Review: Monster Hunter 3 Ultimate

MH3イラレAls vor drei Jahren Monster Hunter Tri für die Wii erschien, fasste das Franchise erstmals Fuß auf einer Nintendo-Plattform. Besagtes Spiel erstrahlt jetzt erneut für Wii U und 3DS – mit besseren Qualitäten und größeren Schwächen als das Original.

Monster Hunter 3 Ultimate (2)Wer jetzt darauf hofft, dass sich Spielwelt, Interaktionsmöglichkeiten und Gameplay stark von der Wii-Fassung abheben, wird sicherlich von der Portierung enttäuscht sein. In Monster Hunter 3 Ultimate bekommen wir nämlich nach wie vor die gewohnte Kost vorgesetzt, die sich nur minimal von den im Jahr 2010 veröffentlichten Spiel unterscheidet.  Das fängt bereits mit der Story an, denn anstatt die Handlung zu erneuern und zu verbessern, landen wir in der ersten Spielminute wie gehabt im Hafen des Ortes Moga und werden direkt Zeuge von einer vermeintlichen Naturkatastrophe. Ein Erdbeben erschüttert das Dorf – die Bewohner sind außer sich! In Gesprächen mit den Dorfbewohnern erfahren wir, dass der Leviathan Lagiacrus für die Beben verantwortlich ist und dass es noch kein Monsterjäger geschafft hat, die Bestie zu erlegen. Das klingt nach einem Auftrag für unseren Recken, der jedoch zu Spielbeginn noch viel zu schwach für die Jagd auf solch ein riesiges Monster ist. Nicht mehr und auch nicht weniger wird uns in Monster Hunter 3 Ultimate vorgesetzt – das war bereits vor drei Jahren nicht ausreichend! Bevor wir jedoch auf die Jagd gehen, müssen wir unseren Recken zunächst in einem Editor erstellen, der Dank des Wii U GamePads wesentlich komfortabler zu bedienen ist. Es bleiben bei der Charaktererstellung kaum Wünsche offen. Muskelprotze, Milchbubis und toughe Damen können wir mit dem Werkzeugkasten erstellen. Wer allerdings Rassen oder gar Klassen auswählen will, ist hier an der falschen Adresse.

Waidmanns Heil!

Monster Hunter 3 Ultimate (3)Egal wie unser Charakter im Endeffekt aussehen wird. Er ist und bleibt ein humanoider Monsterjäger, der bereit für seine erste Jagd in der fast unveränderten Spielwelt von Monster Hunter 3 Ultimate ist. In den nächsten Spielstunden geht es also in erster Linie um die Monsterjagd und die hat es stellenweise wahrhaftig in sich! Während wir bei unseren ersten Gehversuchen in der Regel nur auf kleinere Monster treffen, die sich an morphologischen Merkmalen von Dinosauriern oder rezenten Tieren orientieren, sind es mit zunehmender Spieldauer immer größere Exemplare, die von uns ins virtuelle Nirwana geschickt werden wollen. Die Kämpfe gegen die großen Wyvern gehören dann auch zu den Highlights des Spiels, denn solch ein Kampf kann schon mal eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Nur Monsterjäger, die sich im Dorf mit den wichtigsten und hilfreichsten Items eingedeckt haben, die beste Ausrüstung tragen und die Taktik der Gegner durchschauen, können so einen Kampf überhaupt erst überstehen. Um sich für so einen Kampf zu rüsten, müssen wir in der Spielwelt Erze mit einer Spitzhacke schürfen, Insekten mit einem Netz einfangen, Knochen sammeln und Tiere ausbeuten. Für letzteres sollten wir uns übrigens beeilen, denn trotz der starken Hardware der Wii U schafft es die Technik des Spiels immer noch nicht, die Leiche eines besiegten Monsters lange genug auf dem Fernsehbildschirm darzustellen.

Definition eines Helden

Monster Hunter 3 Ultimate (4)Kämpfen wir gegen mehrere Monster, ist es nach dem Ableben aller Kreaturen fast ein Ding der Unmöglichkeit, wirklich jedes einzelne Individuum auszubeuten. Die gefundenen Items können wir im Dorf entweder verkaufen, sie zu gänzlich neuen Items kombinieren oder uns auch Ausrüstungsgegenstände zusammenschustern lassen. Letzteres ist für das Vorankommen unvermeidlich! Anstatt wie in anderen Action-Rollenspielen Erfahrungspunkte zu sammeln und nach und nach Stufen aufzusteigen, definiert sich unser Charakter nahezu ausnahmslos über seine Ausrüstung. Das heißt, dass unser Jäger auch nur so viel Schaden anrichten kann, wie seine Waffe es zulässt und er entsprechend auch nur so starke Treffer aushalten kann, wie seine Rüstungsgegenstände aushalten. Eine Energieleiste, die mit Tränken wieder aufgefüllt werden kann, gibt es aber selbstverständlich auch in Monster Hunter 3 Ultimate. Neben unserer Energie sollten wir aber auch auf unsere Ausdauer achten, denn je mehr wir uns durch die unterschiedlichen Themenwelten außerhalb des Dorfes bewegen, desto eher nimmt diese rapide ab. Dass schwache Jäger starken Monstern fast aussichtslos unterlegen sind, dürfte klar sein. Haben wir vom Einzelspielermodus genug, können wir die Jagd online fortsetzen. Dazu segeln wir einfach von Moga aus in eine neue Stadt und treffen dort auf andere europäische Spieler, mit denen wir uns in Vierergruppen für die Jagd zusammenschließen.

