Review: The Guillotines

The Guillotines (1)Während sich Historienfilme nah an der wahren Geschichtsschreibung bewegen, versuchen Filme des Action-Genre lieber eine fiktive Handlung innerhalb eines historischen Rahmens zu erzählen. The Guillotines von Regisseur Andrew Lau macht das nicht anders.

The Guillotines (2)In der letzten Dynastie Chinas, also die Qing-Dynastie, welche von 1616 bis 1912 regierte, existierte angeblich ein geheimer Bund. Zu Beginn der neuen Regierung sollte dieser von Assassinen gegründete Bund jene Feinde ausschalten, die sich dem Herrschaftsanspruch der Mandschu widersetzen. Dieser Bund ist sowohl in der Bevölkerung, als auch bei Hofe hoch angesehen, doch mit dem Amtsantritt des neuen Kaisers scheint der Bund nun überflüssig zu sein. Kaiser Yong Zheng sieht in jenem Bund nur ein überflüssiges Machtinstrument seiner Regentschaft, denn auch wenn der anscheinend technisch modifizierte Klingenbumerang eines jeden Kämpfers schon der Technik des Westen überflügelt scheint, so sieht Yong Zheng China als rückständig an. Man müsse das Reich der Mitte an den Westen anpassen und solche Errungenschaften wie die Dampfmaschine oder Schusswaffen, die unter anderem in Europa beziehungsweise in Großbritannien ihren Ursprung haben, mühselig nachbilden. Man dürfe den technischen Fortschritt nicht verschlafen, doch auflösen will er den Bund nicht und zieht mit seinem Stab hinter den Kulissen die Fäden, wie der Bund für alle Zeiten aus dem Weg geräumt werden kann. Dabei beginnt alles recht harmlos mit einem Auftrag: Anführer Leng soll mit seinen Kameraden den entflohenen Banditenanführer Wolf und sein Gefolge töten.

Ein fiktives Kapitel der Geschichte Chinas

The Guillotines (3)Als sie ihn endlich gefasst haben, sind sich die Guillotines uneins. Auf einmal heißt, dass man ihn für den Fall der Fälle doch besser am Leben lassen sollte. Im nächsten Moment werden die Guillotines in einen Hinterhalt der Hirten, Wolfs Truppe, geführt und können auch nicht mehr ihre alte Kameradin Musen retten. Kurz darauf wird auf die Guillotines auch noch ein Kopfgeld ausgesetzt. Es fließt unweigerlich Blut auf beiden Seiten, doch bis die übrigen Mitglieder des Bundes erkennen, dass der Kaiser hinter allem Übel steckt, ist es für sie fast schon zu spät. Man merkt, dass der Film auf ein düsteres Ende hinzielt, welches dennoch mit einer überraschenden Wendung auftrumpfen kann – sofern man die Geschichtsschreibung aus den Augen lässt und über fiktive Begebenheiten hinwegsehen kann. Wir verraten an dieser Stelle natürlich nicht, wie die Geschichte um die Guillotines ausgehen wird, doch man kann dem Film am Ende deutlich anmerken, unter welchem politischen System der Film irgendwie entstanden sein muss. Das tut der Spannung bis zum Ende jedoch nichts, denn obwohl es mit zunehmender Spieldauer schwieriger wird, die verschiedenen Parteien im Film auseinander zu halten, sind die Dialoge tiefgründig und die Kämpfe spannend inszeniert. Langeweile kommt höchstens dann auf, wenn man wirklich den Überblick verliert, was durchaus passieren kann.

Ein Film für 3D-Fernsehgeräte

The Guillotines (4)Obwohl die Schauspieler ihr bestes tun, fällt an einigen Stellen jedoch auf, dass sie manchmal etwas emotionslos und stellenweise sogar motivationslos wirken. Hingegen übertrieben fallen die vielen Kampfeinlagen aus. Besonders in der erste Hälfte des Films bemerken wir Szenen, die eindeutig auf das Nutzen der 3D-Technologie ausgelegt sind. Zeitlupenkämpfe und auch der Flug eines Klingenbumerangs werden ähnlich langsam in Szene gesetzt. Wenn man sich den Film in der auf der Blu-ray schlummernden 3D-Fassung anschaut, dann können diese Momente atemberaubend sein. In der normalen 2D-Version hingegen stören solche Szenen. Wer jetzt an Resident Evil: Afterlife denkt, darf aber aufatmen. Ähnlich extrem fällt der Einsatz dieser Technik bei weitem nicht aus! Das kommt der Laufzeit von circa 113 Minuten nur zugute – soll heißen, dass man auf einem normalen Fernseher nicht ständig aus der Szene gerissen wird. Eine alternative, in diesen Momenten in Normalzeit ablaufende Fassung auf einer weiteren Disc, hätte uns jedoch persönlich besser gefallen. Wer sich den Film in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) auf Mandarin anschaut und anhört, bekommt den besseren Ton, doch auch die deutsche Synchronfassung in DTS HD 5.1 braucht sich nicht vor dem Original zu verstecken. Herausragend ist The Guillotines unterm Strich zwar nicht, aber annehmbar.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich finde es schade, dass sich Regisseure wie Andrew Lau Freiheiten nehmen, um fiktive Begebenheiten zu erzählen, die danach mehr als unglaubwürdig wirken. In den Anfangsszenen werden die Waffen der Kämpfer vorgestellt, die technologisch weit überlegen wirken. Trotzdem scheint dem Kaiser das egal zu sein und will unter allen Umständen bessere Technik aus dem Ausland importieren und die Guillotines loswerden. Wenn ich darüber jedoch hinwegsehe, erstreckt sich vor mir eine interessante und kompliziert gestrickte Handlung, die bis zum Ende spannend inszeniert wird. Man darf dabei jedoch nicht die Konzentration verlieren, denn besonders in der Mitte des Films spitzt sich die Lage zu und man kann sehr leicht die verschiedenen Parteien wie die Guillotines oder die Hirten durcheinanderbringen. Passt man bis zum Abspann jedoch auf, gefällt einem das Ende – auch wenn es nicht so rosig ausfällt – doch ganz gut. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt in meinen Augen dennoch, denn irgendwie fühlt sich der letzte Dialog so an, als ob China sein politisches System und sein Menschenverständnis glorifizieren will.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Guillotines!

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