Review: The Garden of Words

The Garden of Words (1)Die Vergänglichkeit des Lebens und unvollkommene Gefühle sind die Leitthemen, die in The Garden of Words behandelt werden. Vor der Kulisse der Regenzeit begegnen sich in Tōkyō zwei ungleiche Charaktere. Ihr Gefühlsleben wird positiv und negativ auf den Kopf gestellt.

The Garden of Words (2)Takao Akizuki ist alles andere als ein Musterschüler, da er sich in der Schule treiben lässt und doch hat er ein altmodische, wenn auch großes Ziel vor Augen. Eines Tages möchte er gerne ein Schuhmacher sein. Immer wenn es morgens regnet, schwänz er die Schule, um im Park in Ruhe seine Entwürfe zu zeichnen. Eines Tages trifft der fünfzehnjährige Oberschüler auf die zwölf Jahre ältere Yukari Yukino. Diese schwänzt anscheinend ihre Arbeit und verbringt die regnerischen Tage ebenfalls viel lieber im Park. Dort begnügt sie sich unter dem Pavillon mit Schokolade und Alkohol, um den Alltag zu entfliehen. Mit der Zeit lernt Frau Yukino auf der einen Seite ihren Gesprächspartner besser kennen, doch erfährt Takao nur wenig über sie. Der Altersunterschied könnte ein Indiz dafür sein, dass die Gespräche zunächst oberflächlich sind und erst zum Ende des Films wesentlich bedeutender für beide werden. Tiefsinnig sind sie für den Zuschauer dennoch, da die Geschichte mit vielen Metaphern und Symbolen arbeitet. Es wird zuweilen sogar poetisch, da man Bezug auf Haikus nimmt und Dialoge ähnliche Formen annehmen. Sie beschließen, dass sie sich wiedersehen wollen, wenn es wieder regnet. Mit der Zeit bauen sie Vertrauen zueinander auf, welches jedoch jäh unterbrochen wird, als der Regen langsam verschwindet und die Sonne den dunklen Wolkenschleier über Tōkyō durchdringt.

Vergänglichkeit des Lebens

The Garden of Words (3)The Garden of Words zieht sich über den gesamten Sommer. Von Juni bis September erhalten wir Einblicke in das Leben beider Charaktere. Erzählt wird zwar überwiegend aus der Sicht von Takao, doch auch Frau Yukino lernen wir mit der Zeit besser kennen und verstehen. Die tiefgründigen Dialoge helfen beiden Protagonisten dabei, ihr Leben entsprechend zu ordnen. Was auf der einen Seite zu gelingen scheint, geht auf der anderen Seite völlig schief. Beide Charaktere erfahren Enttäuschungen und gehen völlig unterschiedlich damit um. Während der unerfahrene Takao sehr extrovertiert interagiert, schlägt Frau Yukino gebeutelt durch äußere Einflüsse den introvertierten Weg ein. Mit der Zeit verstehen sie, dass das Leben vergänglich ist und lernen dabei, wie sie ihre unvollkommenen Gefühle bewältigen können. Nach nur 46 Minuten müssen nicht nur beide Charaktere auf die eine oder andere Weise voneinander Abschied nehmen, sondern auch wir als Zuschauer. Weniger ist oft mehr heißt die Devise und diese trifft auf The Garden of Words zu. Jede Minute ist wunderbar gefüllt und keine einzige Szene wirkt in diesem Anime deplatziert. Regisseur Makoto Shinkai zieht die Story nicht in die Länge und beendet sie so, um die Intention des Films zu verstärken. Im Interview verrät er, dass sich der Film an jene richtet, die ein ähnliches Gefühlsleben wie die Helden haben.

Ein Platz in unserem Herzen

The Garden of Words (4)Natürlich kann man sich den Film auch anschauen, wenn man glücklich und zufrieden ist – im schlimmsten Fall hat der Film für einen dann eine ganz andere Bedeutung. Mit The Voices of a Distant Star und 5 Centimeters per second hat Shinkai bereits eindrucksvoll bewiesen, wie er tiefgründige Themen angeht und umsetzt. Im Endeffekt erwartet uns nicht weniger bei The Garden of Words. Das heißt auch, dass man sich wieder viel Mühe gegeben hat, um sämtliche Orte der Realität nachzuempfinden und die Charaktere natürlich wirken zu lassen. Das Bild in Full HD glänzt mit gelungenen Perspektiven und glanzvollen Lichteffekten. Wer wissen will, wie der Anime durch das Storyboard entstanden ist, kann sich den gesamten Film in dieser Form anschauen. Auf der Blu-ray Disc liegt der Film sowohl mit japanischer Synchronisation, als auch mit einer deutschen Tonspur vor. Beide Versionen nehmen sich nichts und können bedenkenlos angeschaut werden. Besonders die Stimme von Rubina Kuraoka verleiht der deutschen Fassung einen sanftmütigen Touch. Die japanischen Synchronsprecher Miyu Irino und Kana Hanazawa erinnern sich in Interviews an ihre Arbeit in The Garden of Words. Der Kurzfilm The Place promised in our Early Days rundet das Bonusmaterial, welches insgesamt 107 Minuten unterhält und für einen recht kurzen Anime wirklich herausragend ist, gut ab.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Von Makoto Shinkai erwartet man, dass jeder seiner Animes eine Bedeutung hat und sie für immer in Gedanken bleiben. The Garden of Words schafft es wieder mit Leichtigkeit, dass ich auch Stunden nach dem Abspann über den Film nachdenken muss. Zunächst habe ich tatsächlich etwas ganz anderes vom Anime erwartet, doch dass Makoto Shinkai dieses Thema erwachsen umschifft oder sich davon in einer der letzten Szenen entfernt, hätte ich nicht gedacht. 46 Minuten sind zwar sehr kurz, doch mehr braucht The Garden of Words nicht, um sich entfalten zu können. Die Story ist auf ein Minimum reduziert und spielt stattdessen mehr mit Metaphern und Symbolen, wie zum Beispiel Schuhe, die hier eine tiefgründige Bedeutung haben. Aus Spoiler-Gründen verzichte ich jetzt jedoch darauf, Sinn und Zweck des Schuhwerks zu erläutern. Wer tiefgründige Anime mag und sich gerne mit ernsten Problemen auseinandersetzen will, ist bei Shinkais Werken im Grunde immer gut aufgehoben und The Garden of Words macht da keine Ausnahme.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Garden of Words!

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