Review: Kiss the Coach

Kiss the Coach (1)Liebesfilme spalten die Geschlechter wie kein anderes Filmgenre. Während Männer wohl am liebsten gleich den Kinosaal verlassen würden, bekommen Frauen oftmals nicht genug davon. Kiss the Coach versucht beide Geschlechter mit italienischem Feingefühl zusammenzuführen.

Kiss the Coach (2)Einst war George ein Fußballprofi, der in Europa große Erfolge gefeiert hat. Das hat sich auch auf sein Privatleben ausgewirkt, denn während eines Spiels lernt er zufällig Stacie kennen, die zu dieser Zeit gerade Urlaub in England macht. Beide verlieben sich ineinander. Das Ergebnis ist eine wunderschöne gemeinsame Zeit, denn es bleibt nicht bei einem Sommerflirt. George und Stacie heiraten, bekommen ein Kind und erleben das Familienglück in Kombination mit dem Gehalt eines Fußball-Stars. Die wunderbare Zeit, die sie in Italien verbringen, währt aber nicht lange. George hat immer weniger Zeit für seine Familie, woraufhin Stacie mit Sohn Lewis das Weite sucht. Jahre später bleibt George nichts mehr übrig. Ohne Frau und Kind, ohne Geld und Job und nur mit der Perspektive, vielleicht Sportreporter in den Vereinigten Staaten zu werden, zieht er in den Bundesstaat Virginia, um wieder in der Nähe seiner Exfrau und seinem Sohn zu sein. Zu diesem möchte er ein besseres Verhältnis aufbauen und endlich seine Vaterrolle so wahrnehmen, wie es sein Sohn verdient hat. Da kommt es ihm nur gerade recht, dass der Trainer der Fußballmannschaft seines Sohnes wenig Interesse am Sport und an der Mannschaft zeigt – die Eltern aller Kinder wollen, dass George das Team übernimmt. Auf Drängen von Stacie, nimmt er das Angebot an und kommt seinem Sohn endlich wieder näher.

Playing for Keeps

Kiss the Coach (3)Leider entpuppt sich das Unterfangen schwieriger als gedacht, denn George wird von allen Seiten umgarnt, denn die teils alleinerziehenden Mütter sind sprachlos, wie gut George mit Kindern umgehen kann. Sie schauen sich ihm als Objekt ihrer Begierde an. Barb ist aufgrund ihrer letzten Beziehung ein innerliches Wrack, doch rückt sie George ständig auf die Pelle. In Denise sieht der den Mittel zum Zweck, denn sie war einst Sportreporterin und könnte ihm einen neuen Job verschaffen. Patti fühlt sich von ihrem Mann Carl vernachlässigt. Zudem weiß sie, dass ihr Mann Carl sie betrügt. Alle drei Frauen verführen George oder versuchen es zumindest, der so das Ziel aus den Augen verliert, eine Verbindung zu Lewis aufzubauen. Je mehr Zeit George jedoch mit Lewis verbringt, desto mehr fällt ihm auf, wie sehr ihm Stacie eigentlich fehlt. Zu dumm nur, dass George erfährt, dass Stacie bald ihren Verlobten Matt heiraten will. Da George weiß, dass Stacie im tiefsten Inneren immer noch Gefühle für sie hat, will er sie zurückerobern. Wer jetzt jedoch denkt, dass der klischeebelastete Film hier stark auf die Tränendrüse drückt, wird überrascht sein. Der Film funktioniert und geht sehr erwachsen mit dem Thema um. Realitätsfern wirkt er dabei nicht so sehr, wie andere Filme des Genres. Hier wird der Originaltitel des Films, Playing for Keeps, mehr als nur deutlich.

Erfrische Erfahrung

Kiss the Coach (4)Vielleicht wirkt der US-amerikanische Film vielleicht deshalb so frisch und erwachsen, da er nicht von einem amerikanischen Regisseur vorbelastet ist. Regisseur Gabriele Muccino, der sich auf für die Filme Das Sterben nach Glück und Sieben Leben verantwortlich zeigt, hat bei Kiss the Coach mit italienischem Feingefühl bewiesen, dass es auch anders geht. So bleibt der Film durchgehend in derselben Stimmung und zugegebenermaßen, gefällt das nicht jedem. In Anbetracht der guten schauspielerischen Leistung von Gerard Butler (George), Dennis Quaid (Carl), Jessica Biel (Stacie), Uma Thurman (Patti), Catherine Zeta-Jones (Denise), Judy Greer (Barb), James Tupper (Matt) und Noah Lomax (Lewis), kann man sich ruhig zurücklehnen. Besonders Lomax’ Leistung gebührt schon ein kleiner Respekt, denn Lewis wirkt nicht wie eines der überdrehten Kinder, die sonst in westlichen Produktionen stark in den Vordergrund gedrängt werden. Wer nach dem 106-minütigen Film noch weitere Einblicke erhaschen will, freut sich im Bonusmaterial auf circa zehn Minuten entfallene (und erweiterte) Szenen. Dazu gesellen sich Interviews mit den Hauptdarstellern und ein zu kurz geratenes Making-of, das ebenfalls noch Einblicke in die Produktion des Films ermöglicht. Wer sich auf Kiss the Coach einlässt, bekommt statt des Hollywood-Einheitsbrei eine erfrischende neue Erfahrung serviert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es gibt leider zu viele Liebesfilme, die das Genre grundsätzlich kaputtmachen – besonders die klischeebelasteten Hollywood-Filme zerstören das Genre, da sie eine Realität suggerieren, die so niemals existieren könnte. Kiss the Coach ist erfrischend anders und macht dabei eigentlich so gut wie gar nichts neu. Eine Prise unerfülltes Familienglück und das Verstehen, was es bedeutet, Vater zu sein und schon ist das Erfolgsrezept für einen Kinofilm geboren. Man beendet den Film nicht mit einem guten oder schlechten Gefühl im Magen, denn die Grundstimmung bleibt durchgehend gleich. Man kann sich voll und ganz auf die Charaktere konzentrieren und wie sie mit Situationen in ihrem täglichen Leben umgehen. Davon hängt natürlich auch ein Teil von den Schauspielern ab und im Falle von Gerard Butler, Dennis Quaid und Jessica Biel hat man sich auch schon auf ein paar Darsteller eingelassen, die in Hollywood nicht omnipräsent sind und deshalb wie auf die Rollen der Kleinstädter zugeschnitten sind. Mir hat Kiss the Coach aufgrund dieser Mischung gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt, ob Muccino weiter in diese Richtung vordringen möchte.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kiss the Coach! 

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