Review: Need for Speed: Most Wanted

Need for Speed Most Wanted (1)Was haben wir uns nach Need for Speed: The Run auf Need for Speed: Most Wanted gefreut, doch wurden wir im Endeffekt schon wieder enttäuscht. Obwohl der neue Ableger wieder viel richtig macht, so macht er abermals einiges falsch. Wir verstehen nicht warum.

Need for Speed Most Wanted (2)Die Handlung des Vorgängers The Run war alles andere als gut inszeniert. Obwohl diese das Potential für eine spannende, komplexe und intelligente Handlung hatte, war das Ergebnis mit Logikfehlern, wenig charakterisierten Persönlichkeiten und dünnem Hintergrund gespickt. Es ist sogar möglich, das zu unterbieten, wie Most Wanted uns beweist. Wir erfahren nur, dass es in der fiktiven US-amerikanischen Stadt Fairhaven City zehn Raser, die so genannten und titelgebenden Most Wanted, gibt. Zu denen möchten wir gehören, weshalb es logischerweise nur nötig wäre, auf den zehnten Platz aufzusteigen. Dass wir jedoch eigentlich ganz an die Spitze wollen, verrät uns der Titel nicht. Sicherlich mag das für viele Rennspielfans egal sein, doch zeigt es sehr gut, wie wenig die Köpfe bei Criterion Games sich um solch kleinen Dinge Gedanken machen beziehungsweise gemacht haben. Unser Charakter ist übrigens niemals zu sehen und selbiges gilt dementsprechend auch für unsere zehn Kontrahenten. Im gesamten Spiel haben wir übrigens nur einmal einen Menschen zu Gesicht bekommen, als wir das Auto eines Polizisten durch die Luft gewirbelt haben, doch dazu später mehr. Es ist schade, dass man sich um einen plausiblen Hintergrund keine Gedanken macht. Wir verstehen somit nicht, was uns eigentlich antreibt, zur Elite der Verkehrsregelnmissachter zu gehören.

Die Interstate 92

Need for Speed Most Wanted (3)Da wünschen wir uns doch lieber The Run zurück, wo zumindest storytechnisch der eine oder andere Ansatz vorhanden ist. Schauen wir aber mal von diesem Problem ab, eröffnet sich uns eine offene Spielwelt, die somit im Kontrast zum Etappen-Aufbau des Vorgänger steht. Das gesamte Fairhaven City ist frei befahrbar. So erkunden wir nach Lust und Laune die Industrie- und Gewerbegebiete der Stadt oder fahren einfach mal ins Blaue, um von der Interstate 92 die Berge und Wälder des Umlands zu betrachten. Nettes Detail am Rande: Die Interstate 92 ist ein seit den Vierziger Jahren geplantes, immer wieder vorgeschlagenes und ebenso oft verworfenes Projekt, welche die Neuengland-Staaten, genauer gesagt die Maritime-Provinz in Kanada mit dem US-Bundesstaat New York, miteinander verbinden soll. Optisch scheint sich die Stadt Fairhaven zumindest an der Ostküstenarchitektur anzulehnen, weshalb wir annehmen, dass die Anspielung nicht willkürlich ist und die Stadt im fiktiven Anteil der Need-for-Speed-Serie eben dort angesiedelt sein soll. Zu Beginn sind wir nur mit einem Porsche unterwegs, doch je öfter wir die unterschiedlichen Straßen abfahren, desto mehr Autos können wir in den eigenen Fuhrpark übernehmen. Vom Audi R8 Spyder bis hin zum Viper SRT 2012 sind viele verschiedene Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern dabei, die große Abwechslung bei Autoliebhabern und Need-for-Speed-Fans hervorrufen dürften.

