Review: Tsumitsuki

TsumitsukiIn diesem Einzelband werden fünf Kurzgeschichten von Hiro Kiyohara zusammengefasst, die sich alle mit dem titelgebenden Konzept der mysteriösen Tsumitsuki befassen. Anfangs wissen wir darüber aber noch genauso wenig, wie die ahnungslosen Figuren in den Geschichten. Die erste dreht sich beispielsweise um das Mädchen Chinatsu, die nach einem Umzug in der Schule auf die verschlossene und etwas kuriose Mayu trifft. Da sie das Gefühl plagt, dass mit Mayu etwas nicht stimmt – sie vielleicht von anderen Mitschülern schikaniert wird – versucht sie ihr näher zu kommen, woran sie jedoch kläglich scheitert. Eher zufällig – so wie es scheint – kommt sie mit dem Jungen Kuroe in Kontakt, der ihr dann von dem Mythos der Tsumitsuki erzählt. Er, zusätzlich noch der Sohn eines Schreinpriesters, behauptet, Mayu sei von einem dieser Wesen befallen. Diese sind Sündenteufel, die sich in sündende Menschen, die von Schuldgefühlen geplagt werden, einnisten. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass diese Personen selbst auch Schuld empfinden. Dieser Tsumitsuki zerfrisst diesen Menschen von innen, bis er sich selbst physische Präsenz beschafft hat. Im Idealfall werden sie aber von Tsumigami aufgehalten, die die Rolle des Erlösers einnehmen.

Wer Böses tut, den holt der Teufel

Alle fünf Geschichten besitzen als Wiederkehrende Thematik die Wechselwirkung zwischen den Tsumitsuki und den Tsumigami. Verbunden werden sie inhaltlich nur durch den besonderen Charakter Kuroe, mit dem es einiges auf sich hat, und den voranschreitenden Erfahrungen und Erkenntnissen des Lesers. In jedem Kapitel dreht es sich um eine neue Figur, meist Mädchen, das mit einem Tsumitsuki in Kontakt kommt. Das wirft ein ganz besonders Licht auf die kurzen Abschnitte, denn obwohl sie auch relativ autonom funktionieren, sollten sie doch in der vorgegebenen Reihenfolge gelesen werden. Am Ende jeder der düsteren Geschichten wartet ein Kniff, eine Art Auflösung, auf den die Seiten davor aufbauen. Bis dahin entwickeln sich alle Kapitel annähernd gleich. Starten wollen sie alle möglichst klassisch und unbedeutend, um auch mit möglichst vielen Alltagssituationen möglichst viele Parallelen zum echten Leben herzustellen. Das heißt auch, dass die Kapitel nicht immer erfreulich, mit einem gekünsteltem Happy End, enden müssen. Dazu gesellen sich die realistischen Zeichnungen vom Autor und Illustrator Hiro Kiyohara, den der eine oder andere von euch vielleicht schon für seine Arbeiten am Manga Another kennt.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der zweiten Auflage): Die sehr weltlichen Charaktere und der solide Zeichenstil transportiert die Fiktion erschreckend nahe an das echte Leben heran, auch wenn es sich dabei natürlich um ein japanisches Setting und deren Kultur handelt. Daraus entsteht der praktische düsterer Horror-Drama-Happen für Zwischendurch. Dass sich der Autor doch einige Gedanken gemacht hat, erkenne ich spätestens auf den letzen Seiten jedes Kapitels – auch wenn sich bis dahin beinahe alle Geschichten und Schicksale der Figuren stark ähneln. Dennoch ist solch eine Anthologie zu einem doch etwas anderem Thema immer einen Blick wert, denn davon gibt es besonders hierzulande keine große Auswahl. Am Rande sei noch angemerkt, dass auf dem rückseitigen Covertext der Begriff Tsumitsuki im Deutschen verwechselt oder zumindest in einem falschen Kontext verwendet wird. Das ändert natürlich nichts am Manga selbst, behindert aber den Leser beim Einordnen und Verstehen der doch sehr japanischen Begriffe, die besonders auf den ersten Seiten zum einen oder anderen Zurückblättern bewegen.

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tsumitsuki!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s