Review: Killer is Dead

Killer is Dead (1)Gōichi Suda steht in der Gunst eines engen Kreises von Videospielern, denn anstatt mit dem Strom zu schwimmen und sich dem Markt anzupassen, überrascht der japanische Herr mit seinen verrückten Spielideen immer wieder aufs Neue – im Guten, wie im Schlechten!

Killer is Dead (2)Die Handlung von Killer is Dead findet in der nahen Zukunft statt. In dieser Zukunft wird der Mond bereits besiedelt und Menschen akzeptieren wohlwollend, durch kybernetische Technik ihren Körper zu erweitern. Einer dieser Menschen ist Mondo Zappa. Ausgerüstet mit seinem Katana Gekkō und einer befremdlichen Armerweiterung, die verschiedene Funktionen erfüllt, erledigt er seinen Job für Bryans Firma. Sein Beruf ist der eines Auftragkillers. Sobald neue Aufträge eintrudeln, wird Mondo dazu auserkoren, die Exekution zu vollziehen. Seine Jobs führen ihn dabei an exotische und weniger exotische Orte rund um den Globus. Unter Mondos Reiseziele fallen die Straßen von New York City, eine Militärbasis in Area 51 oder Kyōto. In der einstmaligen japanischen Hauptstadt räumen wir ein Yakuza-Hauptquartier auf und zu guter Letzt stellen wir auch noch den Mond auf den Kopf. Während wir die verschiedenen Aufträge für Bryans Firma erledigen, erfahren wir langsam mehr über unsere Vergangenheit und warum wir überhaupt ein Auftragskiller sind und eine Armerweiterung an unserem linken Arm klebt. Alles hängt mit einem Mann namens David, perfekt gekochten Spiegeleiern und uns fast jede Nacht plagenden Alpträumen zusammen. Das klingt verwirrend und das ist es auch, denn bis erst einmal die Zusammenhänge geklärt sind, ist das Spiel bereits vorbei.

Blut und Schweiß

Killer is Dead (3)Die einzelnen Spielabschnitte, die zwischen den Story-Sequenzen von uns besucht werden, sind zwar abwechslungs-, aber nicht sonderlich einfallsreich. Grundsätzlich durchkämmen wir einen Raum nach dem anderen. In jedem Raum tauchen plötzlich aus dem Nichts Gegner auf, die wir in schnellen und anfangs äußerst schwierigen Kämpfen besiegen müssen. Mit unserem Katana Gekkō schlagen wir unterbrochen auf einen einzelnen Gegner ein, weichen dann im richtigen Augenblick aus oder wehren den Gegenangriff ab. Danach positionieren wir uns hinter dem Gegner und mit etwas Glück können wir ihm dann den Rest geben. Schwebende Gegner nehmen wir stattdessen mit unserer kybernetischen Armprothese aufs Korn, denn in dieser schlummert unter anderem eine Funktion, um mit Geschossen Gegner in der Luft zu besiegen. Für jeden besiegten Gegner hagelt es Mondkristalle, die wir in unsere Ausbildung investieren dürfen. Mit den wertvollen Edelsteinen schalten wir einen Rotationsangriff für Gekkō frei oder entscheiden uns für eine Fähigkeit, mit der wir mit unserem Blut unsere Lebensenergie auffrischen dürfen. Blut ist außerdem sehr wichtig, damit wir die Fähigkeiten unseres kybernetischen Arms verwenden oder die, ganz besonders für die Bossgegner am Ende eines jeden Einsatzes unverzichtbaren, Exekutionen durchführen zu können.

Herausforderungen

Killer is Dead (4)Bis wir die Steuerung verinnerlicht hatten, vergingen in unserem Test circa vier Stunden. Wer den Dreh jedoch erst einmal raus hat, möchte den Controller nicht mehr aus der Hand legen – auch wenn sich der Titel überwiegend als Button-mashing-Orgie entpuppt. Überwiegend aber nur, da Killer is Dead nur sehr schwer zu meistern ist. Das sichere Treffen und Ausweichen ist selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad eine wahre Herausforderung, was wohl oder übel daran liegen mag, dass wir während unseres etwa zehnstündigen Spieldurchgangs dann und wann Probleme mit der richtigen Kamerapositionierung haben. Ist die Kamera nämlich suboptimal ausgerichtet, wird zwar beim richtigen Gegner das Symbol für die Exekution angezeigt, doch kann es passieren, dass Mondo stattdessen lieber einen anderen (näheren) Gegner anvisieren will, wo der Angriff keine Wirkung haben wird. Solche Momente können besonders in den freispielbaren Herausforderungen stören, da diese noch einmal ein ganzes Stück schwieriger sind. Hier sind unsere Aufgaben unter anderem einen bestimmten Gegner zu besiegen, ohne dabei überhaupt nur einmal getroffen zu werden, eine gewisse Zeit lang nur zu überleben oder nur mechanische Gegner und keine lebenden Organismen abzuschießen. Zusätzlich warten Nebenaufträge, die ein wenig mehr Abwechslung versprechen.

