Review: City Hunter

City Hunter (1)Nachdem Tsukasa Hōjō seinen Manga Ein Supertrio beendet hat, beginnt er 1985 damit, den Manga City Hunter zu zeichnen. Bis zur letzten Seite des Mangas im Jahr 1991 erfreut sich dieser großer Beliebtheit. 1993 will Hongkong-Regisseur Wong Jing den Manga adaptieren.

City Hunter (2)Privatdetektiv Ryo Saeba, der auch City Hunter genannt wird, muss mit ansehen, wie sein Partner von Gaunern erschossen wird. Sein letzter Wunsch ist es, dass City Hunter sich um seine kleine Cousine Kaori (in der westlichen Fassung Carrie genannt) kümmert, die durch seinen Tod nun alleine auf der Welt ist. City Hunter willigt ein, doch in Windeseile ist das Mädchen erwachsen geworden und es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu unterdrücken. Carrie ist es jedoch wichtig, dass er ihr seine Gefühle gesteht. In mehreren Situationen während der Handlung könnte es dazu kommen, doch wird die Story von unvermeintlichen Wendungen durchzogen. Das beginnt bereits mit der Ausgangssituation des Films. Verlagsleiter Imamura bittet den Privatdetektiv, seine verschwundene Tochter Kiyoko aufzuspüren. City Hunter erhält von seinen Kontakten schnell den Aufenthaltsort von Kiyoko. Er trifft sie in Hongkong an einem Platz, wo sich Kiyoko mit verschiedenen Skatern aufhält. Da sie sich weigert, mit ihm zu ihrem Vater zurückzukehren, hetzt sie ihre Freunde auf City Hunter, während sie in Ruhe verschwinden kann. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle gelangt Kiyoko so an die Bordkarte eines Erholungsschiffs. Die ungewollte Einladung nimmt sie gerne an, doch ebenfalls durch pure Zufälle wird auch City Hunter an Bord des Dampfers getrieben.

Eine Schifffahrt, die ist lustig…

City Hunter (3)Damit jedoch nicht genug! Nicht nur City Hunter, Carrie und Kiyoko haben ihren Weg auf das Schiff gefunden. Auch eine Gruppe von Terroristen haben sich unter die Passagiere gemischt. Um punkt Mitternacht wollen diese die Kontrolle über das Schiff übernehmen, sämtliche Passagiere ausrauben und ein Blutbad anrichten. Bis City Hunter den Verbrechern auf die Schliche kommt, dauert es nicht lange. In der Zwischenzeit kann sich der Film aber in aller Ruhe die Zeit nehmen, um weitere Charaktere vorzustellen. Saeko Nogami, die Rivalin von City Hunter, befindet sich mit einer Kollegin undercover auf dem Schiff. Sämtliche Fäden der Handlung werden nach und nach zusammengeführt und miteinander verknüpft. Bis die Situation eskaliert, vergehen zwar einige Minuten, doch kann der Film bereits vorher mit irrwitzigen Martial-Arts-Einheiten und recht humorvollen Szenen begeistern. Das liegt vor allem an der Mitwirkung von Jackie Chan, der in dieser Hongkong-Version von City Hunter den titelgebenden Helden spielt. Kumiko Gotō, die in diesen Jahren fast Miss Japan geworden wäre, ist als Kiyoko zu sehen, die ebenfalls sehr zum Humor beiträgt. Der Australier Richard Norton übernimmt die Rolle des Bösewichts MacDonald und Gary Daniels ist als dessen Handlanger zu sehen. Chan legt sich mit beiden Gegnern in bester Kampfsportmanier an.

Die berühmteste Street-Fighter-Hommage der Welt

City Hunter (4)Fans der Vorlage werden wohl kritisieren, dass sich die Hongkong-Adaption von City Hunter fernab des Originals bewegt. Die Manga-Anleihen sind zwar durchweg zu erkennen und in jenen Momenten auch sehr gut umgesetzt, doch alleine die Nichtnennung von bestimmten Namen und Martial-Arts-Einlagen, die weniger auf den Manga, sondern viel mehr auf Jackie Chan zurückzuführen sind, können Kenner des Mangas abschrecken. Auch das westliche Publikum könnte doppelt überfordert sein, den Humor zu verstehen. Wer jedoch sowohl den Humor japanischer Comics und lustige Dialoge eines Hongkong-Films mag, wird sich sehr schnell an diese Umsetzung von City Hunter gewöhnen. Auf der technischen Seite besticht das Bild im 16:9-Format mit einem sauberen Bild auf Blu-ray. Ebenso gut gelungen ist der Ton. Sowohl in der deutschen Synchronisation, als auch im kantonesischen Original erhalten wir in 5.1 DTS-HD einen sauberen Klang. Die Szene, in denen Street-Fighter-Charaktere quasi zum Leben erweckt werden, erzeugt jedoch eher nostalgische Gefühle an eines der besten Beat ’em ups aller Zeiten, als mit hochkarätigen Soundeffekten zu brillieren. Auf der Disc schlummert zudem ein Audiokommentar von Bey Logan, ein alternatives Opening, das sich mehr an der Manga-Vorlage orientiert und sehr interessante Interviews mit der Filmcrew.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Manga-Vorlage wurde hierzulande wegen Lizenzproblemen leider nie vollständig veröffentlicht. Nur einzelne Filme des Anime und die Realverfilmung haben es in den letzten Jahren geschafft, sich hierzulande zu etablieren. City Hunter war mir schon länger ein Begriff; schließlich kenne ich den Film noch von der Fernsehausstrahlung auf diversen Sendern. Zuletzt habe ich den Film vor mehr als zehn Jahren gesehen, weshalb mir viele Szenen gar nicht mehr in Erinnerung geblieben sind – bis auf die berühmte Szene mit Charakteren aus dem Street-Fighter-Franchise natürlich. Aus heutiger Sicht muss ich jedoch sagen, dass der Film weder dem Manga gerecht wird, noch als Jackie-Chan-Film funktioniert. City Hunter hat die Elemente beider Medien, doch während die Manga-Elemente irgendwann zu stark zurückgefahren werden, dreht Jackie Chan irgendwann zu sehr auf. Man kann bei einer Verfilmung nicht einfach sich die künstlerische Freiheit nehmen und Elemente einführen, die nur halbwegs in den Film passen. Ich kann Jackie-Chan-Fans verstehen, die ihren Helden gerne in seinen besten Choreographien sehen wollen, das möchte ich in den meisten seiner Filme bekanntermaßen auch, doch in City Hunter hat das einfach nicht ganz geklappt. Am Ende bleibt ein Film, der zwar rund einhundert Minuten lang sehr witzig ist und auch unterhält, doch kann er City-Hunter-Leser und Jackie-Chan-Fans nicht gleichermaßen zufriedenstellen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von City Hunter!

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