Review: Die letzten Glühwürmchen

Die lezten Glühwürmchen (1)Lange hat es gedauert, doch jetzt ist der Anime-Klassiker Die letzten Glühwürmchen aus dem Jahre 1988 endlich auch hierzulande auf Blu-ray erhältlich. Isao Takahata verarbeitet Gefühle, Emotionen und Realität des Zweiten Weltkriegs in Japan aus der Sicht von zwei Kindern.

Die lezten Glühwürmchen (2)Der Zweite Weltkrieg hat Millionen von Menschenleben gefordert, Familien auseinander gerissen und wirtschaftliche Auswirkungen auf so gut wie alle Länder der Erde gehabt. Dieses Thema wird weniger oft gut von Videospielen, sondern viel mehr von Filmen gut eingefangen – Animes sind die Ausnahmen, doch Filme wie das zweiteilige Barfuss durch Hiroshima, Mein Heimatland Japan und Die letzten Glühwürmchen zeigen, dass man auch sehr wohl mit Animes beeindruckende und unvergessliche Bilder auf die Leinwand bannen kann. Während PC- und Videospiele eine aktive Beteiligung des Spielers erwarten, werden Animes aus einem passiven Blickwinkel betrachtet. Da finden wir es gut, dass der Fokus nicht nur auf Gewalt, sondern viel mehr auf den Auswirkungen des normalen Lebens von Zivilisten liegt. Der Film beginnt mit dem tragischen Ende eines der beiden Hauptprotagonisten. Seita liegt verkommen in einer Bahnhofshalle herum, kurz nach der Kapitulation der Japaner im September 1945. In einer großen Rückblende setzt der Film anschließend im Juni 1945 ein, als die Stadt Kōbe mit Brandbomben attackiert wird. Die Mutter von Seita und Setsuko bricht zum Luftschutzbunker auf, ihre Kinder sollen nach dem Verstecken von Nahrungsmitteln folgen, doch der Weg wird ihnen von herabstürzenden Brandbomben und deren Zerstörungskraft abgeschnitten.

Das Grab der Leuchtkäfer

Die lezten Glühwürmchen (3)Erstmals erleben die Kinder das Grauen des Krieges mit, denn schon bald müssen sie sich mit dem Verlust ihrer Mutter, die bei dem Angriff der US-Amerikaner stirbt, konfrontiert sehen. Um zu überleben, bricht das Geschwisterpaar zu ihrer Tante nach Nishinomiya auf. Seita und Setsuko werden zunächst mit offenen Armen aufgenommen, doch Seita will sich nicht in die Gemeinschaft einfügen und arbeiten. Stattdessen spielt er lieber mit seiner Schwester. Damit wird die Geduld der Tante auf eine harte Probe gestellt. Diese beschließt eigenhändig, schnell die Kimonos der toten Mutter zu verkaufen, um dafür für die Familie Reis zu beschaffen. Da ihre Tante ihnen einige Tage später jedoch nichts mehr zu essen abgeben möchte, beschließen die Kinder ihr neues Zuhause in einer Höhle zu finden. Sie tauschen Kleidung gegen Essen und können vom Ersparten ihrer Mutter ebenfalls eine kurze Zeit lang gut leben. Damit die Kinder nachts Licht haben, fangen sie Glühwürmchen. Am nächsten Morgen sind viele Käfer jedoch bereits tot, woraufhin Setsuko sie begräbt – da versteht sie, dass auch ihre Mutter nicht mehr zurückkommen wird. Mit der Zeit verschlechtert sich Setsukos Gesundheit zunehmend. Ein Arzt erklärt ihnen, dass Setsuko unterernährt ist. Damit es Setsuko besser geht, bleibt dem Bruder nur eine Möglichkeit – er muss in der Not nachts Gemüse von den Feldern stehlen.

Bedrückend und erschütternd

Die lezten Glühwürmchen (4)Für Setsuko kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Die Vierjährige stirbt. Als Seita dann auch noch wenige Zeit später erfährt, dass Japan kapituliert hat, verliert er allen Lebensmut, da er davon ausgeht, dass auch sein Vater sein Leben verloren haben muss. Seitas Geschichte basiert auf dem Buch von Akiyuki Nosaka, welches teilweise auf autobiografischen Tatsachen aufbaut – so starb zum Beispiel Nosakas Schwester an kriegsbedingter Unterernährung. Auch Regisseur Takahata lässt Erfahrungen aus seiner Kindheit mit einfließen. Das restliche Team hat zudem Quellenforschung betrieben, um die Zeit vor Kriegsende in Bildern möglichst realitätsnah an den Zuschauer vermitteln zu können. Deshalb hat man sich dazu entschieden, Trockenfarben einzusetzen, statt ein zu buntes Bild zu erzeugen. Beispielsweise wirkt Wasser sehr natürlich und nicht durch blaue Farbe übersättigt. Mehr Informationen dazu findet ihr im Bonusmaterial der Blu-ray, welches aus Interview und Making-of, sowie einem Dialog mit dem Filmstudio besteht (circa vierzig Minuten Laufzeit). Der Film schafft es in 85 Minuten, uns Gedanken, Beweggründe und die Handlung nahezulegen. Emotionale Zuschauer dürfen sich einstellen, hin und wieder das Taschentuch zu zücken, da der Film des Öfteren auf die Tränendrüse drückt – aber genau deshalb wird er uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Meinung (basierend auf der Blu-ray-Fassung und der Studio Ghibli Collector Box): Vor mehr als zwei Jahren habe ich den Film zum ersten Mal gesehen und auch den kurzen Roman gelesen. Es fällt mir nach wie vor schwer, die Worte für diesen Film zu finden. Jede einzelne Szene ist so aufgebaut, dass ich mit den Charakteren fühlen kann. Kein Kind der Welt sollte in jungen Jahren seine Mutter verlieren. Kein Kind der Welt sollte einen zerstörerischen Krieg wie den Zweiten Weltkrieg erleben. Kein Kind der Welt soll Hunger leiden. Leider sieht die Wirklichkeit auch fast siebzig Jahre nach Kriegsende nicht anders aus, wenn natürlich nicht in Deutschland oder Japan. Durch das Ansehen dieses Animes kann man sehr gut verstehen, wie die Menschen in der Vorkriegszeit lebten oder aufgewachsen sind. Mit fundiertem Hintergrundwissen haben es die Köpfe bei Studio Ghibli geschafft, hier ein Werk zu schaffen, welches einen wichtigen Wendepunkt in der japanischen Geschichte darstellt. Gefühlsbetont werden Tatsachen ins wahre Licht gerückt und jeder, der sich für die Thematik interessiert, sollte sich Die letzten Glühwürmchen zumindest einmal angesehen haben.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Die letzten Glühwürmchen!

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