Review: BioShock Infinite

Bioshock Infinite (1)BioShock Infinite ist wie das erste BioShock, hebt sich von diesem aber stark ab. Das klingt verwirrend, aber genau das ist das gesamte Spiel auch. Statt in die Tiefen des Meeres, zieht es und hoch über die Wolken nach Columbia, einer fliegenden Stadt!

Bioshock Infinite (2)Unser Hauptcharakter im Spiel nennt sich Booker DeWitt und dieser hat anscheinend eine gewisse Schuld zu begleichen. Dieses Detail erfahren wir schon am Anfang des Spiels, als wir von einem Pärchen, in einem Boot, zu einem Leuchtturm gefahren werden. Diese zwei teilen uns mit einfachen Worten mit, dass wir ihnen die Kleine bringen und wir unsere Schuld tilgen sollen. Dabei beginnt BioShock Infinite mit einer Hommage an den ersten Serienteil. DeWitt öffnet eine kleine Kiste und gelangt unmittelbar zu einem Leuchtturm, welcher uns in den Himmel katapultiert. Ähnlich kennen wir das vom ersten BioShock, als wir eine Kiste öffneten, daraufhin unser Flugzeug abstürzte und wir in einem Leuchtturm nach Rettung suchten, welcher uns aber in die Unterwasserstadt Rapture führte. Schon zu Beginn des Spiels stellen sich uns Fragen über Fragen und somit baut der Entwickler schon zu Anfang einen hohen Spannungsbogen in das Spiel ein. Unsere einzige Information bleibt, dass wir ein Mädchen namens Elizabeth in der Wolkenstadt Columbia suchen müssen, um diese heil nach New York zu schaffen. Dabei gehen wir in gewohnter Ego-Shooter-Manier vor und schießen alles um, was uns vor die Flinte läuft. Optional haben wir noch die serientypischen Kräfte, welche wir nutzen dürfen. Diese ermöglichen es uns Raben auf unsere Feinde zu hetzen, Blitze zu erzeugen oder Gegner gegeneinander aufhetzen zu lassen – typisch BioShock eben.

Aktuell beliebt: Steampunk

Bioshock Infinite (3)Die Geschichte rund um BioShock spricht eine deutliche Zielgruppe an, nämlich die der Steampunker. Einige Spiele haben zuletzt dank diesem Szenario auf sich aufmerksam gemacht und damit viele Spieler in ihrem Bann gezogen. Ein Beispiel ist dabei Dishonored: Die Maske des Zorns, welches gerade mit dem neuen Szenario zu begeistern wusste. Auch die Entwickler von BioShock Infinite dürften ihre Zielgruppe voll und ganz erreichen. Es treffen viktorianische Elemente auf Mythen aus der amerikanischen Pionierzeit. Hinzugefügt werden nur noch wundersame Technologien auf den alten Unterdrückerstaat, sowie ein paar magische Fähigkeiten und einfallsreiche Waffendesigns. Selbst unsere Begleiterin Elizabeth nutzt besondere Fähigkeiten, um Portale zu Paralleldimensionen zu schaffen. Somit kann sie uns immer wieder verschiedene Gegenstände, wie Munitionskisten oder Verbandskisten, aber auch schützende Wände und Wachroboter, in die Spielwelt holen. Zudem ist es das erste Mal seit langem in der Videospielgeschichte, dass wir einen kompetenten Begleiter wie sie zur Verfügung stehen haben. Zu keiner Zeit haben wir das Gefühl, einen Klotz am Bein zu haben, sondern eine Person, welche uns auch wirklich unterstützt. All unsere Nerd-Phantasien werden befriedigt und das Spielgeschehen ist dabei über weite Strecken genial inszeniert.

Himmlisches Columbia

Bioshock Infinite (4)Unsere ersten Schritte durch Columbia lassen uns einfach nur staunen. Die Stadt ist wunderschön gestaltet und die Idylle packt uns direkt beim Herzen. Die Spielwelt strahlt nur so durch satte Farben, imposante Gebäude und überdimensionalen Luftkissen, auf welchen die Bauwerke stehen. Es wirkt auf uns wirklich wie der Garten Eden, welchen die Spielwelt auch in ihrer Ideologie darstellen soll. Aber schnell wirft die nahezu perfekte Welt ihre langen Schatten und wir erleben hautnah, wie diese von fanatischen Christen dominiert wird. Männer in weißen Kitteln beten dabei nicht den gewöhnlichen Gott an, sondern Statuen von George Washington, Benjamin Franklin und Thomas Jefferson. Hier bekommen wir den Eindruck, dass es sich um eine faschistische Welt mit pro-amerikanischem Denken handelt und genau das bekommen wir im weiterem Spielverlauf immer öfters gezeigt. Gerade wenn es um die Rassenfrage geht und man jetzt erst realisiert, dass Menschen mit weißer Hautfarbe eine bevorzugte Rolle spielen, wo hingegen Afroamerikaner ihr Leben als Sklaven führen. All das kennt man aus der amerikanischen Geschichte und dies wird in dem vermeidlichen Paradies über den Wolken wieder aufgegriffen. Hinter diesem System steckt Zachary Hale Comstock, der als der Prophet Columbias angesehen wird und nicht gerade viel von Menschenrechten hält.

