Review: Short Peace: Ranko Tsukigime’s Longest Day

Short Peace - Ranko Tsukigime's Longest Day (1)Nur sehr selten schaffen es verrückte Spielideen aus Fernost in den Westen. Spieler werden von den Publishern oftmals bevormundet, doch bei Short Peace: Ranko Tsukigime’s Longest Day ist dies nicht der Fall. Wir haben uns durch das kurze Action-Abenteuer geschnetzelt.

Short Peace - Ranko Tsukigime's Longest Day (2)In Short Peace schlüpfen wir in die Rolle der titelgebenden Heldin Ranko Tsukigime. Diese ist eigentlich eine normale Schülerin an einer Tōkyōter Schule, doch der Schein trügt leicht. Während sie am Tage die Schulbank drückt und von ihrer Freundin zu Karaoke-Sessions gedrängt wird, verwandelt sich Tsukigime nach Unterrichtsschluss in eine Assassine. Ihr Auftrag an ihrem längsten Tag ist es jedoch, ihren Vater zu töten. Was nach einem großen Aufhänger für eine spannende Story klingt, entpuppt sich jedoch leider nur als Anhaltspunkt in einer Handlung, die wir selbst nach dem einmaligen Durchspielen nicht verstehen. Neben plötzlich auftauchenden Helfern gibt es auch hastig eingeführte Antagonisten. So wirklich spannend ist das nicht, da die Handlung nur lose zusammengehalten wird. Das ist vor allem deshalb so seltsam, das das Spiel definitiv die Möglichkeiten bietet, eine durchgehende Story zu erzählen. Viele Minuten Anime-Szenen verbinden die kurzen Spielabschnitte, die auch nur einen Bruchteil der Spielzeit in Anspruch nehmen. Tatsächlich könnte Short Peace auch Short Piece heißen, denn nach gerade einmal neunzig Minuten flimmert der Abspann über den Fernsehbildschirm. Gerne würden wir schreiben, dass man in dieser Zeit sensationell gut unterhalten wird, doch kann sich das Gameplay in dieser Zeit leider nicht vollends entfalten.

Ziellinie in Sicht

Short Peace - Ranko Tsukigime's Longest Day (3)Im ersten Level werden wir behutsam in die Steuerung eingeführt. Unsere Aufgabe ist es im Grunde nur, von links nach rechts zu laufen, dabei über Abgründe zu springen, allerlei Gegner zu verdreschen, Abhänge hinunter zu rutschen, Wandsprünge durchzuführen und am Ende das Ziel zu erreichen. Während wir in den meisten Fällen keinen Schaden nehmen können, ist es dennoch notwendig, die Gegner zu besiegen. Durch besiegte Gegner erhalten wir Energie, die wir aufwenden müssen, um Verfolger wir greifende Hände oder einen riesigen Hund immer wieder zurückzudrängen. Sind wir nämlich zu langsam, werden wir von diesen Ungetümen eingeholt und dürfen den Level anschließend von vorn beginnen. Außerdem sollten wir darauf achten, welche Route wir durch den Spielabschnitt nehmen, da sich mittendrin Geschenke finden lassen, welche neue Kostüme und Konzeptbilder für uns bereithalten. Das erhöht zumindest den Wiederspielwert leicht. In der zweiten Spielhälfte kann der Titel dafür aber mit etwas anderen Gameplay-Mechaniken aufwarten, die jedoch auch nur eine Hommage an Klassiker wie R-Type und Konsorten darstellen. Der Schwierigkeitsgrad erscheint dann und wann zwar mal etwas unfair, doch bereits beim zweiten Anlauf merkt man, dass er doch sehr human gehalten ist und gelegentlich etwas Können von uns abverlangt. Mehr aber auch nicht.

Kurzer Auftritt

Short Peace - Ranko Tsukigime's Longest Day (4)Die Spielgrafik selbst befindet sich auf einem durchschnittlichen Niveau, wird jedoch in jeder Minute mit passender Musik unterlegt. Der Soundtrack passt zur schrillen Gestaltung Japans im Spiel und auch zu den Effekten, wenn Gegner besiegt werden und daraufhin Blitze über den Bildschirm flitzen. Bemerkenswert sind jedoch die Anime-Szenen, die unterschiedliche Stile aufweisen. Von der typisch bunten Gestaltung moderner Anime, gibt es auch Szenen, die schwarzweißen Manga nachempfunden sind. Hier fährt die Kamera teilweise so nahe an die Szenen ran, dass die normalerweise gedruckten Bildpunkte deutlich zu erkennen sind. Das gesamte Spiel ist übrigens mit einer japanischen Sprachausgabe unterlegt, die ausdrucksstark und in vielen Fällen mit Humor bestückt ist. Alle Bildschirmtexte sind zwar auch japanischer Herkunft, doch in der deutschen Fassung werden zudem deutsche Untertitel drübergelegt. Das hilft jedoch nicht viel, da die Story dermaßen zusammenhanglos abgedreht ist, dass sie kaum zu verstehen ist. Auch die vier Kurzfilme, die ebenfalls auf der Blu-ray versteckt sind, können da nur bedingt helfen. Diese erzählen nämlich jeweils eigenständige Geschichten, die fast nichts miteinander zutun haben. Wer sich von der kurzen Spielzeit nicht abschrecken lässt, erhält mit den Kurzfilmen zumindest einen kleinen, aber feinen Kaufgrund für Short Peace.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Short Peace ist zwar kein schlechtes Spiel, aber sicherlich auch kein sehr gutes. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen, denn grundsätzlich macht mir das ganze Gameplay Spaß. Ich liebe es, mit Tsukigime durch die Levels zu rasen, vor den Kreaturen zu fliehen, dem Soundtrack und der aberwitzigen Handlung zu folgen. Leider funktioniert das in der Praxis nicht ganz so gut wie erhofft. Bereits nach der Hälfte des Spiels, die nach dreißig Minuten erreicht wird, also dann wenn man sich gerade eingewöhnt hat, bricht das Gameplay mit der Tradition und bereicht es mit ganz anderen Faktoren, nur um mir dann nach einer weiteren halben Stunde zu sagen, dass das Spiel jetzt abgeschlossen ist. Die ganze Story hätte dabei so viel Potential, welches in Short Peace einfach nicht genutzt werden will. Die meisten Anime-Szenen wirken einfach nur zusammenhanglos in ein Spiel gequetscht, welches dafür gar nicht ausgelegt ist. Vor allem wenn ich bedenke, dass Gōichi Suda am Spiel mitentwickelt und quasi den fünften Kurzfilm in spielerischer Form produziert hat, könnte man von Short Peace sehr viel mehr erwarten. So bleibt am Ende ein schnell durchgespieltes Abenteuer, das neunzig Minuten ansatzweise unterhält und dann wohl oder übel im Spielregal verstaubt.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Short Peace: Ranko Tsukigime’s Longest Day!

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