Review: Lego City Undercover

Lego City Undercover (1)Die Lego-Videospiele sind nicht für Innovationen und wegweisendes Gameplay bekannt. In Lego City Undercover ändert sich daran zum Leidwesen der Fans nicht, doch auch ohne die gewünschten Merkmale kann Lego City Undercover noch immer Spaß machen.

Lego City Undercover (2)In Lego City Undercover schlüpfen wir in die Rolle von Chase McCain, der nach zwei Jahren in die berühmte Stadt der Bauklötze zurückkehrt und seinen alten Beruf als Polizist wieder aufnimmt. Wohlgemerkt zum richtigen Augenblick, denn Chases größter Widersacher, Rex Fury, ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und sorgt in Lego City mit einer Handvoll anderer Krimineller für Chaos. Noch dazu hat es der Gauner auf Chases alte Liebe Natalia Kowalski abgesehen, die mittlerweile im Zeugenschutzprogramm lebt und als Sanitäterin arbeitet. Da sich der Schurke jedoch nie in der Öffentlichkeit zeigt, muss Chase das Verbrechersyndikat unterwandern und undercover die Pläne von Rex verhindern. So spannend die Geschichte auch klingt, so spannend wird sie überraschenderweise mit viel Wortwitz, einer kräftigen Prise Humor, tollen Gags und Slapstick-Elementen auch erzählt! Obwohl die Szenen allesamt sehr lustig sind, schaffen es die Charaktere dennoch den Ernst der Lage (so weit wie es nur möglich ist) aufrecht zu erhalten. Der Humor ist auch einer der größten Pluspunkte des Spiels, der durch die illustren Charaktere ständig präsent ist. Da wären Chases ungeschickter Kollege Frank Honey, sein engstirniger Vorgesetzter Chief Dunby oder der exzentrische Mafiosi Moe De Luca, die für jede Menge kuriose Szenen und erinnerungswürdige und Momente sorgen.

Orientierung an der Pop-Kultur

Lego City Undercover (3)Ein weiteres Merkmal des Humors sind jene Zwischensequenzen, die stark an berühmte Filme wie The Matrix, GoodFellas: Drei Jahrzehnte in der Mafia, King Kong oder The Dark Knight erinnern. In weiteren Szenen tauchen auch berühmte Romanhelden wie Sherlock Holmes und Dr. Watson oder gar Fernsehlegenden wie Lieutenant Columbo auf. Auch mit Starsky und Hutch alias Studsy und Clutch treffen wir aufeinander. Wir finden diese kurzen Auftritte sehr gut, doch werden die wohl nur jene verstehen, die sich stark mit älteren Filmen, Romanen und Serien beschäftigen. Die junge Zielgruppe wird damit nicht angesprochen und so entgehen jüngeren Videospielern durch die Cameo-Auftritte viele gut gemeinte Anekdoten und Gags. Der Humor des Spiels kann jedoch nicht über das anspruchslose Gameplay hinweg täuschen. Wie im großen Vorbild Grand Theft Auto IV können wir uns zwar durch eine große Stadt frei bewegen, in jedes Vehikel einsteigen und Chaos anrichten, doch sobald wir das nächste Ziel erreichen, werden wir in vielen Fällen wie in bisherigen Lego-Spielen in eingezäunte Levels gesteckt, die nur wenig Platz zum Experimentieren übrig und zum Vorankommen jeweils nur eine Lösungsmöglichkeit zu lassen. Das wird zwar mit fortschreitender Spieldauer durch Chases wachsenden Fundus an Verkleidungen abwechslungsreicher, aber nicht fordernder.

Eine Stadt voller Geheimnisse

Lego City Undercover (4)Durch die Kostüme wird die offene Spielwelt umso mehr bereichert. Als Polizist gehen wir auf Verbrecherjagd, als Einbrecher räumen wir Tresore aus, als Farmer suchen wir entflohene Schweine und bringen die Stadt zum Blühen und als Bauarbeiter sind wir an dem einen oder anderen Straßenloch nicht mehr ganz unschuldig. Dadurch, dass überall in Lego City hunderte Verstecke und ebenso viele Geheimnisse auf uns warten, ertappen wir uns nicht selten dabei, wie wir vom Weg abkommen und in der Pampa nach goldenen Lego-Steinen und versteckten Nebenmissionen suchen. Neben der Spielwährung (Studs), mit denen wir freigeschaltete Kostüme oder Vehikel kaufen können, gibt es in Lego City Undercover auch die so genannten Supersteine. Diese brauchen wir, um in der offenen Spielwelt Superbauten zu errichten. Das kann ein Brunnen, eine Statue oder auch einfach nur eine Rufsäule sein. An dieser können wir dann ein Auto unserer Wahl herbeirufen, wenn es nicht gerade an uns vorbeifährt, wir den Fahrer mit unserer Trillerpfeife zum Anhalten bewegen und das Fahrzeug konfiszieren. Vom Sportflitzer bis zum Lastwagen und Motorrad ist alles dabei, was man sich nur wünschen kann. Schnellboote, Flugzeuge und Ufos sind ebenfalls mit von der Partie. Nettes Detail am Rande: In Lego City Undercover dürfen wir das Fahrzeug auch bei voller Fahrt wechseln.

