschirme gerne zuschlagen. Wer bereits einen 3DS besitzt, sollte aber mit dem Kauf noch warten – der erste Preisnachlass kommt bestimmt.

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