Special: Das Xbox-One-Debakel

Microsoft Special (1)

Seit der ersten Ankündigung hat sich Microsoft mit der Xbox One nur wenige Freunde unter den Gamern machen können – dafür aber umso mehr bei Unternehmen wie großen Publishern.

Microsoft Special (2)

Der Konsolenkampf der nachfolgenden Generation darf sich ohne Zurückhaltung eindeutig zu einen der größten überhaupt zählen. Nicht nur, weil Videospiele derzeit so verbreitet sind wie noch nie zuvor. Wir Spieler warten nun schon sicherlich seit über fünf Jahren auf neue Konsolen, die mit brandneuer Technik und neuen Innovationen von Spiele-Entwicklern für sich werben wollen. Zudem ist das Internet zu der wichtigsten Kommunikations- und Informationsplattform geworden, die es Spielern und Unternehmen erlauben, Neuigkeiten in Sekunden um den Globus zu jagen. Somit waren alle Parteien bis aufs Äußerste gespannt, als die ersten Ankündigungen der Konsolenhersteller anrollten. Den ersten Schritt unternahm Sony und präsentierte uns auf ihrer Konferenz zwar noch nicht die Konsole selbst, aber zumindest schon mal alles andere drum herum. Microsoft hatte nun einige Monate Vorsprung, um aus den Fehlern des Vorgängers zu lernen. So zeigten sie mitunter gleich die Konsole – im Ausgleich aber auch eine Vielzahl deren Features, auf die die versammelte Videospiel-Presse aus aller Welt sicherlich hätte verzichten können. So will Microsoft zum Beispiel mit neuartigen TV-Funktionen, die vor allem mit Hilfe von Kinect erweitert werden sollen, die Videospielkonsole mit gewöhnlichen TV-Receivern konkurrenzfähig zu machen.

Sport, TV und Sport im TV

Microsoft Special (3)

Daneben versucht der Konzern seine anscheinend neu entdeckte Liebe zum digitalen Sport besonders vordergründig auszudrücken. Dank einer umfangreiche Partnerschaft mit Electronic Arts und einigen konsoleninternen Features werden Spieler mit live ausgetragenen Sportpartien interagieren können, womit Microsoft den Kreis der Sport- und TV-Funktionen schließt. Das Ganze nahm während der Präsentation Überhand, was zumindest hierzulande und in weiteren Territorien abseits Nordamerikas auf nur wenig Begeisterung gestoßen ist. Nicht, weil wir Europäer besonders unsportlich wären, aber für uns werden diese Spielereien, wenn überhaupt, erst wesentlich später zugängig gemacht. Die ersten Informationen von Microsoft, bezüglich des ab Herbst international vertriebenen Produkts, bezogen sich zu sehr auf das amerikanische Publikum, wohingegen die große E3-Pressekonferenz mit einer Menge Spiele wiederum allgemeiner gehalten wurde. Das ist aber noch gar nicht der Grund, warum sich gefühlt das gesamte Internet auf eine Hetzjagd gegen Microsoft aufgemacht hat. Themen wie der Online-Zwang, die Gebrauchtspiel-Sperre und die potentielle Datenschutzapokalypse, ausgelöst durch die stets aktive und wachsame Kinect-Kamera, versuchte Microsoft auf den Events zu umgehen. Im Endeffekt weiß jetzt jedoch trotzdem jeder bestens Bescheid.

Marketing-Massaker

Microsoft Special (4)

Nicht wenige Spieler predigten Microsoft schon damals wegen diesen infamen Innovationen als Verlierer der Konsolengeneration. Der Druck wurde unerträglich, bis Microsoft selbst klein bei geben und alle noch so verhassten Konzepte über den Haufen werfen musste und aus dem Plan der Xbox One strich. Vielleicht aber war die ganze Zeit über schon im Vorhinein klar, dass die Firma diesen Werdegang der Konsole nach einiger Zeit der Empörung ändern wird. Dieser freche Rundumschlag der Dreistigkeit, verbreitet wie ein Lauffeuer, erreichte wesentlich mehr Personen, als die tollen und zufriedenstellenden Nachrichten der PlayStation 4. Solche weitreichenden und noch nie dagewesenen Änderungen in der Konsolenpolitik, wie sie Microsoft vorgeschlagen hat, können die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit abseits der Gaming-Presse wesentlich leichter auf sich ziehen, als eine schnieke Konsole mit toller Technik und einem angenehmen Preis – wie eben die PlayStation 4. Der einhundert Euro teurere Preis verpasste dem Sarg den letzten Nagel und die Xbox One war für jede logisch denkenden Person gestrichen – sogar für einige eingefleischte Xbox-Fans. Da die Sache nun abgeblasen wurde, wird Microsoft von vielen nun tatsächlich in ein wesentlich positiveres Licht gezogen, als sie es eigentlich verdient hätten.