Der Auftrag: Killer is Dead

Killer is Dead (5)Für beendete Jobs erhalten wir Geld, mit denen wir im Souvenirladen Geschenke für unsere Herzensdamen auf der Welt erwerben dürfen. Laden wir die Frauen zu einem romantischen Date ein, müssen wir sie zunächst – in den Momenten, in denen sie unachtsam sind – an Wangen, Brüste und Beinen ansehen, um Mut zu sammeln, um ihnen Geschenke zu machen. Gewinnen wir das Herz einer Frau, gibt sie uns wohlmöglich die neueste Waffe. Obwohl Killer is Dead recht ernst ist, rundet der unterschwellige Humor das Spiel ab. Dazu beiträgt auch die japanische Sprachausgabe, denn diese ist fantastisch überdreht. Für die englische Sprachausgabe hat man sich ähnliches überlegt, doch ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Schon nach einer Stunde Spielzeit sind wir den Sprechern überdrüssig geworden und haben zum Original gewechselt. Wer mit Animes mit einer zur Hälfte überdrehten und zur Hälfte ernsten Sprache konform geht, wird Killer is Dead sicherlich lieben. Nach dem Abspann bleibt jedoch ein eher bitterer Nachgeschmack, denn bis kurz vor dem Endkampf haben wir das Gefühl gehabt, einer ansteigenden Spannungskurve zu folgen, die in wenigen Minuten abrupt abnimmt und den Abspann auf den Bildschirm zaubert. Das riecht nach Zusatzinhalten oder einem Nachfolger, in dem das Schicksal von Mondo Zappa abschließend geklärt wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Grundsätzlich halte ich Gōichi Suda für einen fähigen und talentierten Menschen in der Videospielindustrie. Seine Mentalität verbindet verrückte Spielideen mit außergewöhnlichen Grafikstilen. Seit No More Heroes 2: Desperate Struggle warte ich auf ein ähnliches Spiel, welches auf einer seiner Ideen beruht – Killer is Dead schien mir da die ersehnte Hoffnung gewesen zu sein, denn sowohl der kultige Cel-Shading-Look, als auch der Hauptcharakter haben in meinen Augen eine gute Vorlage geliefert. Leider kann der Titel meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Ich hatte in den zehn Stunden zwar durchaus Spaß mit dem Spiel, doch für meinen Geschmack ist der Spieleinstieg nicht gut gelungen. Zunächst werde ich ständig mit Erklärungen zu den Spielmechaniken in einem viel zu kleinen Level genervt und dann braucht es erst einmal ein gewisses Feingefühl, damit ich die ersten Kämpfe gegen größere Gegner und Bossgegner erst einmal überstehe. Ausschließlich in den ersten Spielstunden kam es bei mir vor, dass Mika (Mondos Assistentin) nach seinem Ableben auf dem Bildschirm auftaucht und ich wie verrückt auf die X-Taste hämmern darf, um ihn wiederzubeleben. Die X-Taste leidet in diesem Spiel sogar in weiteren Situationen! Nicht nur in den normalen Kämpfen wedele ich Gekkō wie wild herum, auch in seltenen Zweikämpfen muss ich binnen weniger Sekunden das Dauerfeuer auf die X-Taste eröffnen, damit Mondo gerade einmal einen finalen Schwerthieb ausführt. Während mir die Hauptaufträge bis zum Ende eigentlich durchweg gefallen haben (bis auf die zu langsam in Gang kommende Handlung), sind die Nebenaufgaben eigentlich alles – nur kein gutes Gamedesign. Wer sich damit abfinden kann, bekommt pure Action-Unterhaltung spendiert, die zumindest mit einem Wiederspielwert punkten kann.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Killer is Dead!

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