Review: Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney

CTR_LvP_TS_UKV_140122-1.inddZwei der beliebtesten Videospielserien auf Nintendos Handhelds sind die Professor-Layton- und die Phoenix-Wright-Reihe. Seit sieben bis 13 Jahren unterhalten sie Fans auf der ganzen Welt. Im 2012 erschienenen Crossover stehen sich die titelgebenden Helden nun gegenüber.

Professor Layton vs. Phoenix Wright - Ace Attorney (2)Eines Abends zieht ein Gewittersturm über die britische Metropole London auf. Professor Layton und sein Lehrling Luke vertreiben sich die Zeit mit Abwarten, Teetrinken und dem Lösen von Rätseln. Als plötzlich die junge Sophie de Narrateur den Archäologen um Hilfe ersucht und einen Brief von dessen ehemaligen Studenten Will Crash vorliegt, stellt sie ihr Leben gehörig auf den Kopf. Ihre Ermittlung führt sie ins Herzen von London, wo sie durch ein geheimnisvolles Portal in eine mittelalterliche Welt versetzt werden. Zur gleichen Zeit befindet sich ein Flugzeug im Anflug auf die Stadt. Im fliegenden Vehikel sitzt der Anwalt Phoenix Wright mitsamt Gehilfin Maya Fey. Eigentlich hat Phoenix nicht die Absicht, in der englischen Hauptstadt einen Fall zu übernehmen, doch wird ihm dieser aufgebrummt. Als er sein Können unter Beweis stellen will, macht auch er Bekanntschaft mit Sophie. Diese wird der Körperverletzung angeklagt und obwohl diese ihre Schuld selbst eingesteht, will Phoenix es nicht wahrhaben. Später wird er mitsamt seiner Gehilfin ebenfalls durch ein Portal in jene mittelalterliche Welt versetzt, in der auch Professor Layton mit seinem Lehrling mittlerweile festsitzen. Im Verlauf der Geschichte fließen beide Handlungsstränge zusammen, was dazu führt, dass das Vierergespann zusammenarbeiten muss, um nach London zurückzukehren.

Kollision zweier Welten

Professor Layton vs. Phoenix Wright - Ace Attorney (3)Ihr primäres Ziel ist das jedoch nicht, denn schon bald werden sie mit der bitteren Realität der mittelalterlichen Stadt Labyrinthia konfrontiert. Hier glaubt man an Hexen und ausgerechnet eine gemeinsame Freundin wird als solche angeklagt und vor Gericht gestellt. Das können wir tatenlos natürlich nicht mit ansehen, weshalb wir uns in unregelmäßigen Abständen immer wieder in die Haut des Professors verirren oder den Anwalt im Gerichtshof mimen. Die Köpfe hinter dem Projekt haben die grundlegenden Qualitäten beider Serien beibehalten. Während wir mit dem Professor durch die Stadt schlendern, uns mit den Bewohnern von Labyrinthia unterhalten und allerlei Rätsel lösen, hocken wir mit Phoenix auf Seiten der Verteidigung im Gerichtssaal und müssen die Unschuld verschiedener Personen beweisen. Im späteren Teil der Handlung dürfen aber auch Phoenix und Maya Rätsel lösen, Luke als Zeuge aussagen und der Professor hat ebenfalls seine Momente im Gericht. Wenn man sich auf den Titel einlässt, ist es jedoch besser, gefeit gegen lange Dialoge zu sein. Von Beginn an werden wir mit langen Dialogen konfrontiert, die jedoch sehr gut geschrieben sind. Ernste Aussagen des oft seriösen Professor Layton, die sarkastischen Gedanken von Phoenix und die lustigen Kommentare von Maya unterhalten bis zum großen Finale nahezu durchgehend und langweilen uns fast nie.

Reste-Rätselkost vom Feinsten

Professor Layton vs. Phoenix Wright - Ace Attorney (4)Das Rätsellösen funktioniert in Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney genauso wie in der eigentlichen Videospielserie. Es fällt uns jedoch auf, dass die Rätsel zum einen an die mittelalterliche Thematik angelehnt sind und zum anderen deutlich besser zur jeweiligen Situation passen. Wollen wir etwa einen versteckten Zugang freilegen, so müssen wir in dem dazugehörigen Rätsel einfach verschiedene Steine verschieben oder einen Schlüssel formen. Gefesselte Personen befreien wir, in dem wir in einem Rätsel das richtige Seil lockern. Das ist definitiv eine Bereicherung, von der die Vorlage zehren kann! Leider müssen wir bemängeln, dass die meisten Rätsel ziemlich leicht ausfallen und auf Anhieb gelöst werden können. Die ebenfalls wieder versteckten Hinweismünzen sind nahezu unnötig, da sich die Rätsellösung mit ein wenig Grips fast immer leicht erahnen lässt. Am Ende bemerken wir jedoch, dass der Einfallsreichtum der Entwickler abklingt. Rätsel wiederholen sich in Folge, verspüren kaum mehr Charme und wirken selten sogar dahingeklatscht. Das finden wir sehr schade, da man dem anderen Teil des Spiels, sprich den Hexenprozessen, offensichtlich mehr Zeit gewidmet hat. Diese sind auch deutlich kniffliger als das Lösen der Rätsel. Wer hier kein Land sieht, freut sich immerhin darüber, dass die Hinweismünzen auch hier eingesetzt werden können.