Wenige Spielmodi

Need for Speed Most Wanted (4)Eine große Auswahl an unterschiedlichen Fahrzeugen (die allerdings erst mit dem Kauf bisher zwei erschienenen Download-Inhalten vollständig wird) trübt aber nicht über die Auswahl an Spielmodi hinweg, denn davon gibt es in Most Wanted herzlich wenig. Wir dürfen zwischen Rundkurs- und Sprintrennen, Hinterhalt und Tempojagd wählen. Um einen der Modi spielen zu können, müssen wir entweder über das einsteigerfreundliche Easydrive-Menü (über die Steuerungstasten jederzeit anwählbar) den Zielort bestätigen oder wir können das Event auch alternativ über die Übersichtskarte unmittelbar starten. Fahren wir zum Event, kann es sehr gut sein, dass wir von der Polizei verfolgt werden und diese erst abschütteln müssen oder wir werden von einer Radarfalle geblitzt. Dafür gibt es, wie für die im folgenden beschriebenen Modi, Speed Points, also Geschwindigkeitspunkte, die für die Einzelspielerkampagne wichtig sind, doch dazu gleich mehr. Rundkursrennen bestehen in der Regel aus drei Runden, die wir in einem vordefinierten Bereich innerhalb von Fairhaven City drehen sollen und dabei auch noch unter die ersten drei Plätze geraten sollen (andernfalls gibt es keine Punkte). Bei den so genannten Sprintrennen handelt es sich quasi um die Levels aus The Run, denn wir fahren nur einzelne Etappen ab, um von einem Kontrollpunkt zum nächsten zu gelangen. Bei Hinterhalt jagt uns die Polizei und bei Tempojagd müssen wir eine hohe Geschwindigkeit erreichen.

Unfaire Verfolgungsjagden

Need for Speed Most Wanted (5)Der letztgenannte Modus ist unserer Meinung nach sogar ein wenig unverschämt. Hier zählt nämlich nur die Geschwindigkeit, die wir auf der Ziellinie halten. Da die Strecke meist sehr verwinkelt ist, bremst uns jede Kollision mit der Umgebung ab. Das mag zwar herausfordernd sein, aber uns hätte es besser gefallen, wenn an bestimmten Stellen das Tempo gemessen und ein Mittelwert berechnet würde. Die Verfolgungsjagden mit der Polizei sind unserer Meinung ein ganzes Stück heftiger. Es gibt hier zwar ähnlich wie in der Grand-Theft-Auto-Serie eine Abstufung, wie viele und welche Polizeiwagen uns verfolgen, doch ist das Abschütteln dieser sehr, sehr schwierig. Um der Polizei zu entkommen, können wir (sofern uns gerade keiner der Schutzengel erspäht) schnell durch eine Tankstelle fahren, um zum einen unser Vehikel zu reparieren und zum anderen umzulackieren oder wir müssen so schnell fahren, damit unsere Verfolger aus unserem (zu großangelegten) Radius verschwinden. Letzteres ist fast unmöglich und zerrt stark an unseren Nerven. Das liegt daran, dass die Fahrzeuge der Gesetzeshüter fast genauso schnell sind wie wir selbst und uns teilweise auch noch überholen. Das wirkt wie im Vorgänger sehr befremdlich, denn solche schnellen Vehikel haben wir weder in Deutschland noch in den Vereinigten Staaten bei irgendwelchen Behörden jemals gesehen. Das erhöht zwar die Spannung, nimmt dem Spiel aber zunehmend die Glaubhaftigkeit.

Staubspuren

Need for Speed Most Wanted (6)Sollte es dennoch dazu kommen, dass uns die Polizei aus dem Verkehr zieht, werden wir wie bei einem normalen Crash schnell wieder auf die Straße gesetzt. Entkommen wir jedoch dann nicht innerhalb von zwei Sekunden (was nicht in jedem Fall möglich ist), kommen wir um die Verhaftung unseres Charakters nicht umher. Da Most Wanted aber ohnehin keine Geschichte erzählt, werden wir ohne irgendwelche Einbußungen und einen Ladebildschirm später wieder auf die Straßen von Fairhaven City gelassen. Wer die Modi allerdings gut beherrscht, dabei jede erdenkliche Reklametafel vernichtet und keine Radarfalle auslässt, der wird schon bald alle nötigen Speed Points beisammen haben, um gegen die Most Wanted anzutreten. Das ist aber bei Weitem kein Spaziergang, wie wir bereits im ersten Ranglistenduell sehen, denn wer hier Crashs baut und eventuell sogar über ein Nagelband der Polizei brettert, wird den ersten Fahrer unmöglich einholen können, da die Geschwindigkeit des Fahrzeugs darunter leidet und Tankstellen oft rar gesät sind. So ist es auch im restlichen Teils des Spiels nicht anders. Wer tatsächlich spürbare Erfolge sehen möchte, der darf auch keine Unfälle auf den Straßen riskieren, denn jede Kollision zwingt uns dazu, circa vier Sekunden wertvolle Zeit einzubußen und in der Zeit sind die anderen Fahrer bereits an uns vorbeigezogen. Ärgerlich, wenn das schon auf dem leichten Schwierigkeitsgrad passiert.