Lost über den Wolken

Bioshock Infinite (5)BioShock Infinite beherrscht die Kunst, uns immer wieder mit spannenden Fragen zu füttern, uns vermeidliche Antworten zu präsentieren, welche dann aber im Nachhinein annulliert werden, nur um durch weitere Fragen ersetzt werden zu wollen. Hier kann man einen direkten Vergleich mit der Fernsehserie Lost in Betracht ziehen. Genau wie in der Serie drückt sich BioShock Infinite davor beim packenden Finale uns klare Antworten zu geben und spielt uns stattdessen den Ball gleich wieder zurück. Es werden weniger Fragen beantwortet, als neue dazu kommen und somit wächst der Spannungsbogen bis ins Unermessliche weiter, so dass wir das Spiel auf Anhieb haben durchspielen wollen. Am liebsten ohne irgendwelche Pausen. Wir kommen zu dem Entschluss, dass sich die Autoren entweder beim Finale großflächig in Philosophie, Quantenphysik und Symbolik verzettelt haben oder dass dieses Spiel einfach ein Ende für die Videospieler bietet, welche gerne die Geschehnisse bis zum bitteren Ende interpretieren wollen. Wir stimmen für den zweiten Punkt und gehen stark davon aus, dass der Entwickler unsere Gehirnzellen durchbrennen lassen möchte. Wir bekommen in unseren Augen also ein offenes Ende und die Möglichkeit, unsere eigenen Antworten zu finden. Mit dieser Variante haben wir auch viel mehr Spaß und nehmen das Spiel zudem sehr ernst. Die Geschichte weiß zu faszinieren und bietet ein Konzept wie die großen Hollywood Filme.

Mystische Elizabeth

Bioshock Infinite (6)Einen Absatz haben wir uns extra für unsere Begleiterin Elizabeth übriggelassen, um nochmals näher auf einen Charakter einzugehen, wie man ihn kein zweites Mal gesehen hat. Schon zu Anfang des Spiels wird eine gewisse Spannung aufgebaut, als uns Elizabeth fragt, ob wir Angst vor Gott haben. Booker DeWitt antwortet daraufhin nur, dass er sich nicht vor dem Allmächtigen fürchtet, sondern vor ihr. Es wird also kein Geheimnis daraus gemacht, dass unsere weibliche Gefährtin gewisse Eigenschaften mit sich bringt, welche uns sehr mysteriös vermittelt werden. Schon die Tatsache, dass sie Risse zu anderen Dimensionen erschaffen kann, lässt uns des Öfteren mit offenen Augen vor dem Monitor stehen. Aber es ist nicht nur ihre große Stärke, welche uns beeindruckt. Vielmehr ist es unsere emotionale Bindung, die uns mit Wehmut an unsere Abenteuer zurückdenken lässt. Sie ist immer aktiv vor Ort und kommentiert dabei nicht nur das Geschehen, sie bemerkt sogar unbedeutende Kleinigkeiten in der Umgebung, macht Bemerkungen wenn sie Tote sieht und lehnt sich sogar zum Ausruhen an Mauern an. Im Spiel kommt sie uns nie in die Quere und ist ein belebender Aspekt, welcher uns immer wieder den Mut gibt, weiter zu machen und nicht an größeren Gegnern zu verzagen. Sie ist kurzgefasst einfach ein vollständiger Teil dieser Welt.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich kann dieses Spiel nur bis zum Himmel loben und bisher ist es eindeutig mein Spiel für das Jahr 2013. Es ist einfach atemberaubend, was die Entwickler über diesen langen Entwicklungszeitraum auf die Beine gestellt haben. Nicht nur die Spielwelt ist so verblüffend, dass mir der Atem wegbleibt, wenn ich durch das verschworene Columbia laufen, sondern auch die Nebencharaktere, allen vorweg Elizabeth, sind einzigartig und wissen zu überzeugen. Selten habe ich zu einer Spielfigur eine solch emotionale Beziehung aufgebaut als zu ihr. Ich spüre förmlich ihre Angst, ihre Unsicherheit und ihren Mut, mich in jeder Hinsicht zu unterstützen. Und das alles in einer solch grausamen Welt, welche versucht wie der Garten Eden zu erscheinen, jedoch von faschistischen Einwohnern und Propaganda zerfressen ist. Bis zum Ende bleibt ein hoher Spannungsbogen durch Fragen bestehen, die sich immer weiter stapeln. Gerade das Ende gibt mir nochmals die Möglichkeit, sich alles auszumalen und zu verstehen. So stelle ich mir ein grandioses Spiel vor und kann BioShock Infinite daher absolut weiter empfehlen!

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von BioShock Infinite!

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