Chaos im Gerichtssaal

Professor Layton vs. Phoenix Wright - Ace Attorney (5)Die Prozesse spielen sich jedoch anders als in ihrer Vorlage. Die grundlegenden Elemente wie die Verteidigung, der Richter und der Staatsanwalt beziehungsweise hier der Inquisitor, sind nach wie vor vorhanden. Logik ist in Labyrinthia jedoch ein Fremdwort, da die Bevölkerung an Hexen und Magie glaubt. Zunächst machen die Verhandlungen den Eindruck, dass sie sehr unfair gehalten sind, da nahezu jeder Fortschritt, den wir bei Zeugenbefragungen machen, von der Inquisition revidiert wird. Schließlich könnte eine Hexe auch einen Zauberspruch gewirkt haben, um die Situation zu ihrem Gunsten zu entscheiden. Irgendwann merken wir aber, dass selbst Magie irgendwelchen Gesetzen folgen muss und sind dann wieder in unserem Element – zumindest bis nicht irgendein Zeuge aus dem Publikum aufspringt und einen neuen Beweis vorlegt, den er am Tatort hat mitgehen lassen. Die Gerichtsverfahren werden in Labyrinthia übrigens im Schnellverfahren durchgeführt. Soll heißen, dass man als Anwalt mehrere Zeugen gleichzeitig vernehmen muss. Dass sich Zeugen gegenseitig beeinflussen, sich ihre Aussagen gegenseitig bestätigen oder sich widersprechen können, kann uns auf Dauer zwar wahnsinnig machen, doch wenn die Fassade der Zeugen oder der Inquisition nach und nach bröckelt, ist uns das fast egal. Schade nur, dass die langatmigen Prozesse das Spieltempo stark bremsen.

Fortsetzung im Episodenformat

Professor Layton vs. Phoenix Wright - Ace Attorney (6)Auf der technischen Seite möchten wir hervorheben, dass der 3DS-Titel wahrhaftig einen sehr schönen Tiefeneffekt besitzt. Wenn sich Charaktere im Raum befinden und mit ihrem Finger nach vorne zeigen, dann merken wir richtige Abstufen zusätzlich zum Hintergrund und zu den hervorgehobenen Textboxen. Nur sehr selten ruckeln hier ein paar Passagen, wenn zu viele Elemente gleichzeitig dargestellt werden sollen. Fragmentarische Verschiebungen einzelner Körperteile sind uns mitunter auch vorgekommen, stören den Gesamteindruck jedoch nicht. Die Anime-Sequenzen werden ebenfalls mit dem Tiefeneffekt beglückt. Hier stören wir uns selten an kompletten Charaktermodellen, die sich durch den Effekt zu stark vom Restbild abgrenzen. Unterlegt wird das Spiel mit einem Soundtrack, der aus Tracks der beiden Serien und neuen Kompositionen besteht, welche den Stil des Spiels wunderbar einfangen. Der Titel steuert sich via Touchpen-Eingaben, kann jedoch fast durchgehend auch mit Eingaben über die regulären Buttons gespielt werden – wirkt dann jedoch nicht mehr so intuitiv. Wer nach dem Durchspielen immer noch Lust auf weitere Geschichten und Rätsel hat, darf sich bis September 2014 auf zusätzliche (kostenfrei herunterladbare) Episoden freuen. Nach dreißig Stunden Spielzeit ist das ein sehr netter und lustiger Bonus, den wir wohlwollend begrüßen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Die virtuellen Gerichtsverhandlungen von Phoenix Wright waren leider noch nie mein Fall gewesen. Zu eingeschränkt fühle ich mich im Gerichtssaal, zu wenig kann ich mit den vorhandenen Beweisen argumentieren und oftmals frage ich mich, ob der Anwalt fähig ist, überhaupt die Unschuld seiner Mandanten zu beweisen und für diese einzutreten. Da ich aber stattdessen eher ein Fan von Rätselmeister Professor Layton bin, führte an Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney kein Weg vorbei. Das Spiel beginnt wie gewohnt mit vielen Mysterien, die sich dann nach und nach bis zum großen Finale aufklären und das finde ich im Crossover teilweise sogar noch besser als in der Vorlage. Spannend, humorvoll und unterhaltsam löse ich Rätsel und beweise die Unschuld meiner Mandanten im Gericht. Das liegt wohl auch daran, dass die Geschichte sehr wendungsreich geschrieben ist und ich die Wendungen aufgrund des Settings nicht kommen sehen kann. Schade finde ich es nur, dass der Großteil der Rätsel viel zu leicht und auf Anhieb zu lösen ist und sich die Hexenprozesse zu sehr in die Länge ziehen. Persönlich betroffen bin ich beim Übersehen des versteckten Rätsels 62, denn wer dieses im Spiel verpasst, darf nach dem Abspann große Teil des Finales noch einmal spielen. Das ist sehr ärgerlich und zeugt aufgrund fehlender Skip-Möglichkeit (außerhalb von Anime-Szenen) von leicht schlechtem Gamedesign. Im Gesamtbild macht das den Titel aber definitiv nicht schlechter und wer im siebten Kapitel einmal zu viel ein Bild zurückgeht, wird bis zum Abspann nichts verpassen und ein tolles Erlebnis haben!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney!

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