Online-Jagden

Monster Hunter 3 Ultimate (5)Um uns im Kampf abzusprechen, können wir entweder aus vorgefertigten Sätzen wählen, Eingaben auf der eingeblendeten Wii-U-GamePad-Tastatur machen oder – am effektivsten – einfach den Sprachchat nutzen, der über das Mikrofon der Steuerungseinheit abläuft. Besitzen wir jedoch nur die 3DS-Fassung und keine Wii U, können wir mit dem 3DS-Spiel nicht online gehen. Alternativ können wir höchstens lokal mit bis zu drei Besitzern der 3DS-Fassung den Mehrspielermodus der Wii-U-Fassung genießen. Einen lokalen Splitscreen-Modus gibt es schon wieder nicht. Schwach! Da die Neuauflage des Spiels für Wii U und den 3DS erscheint, ist den Entwicklern jedoch eine nette Idee gekommen. Besitzen wir beide Versionen, können wir den Spielstand von einer Fassung auf die andere übertragen und mit ein- und demselben Jäger unterwegs die Jagd fortsetzen. Wer von Bus- und Bahn abhängig oder beruflich viel unterwegs ist, wird diesen Vorteil der neuen Versionen zuschätzen wissen. Ansonsten halten sich die Neuerungen stark in Grenzen, denn bis auf ein paar einzelne neue Monstertypen, neue Waffen und Begleiter, sowie eine geringfügig überarbeitete Technik, bekommen wir in Monster Hunter 3 Ultimate keine neuen Inhalte zu Gesicht. Die Technik ist es im Endeffekt jedoch, welche Monster Hunter 3 Ultimate das Genick bricht. Anstatt die Auflösung einfach nur zu erhöhen, hätte man deutlich mehr an der Optik feilen müssen.

Veraltete Technik

Monster Hunter 3 Ultimate (6)Was auf der Wii noch für offene Münder gesorgt hat, geht auf der HD-Konsole einfach nicht mehr. Verwaschene Texturen und magere Charaktermodelle stehen an der Tagesordnung. Auf dem 3DS macht das Spiel hingegen noch einen ganz ordentlichen Eindruck, zumal man dort auch alle Texte problemlos lesen kann. Sitzt man weiter als anderthalb Meter vom Bildschirm des Fernsehers entfernt, was aus gesundheitlichen Gründen unbedingt der Fall sein sollte, muss man die Augen schon sehr zusammenkneifen, um Spaß an den Dialogen zu haben. Eine Sprachausgabe hat man dem Spiel nämlich nicht spendiert. Wenn man sich vor Augen führt, dass das Spiel ursprünglich für die PlayStation 3 entwickelt wurde, fragt man sich wahrhaftig, wo die Überreste der einstigen Entwicklung geblieben sind. Diese hätte man wunderbar in Symbiose mit der Wii-Fassung bringen können, um Monster Hunter 3 Ultimate optisch zu einem Erlebnis zu machen. So bleibt unterm Strich nahezu das gleiche Spiel wie 2010. Es wird einem kaum etwas erklärt, vieles muss in der komplexen Spielmechanik schmerzlich selbst herausgefunden werden und Einzelspieler werden ohnehin nicht lange Spaß am Spiel haben. Wer jedoch sehr gerne online spielt, nichts gegen ein auf Dauer eher stark monotones Spielprinzip hat und die technischen Mängel des Spiels im Kopf ausblenden kann, der kommt um Monster Hunter 3 Ultimate nicht herum!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii- und Wii-U-Fassung): Als ich 2010 zum ersten Mal mit dem Monster-Hunter-Franchise konfrontiert wurde, war ich auf der PlayStation Portable schon nicht sonderlich angetan. Als ich dann für das NMag auch noch Monster Hunter Tri testen durfte, habe ich nicht sonderlich viel mehr Spaß mit dem Titel gehabt. Da es sich um ein Action-Rollenspiel handelt, erwarte ich auch, dass ich eine entsprechende Story erfahre, doch das ist hier nicht der Fall. Während ich darüber vielleicht noch hinwegsehen kann, will ich aber unbedingt, dass man mir das Spiel auch erklärt. Insbesondere jetzt, wo Capcom die Bedienungsanleitung gerade mal auf ein Blatt Papier runtergeschraubt hat (was bei einem solch komplexen Spiel wie Monster Hunter 3 Ultimate sicherlich nicht förderlich ist!), finde ich mich noch weniger in der Spielwelt mit ihren teils komplexen Mechaniken absolut nicht mehr zurecht. Mir fehlen die Verknüpfungen zwischen den Interaktionen, mir fehlen Hinweise darauf, wie man Arbeitswege optimiert und mir fehlen Erklärungen zur ökonomischen Jagd. Ich habe nichts dagegen, wenn ich in einem Spiel auch mal selbst etwas herausfinden muss, aber Monster Hunter 3 Ultimate verschließt sich so sehr, dass ich auch drei Jahre nach der ersten Veröffentlichung des Spiels nicht warm mit dem Franchise werde. Die Wii-U-Fassung leidet zudem auch noch unter technischen Defiziten, die mir den Spielspaß fast vollständig nehmen. Die Dialogtexte und manche Beschreibung sind so dermaßen klein, dass ich für das Verständnis gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen und mich anderthalb Meter vor meinen Fernseher setzen muss. Monster Hunter 3 Ultimate ist für mich also alles, nur keine liebevolle Portierung von der alten auf die neue Konsolengeneration. Capcom, nachsitzen!

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