Verzehrte Wahrnehmung

Special (5)

Nur für uns Spieler habe Microsoft die Pläne aufgegeben, um uns alle glücklich zu machen, heißt es. Und für die Leute, die noch einen kühlen Kopf bewahren können, hat Microsoft noch eine weitere starke Waffe auf seiner Seite. Die Zeit, denn die heilt nicht nur alle Wunden, sondern lässt den einen oder anderen im Angesicht der täglichen Informationsflut auch vergessen oder verdrängen. Erst heimste Electronic Arts Lob ein, als sie sich entschlossen haben, den Online-Pass für zukünftige Spiele abzuschaffen. Möglicherweise wusste der Konzern schon von Microsofts Online-Spielereien, die zusammen noch wirkungsvoller als ein einzelner Online-Pass wären, und entschloss sich dazu, erst ein paar Pluspunkte für die pechschwarze Beliebtheitsskala der Firma zu sammeln. Es ist gut möglich, dass auch Sony in diese Richtung plante, sich aber umentschied, um sich von der vollends in den Boden gestampften Xbox One weiter zu distanzieren. Schlussendlich wird nun keine der neuen Konsolen diese Online-Miseren besitzen. Positiv muss man Electronic Arts anrechnen, dass sie schon in Interviews angegeben haben, den Online-Pass nicht mehr zurückzubringen, aber Vorsicht: Aktionen von Electronic Arts und Microsoft haben gezeigt, zu was Konzerne mittlerweile fähig sind und Unwahrheiten haben sich in den traurigen Alltag der Videospielindustrie eingeordnet.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Meinung: Ob die ursprünglich geplanten Funktionen der Xbox One besser für die Konsole gewesen wären, kann ich jetzt nicht mehr sagen. Die Pläne sind umgeworfen! Ob die Xbox One, angepasst an den Konsolenstandard, nun besser ist als zuvor, kann ich ebenfalls nicht sagen. Die Pläne sind umgeworfen! Ich finde es jedoch gut, dass Microsoft die Pläne geändert hat, denn die Konsole hätte mich mit ihrem vorherigen System absolut nicht interessiert. Ich möchte Spiele wie mein restliches Eigentum besitzen. Ich möchte nicht ständig mit meiner Konsole online sein. Ich möchte nicht ständig von Kinect ausspioniert werden! Zumindest wäre letzteres schön, denn Kinect gehört zur Konsole genauso dazu wie der Controller und das ist für mich der Grund, warum mich die Xbox One nicht interessiert. Nach dem ganzen Überwachungsskandal, wie wir Bundesbürger von den Vereinigten Staaten bereits abgehört und ausspioniert werden, ist so etwas nicht tragbar. Microsoft dementiert zwar, dass persönliche Daten übermittelt werden, aber wie mein Kollege Jonas schon richtig erkannt hat, darf man Konzernen heute alles zu trauen und Microsoft, so leid es mir auch tut, traue ich das zu. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass Drittentwickler Kinect voll und ganz in Core-Titeln zum Einsatz bringen werden und bisher sind auch keine Kinect-Features von irgendeinem großen Spiel in bewegten Bildern gezeigt worden. Da spare ich doch lieber einhundert Euro und greife eher zur PlayStation 4 oder bleibe bei meiner liebgewonnenen Wii U.

Jonas‘ Meinung: Microsoft hat das ursprüngliche Konzept über den Haufen geworfen. Man muss das natürlich nicht als Strategie werten, sondern eher als alternative Lösung, die es dem Konzern nun ermöglicht, die Implementierungen der Xbox One wegzulassen. Das ganze Thema ist natürlich trotzdem noch lange nicht vom Tisch, denn diese Schritte hinterließen bereits tiefe Spuren und beweisen, zu was Konzerne im Angesicht güldener Profitaussichten fähig sein können. Momentan ist es aber wirklich alles andere als einfach, einen kühlen Kopf zu bewahren un die gesamte Angelegenheit aus einer neutralen SIcht einzuschätzen. Im Grunde werden uns erst die Konsolen im Weihnachtsgeschäft reinen Wein einschenken und dann stellt sich im Nu heraus, ob Sony oder Microsoft das bessere Produkt anbietet.

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