Kein Lego City Radio

Lego City Undercover (5)Beim Autofahren fällt uns aber auf, dass man bei Entwickler und Publisher an der falschen Stelle gespart hat. Es gibt keinerlei Radiosender und nur selten musikalische Untermalung während der Fahrt. Etwa wenn wir schnell zum nächsten Ziel hetzen müssen, dann läuft bedrohliche Musik im Hintergrund. Was die Autofahren bei der Grand-Theft-Auto-Reihe so unterhaltsam machen, verkommt bei Lego City Undercover durch Motorengeräusche zur Langeweile. Da helfen auch nicht die sich schnell wiederholenden Kommentare von Chase McCain. Die Synchronisation des Spiels reicht dabei von monoton bis großartig. Größtenteils kann diese uns jedoch begeistern, da bekannte Sprecher wie Bernd Vollbrecht und Bodo Wolf zu hören sind, doch werden sie leider auch öfters mal bei Nebenfiguren eingesetzt. Bei den Spezialaufträgen kann der Soundtrack aber durch Funk-, Jazz- und Pop-Anleihen mitsamt der Synchronisation punkten. Mit der einzigen möglichen Steuerungseinheit, dem GamePad, können wir Fotos schießen, Gespräche von Bürgern in Lego City abhören und Supersteine aufspüren. Leider lässt uns das Spiel nicht die Möglichkeit, ob wir es mit dem Pro Controller angehen möchten und das GamePad nur nutzen, wenn es nicht anders geht. Hilfreich ist das GamePad-Display aber doch, denn wird hier die Karte der Stadt und unser Ziel angezeigt.

Technische Einbußen des puren Singleplayer-Erlebnisses

Lego City Undercover (6)Maximal ein weiteres Ziel dürfen wir auch selbst auf der Karte markieren, zum Beispiel einen Superstein, den wir einsammeln wollen. Technisch ist Lego City Undercover also eher ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite begeistert das Spiel mit einer offenen, bunten und hochauflösenden Stadt, die wie eine Mixtur aus New York City, San Francisco und Miami wirkt und zum Erkunden regelrecht einlädt. Auf der anderen Seite stören gelegentliche Framerate-Einbrüche. Ladezeiten von bis zu siebzig Sekunden sind zudem keine Seltenheit. Das geht im Jahr 2013 nicht mehr, denn selbst das Vorbild aus dem Hause Rockstar Games beweist, wie die Technik eines Open-World-Spiels funktioniert und stellenweise sogar mit leistungsschwächerer Hardware als bei der Wii U. Während wir über die technischen Mängel ansatzweise noch hinwegsehen können, fällt der fehlende Mehrspielermodus schmerzlich auf. Ein Splitscreen-Modus hätte aufgrund der Story keinen Sinn gemacht, doch bei einem Open-World-Spiel würden wir sehr gerne online mit Freunden die Stadt in ihre Einzelteile zerlegen. Dann würde das Suchen nach Geheimnissen gleich umso mehr Sinn ergeben und auf Dauer deutlich mehr Spaß machen. Trotz einiger Mankos unterhält Lego City Undercover zwanzig Stunden lang. Wer wirklich alles freischalten will, darf mit der doppelten Spielzeit rechnen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Seit dem Nintendo das Spiel auf der Electronic Entertainment Expo 2012 offiziell vorgestellt hat, habe ich mich sehr darauf gefreut. Ich mag die Grand-Theft-Auto-Reihe von Rockstar Games und auch die Lego-Videospiele habe ich immer noch ganz gerne gespielt. In Lego City Undercover habe ich im Vorfeld also große Erwartungen gesteckt, die leider nur zum Teil erfüllt worden sind. Sobald man alle Kostüme und somit alle Spezialfähigkeiten für Chase McCain freigeschaltet hat, steht einem ganz Lego City offen und genau das macht für mich irgendwie den größten Reiz des Spiels aus. Ich verliere mich einfach viel zu schnell in der farbenfrohen Spielwelt, die mit vielen kleinen Details und unzählbaren Geheimnissen punktet. Schnell stellt sich bei mir das Gefühl ein, dass ich doch nur ein paar goldene Steine suchen möchte und ebenso schnell bemerke ich, dass sich der kleine Zeiger auf der Uhr ganze zwei Ziffern weiter bewegt hat. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Zeit  in der Welt von Lego City Undercover (laut der Uhr am Bahnhof) nie verstreicht, denn Tagnachtwechsel gibt es im Spiel leider nicht. Das hätte noch weitere Möglichkeiten offengelegt. Entweder wollten die Entwickler es nicht oder Nintendo hat ihnen den Riegel vorgeschoben. So gerne ich die Welt mag, umso mehr mag ich die vom Rest des Spiels abgeschlossenen Levels nicht. Immer und immer wieder gibt mir das Spiel die gleichen Rätsel vor, die ich immer und immer wieder lösen soll. Auf Dauer macht das keinen Spaß, doch der Humor des Spiels tröstet mich über dieses Manko hinweg. Einige Gags mögen vielleicht für den einen oder anderen Spieler sehr trocken sein, doch sobald man einmal von der Heiterkeit der Spielwelt angesteckt wird, gibt es kein Zurück mehr. Ich könnte das Spiel stundenlang loben und ebenso lange Kritik üben, denn ich verstehe es absolut nicht, wie man das Spiel technisch nicht durchgehend flüssig zum Laufen bringt, wie Ladezeiten bis zu siebzig Sekunden bei der Qualitätssicherung in Ordnung gehen können und warum man mit Musik während der Autofahren geizt. Fans der Lego-Videospiele greifen aber ohnehin zu und alle, die auf Grand Theft Auto V warten, dürfen ebenfalls nicht nur einen Blick riskieren und sich in der Welt von Lego City Undercover verlieren!

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