Wenig vorteilhafter Entwicklerwechsel

Need for Speed Most Wanted (7)Waren wir vom Mehrspielermodus auf der Gamescom 2012 noch überzeugt, enttäuscht genau dieser Teil des Spiels in der finalen Fassung ebenso. Man hat sich keine Mühen geben, neue Modi zu entwerfen und hat die Modi des Einzelspielermodus einfach übernommen. Gemeiner ist jedoch, dass man zusätzlich einen Online Pass von Electronic Arts erwerben muss, um den Mehrspielermodus so zu nutzen, damit man mit anderen Spielern dauerhaft konkurrieren darf. So kann man sich in den Wettbewerben nur temporär miteinander messen. Im Angesicht des Preises von fast zehn Euro kann man sich den Online Pass aber auch schenken. Immerhin ist der Mehrspielermodus fast nahtlos in den Einzelspieleranteil eingebunden, denn wir fahren in derselben Stadt und können zusätzliche Speed Points ergattern, wenn wir die Vehikel anderer Spieler beispielsweise rammen. Technisch ist Most Wanted auf Augenhöhe mit The Run. Die Effekte sind nach wie vor schön, die Texturen detailreich und der Soundtrack überzeugt mit Titeln wie Empathy von Bassnectar bis hin zu We Are the Oceans The Road (Run for Miles). Die Steuerung funktioniert nun übrigens wesentlich besser und vor allem das Driften geht nun deutlich einfacher von der Hand. Klasse! Need for Speed: Most Wanted ist dennoch ein gutes Beispiel dafür, dass ein Entwicklerwechsel nicht unbedingt Verbesserungen mit sich bringen muss.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Seit letztem Sommer habe ich mich auf Need for Speed: Most Wanted gefreut, doch nachdem ich den Titel nun einige Stunden am Stück spielen konnte, macht sich Ernüchterung breit. Das Spiel möchte mir nicht ansatzweise so etwas wie eine Handlung erzählen. Darüber könnte ich noch hinwegsehen, denn ich will in den Straßen von Fairhaven City schließlich auch eine Menge Action erleben, doch diese finde ich nicht so wirklich. Es gibt zwar diverse Modi und besonders die Verfolgungsjagden mit der Polizei wissen mir zu gefallen, doch verstehe ich nicht, warum man selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad schon große Probleme mit der Polizei bekommt. Vielleicht fehlt mir ganz einfach die nötige Rennspiel-Erfahrung, doch nachdem ich mit Need for Speed: The Run sehr gestraft wurde, sollte ich doch eigentlich frustresistenter sein. Nachdem die Einzelspielermodi mich sehr enttäuscht haben, habe ich zumindest gehofft, im Mehrspieleranteil deutlich mehr Abwechslung zu bekommen. Spaß macht mir dieser deutlich mehr, da ich mich hier nicht mit der (unfairen) künstlichen Intelligenz herumstreiten muss, doch mehr Abwechslung gibt es hier nicht, da man mir einfach dieselben Modi vorsetzt. Das ärgert mich besonders deshalb, da man mir auf der Gamescom diesen Modus mit Stolz präsentiert hat und ich sehr gehofft habe, dass sich hier noch etwas ändert. Unterm Stich enttäuscht mich Most Wanted eigentlich genauso wie The Run, doch während ich hier so gut wie keine Story präsentiert bekomme, ist die Steuerung nun endlich so gelungen, wie ich sie mir im letzten Jahr gewünscht habe. Das hilft dem Titel bei der fehlenden Abwechslung allerdings auch nicht mehr.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Need for Speed: Most Wanted!

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