Review: Canton Godfather

Canton Godfather (1)Die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wird in US-amerikanischen Filmen sehr oft in Form von Gangsterfilmen charakterisiert. Jackie Chan möchte das Treiben von Triaden in den Straßen von Hongkong vorstellen, geht jedoch weitgehend einen deutlich unblutigeren Weg.

Canton Godfather (2)In der Mitte der Dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts nimmt sich Chen-Wah Kuo vor, von Kanton nach Hongkong zu reisen, um dort Arbeit zu finden. In der Metropole wird Kuo jedoch zunächst nicht fündig. Stattdessen fällt er auf einen Arbeitsvermittler herein. Dadurch verliert er den Großteil seiner Ersparnisse, die von den Reisekosten übrig geblieben sind. Von dem Glück verlassen, verbringt er seine Zeit auf einer Parkbank. Dort trifft er auf eine Frau, die ihm eine Rose verkaufen will. Angeblich solle diese ihm Glück bringen. Zunächst zögert Kuo, doch in dem Moment, als er ihr seinen letzten Dollar gibt, rast ein Auto hinter ihm über die Parkbank und die nahen Treppen hinunter. Er sieht sofort nach, ob sich jemand verletzt hat. Als er Hilfe leisten will, tauchen mit Maschinenpistolen bewaffnete Triaden auf. In Kuos Augen und als Kampfkünstler sei es seine Aufgabe, den Personen im Wagen zu helfen. Nach einem kurzen Kampf erfährt Kuo, wen er da eigentlich gerettet hat. Es handelt sich dabei um einen hoch angesehenen Triadenboss in Hongkong. Als Kuo ihn in Sicherheit bringt, ist die hoch angesehene Persönlichkeit jedoch nicht von Kuo überzeugt und will ihn eigentlich aus dem Weg räumen. Er erliegt jedoch seinen Wunden mit unvollendeten Sätzen. Es kommt wie es kommen muss: Die Komplizen des Triadenbosses ernennen Kuo zu ihrem Großen Bruder.

Verkettung ungünstiger Zufälle

Canton Godfather (3)Großer Bruder bedeutet in diesem Falle so viel wie, dass Kuo jetzt ihr Anführer ist. Dieser lehnt jedoch Gewalt und jegliche Form von Verbrechen ab. Entsprechend schlecht kann sich Kuo unter seinen Leuten behaupten. Einige sind der Meinung, dass Fei die Rolle des neuen Bosses besser stehen würde. Dieser intrigiert, indem er sich mit Kuos Gegenspieler Tiger zusammentut. Der Auslöser der Fehde zwischen Kuo und Tiger ist jedoch ein Nachtclub. Nach dessen Fertigstellung verlangt Tiger die Hälfte aller Einkünfte, was wiederum nicht in den Interessen von Kuo steht. Eingewoben in die Haupthandlung ist jedoch eine Geschichte, die nur lose mit den eigentlichen Geschehnissen verknüpft ist. Die eingangs schon erwähnte Rosenverkäuferin hat eine Tochter, die glaubt, dass ihre Mutter wohlhabend sei. Dadurch ist es der Tochter möglich, sich mit ihrem reichen Freund zu verloben. Als Kuo davon erfährt, hilft er der Rosenverkäuferin, die Täuschung durch finanzielle Mittel aufrechtzuerhalten. Da es dazu jedoch nötig ist, Polizeichef Ho von dem eintreffenden Multimilliardär abzulenken, verstrickt sich die Geschichte in viele ungünstige Zufälle und lustige Situationen, mit denen sowohl die Charaktere, als auch die Zuschauer zukämpfen haben. Humor und weniger Action heißt die Devise, die Regisseur und Hauptdarsteller Jackie Chan hier an den Tag legt.

Willkürliche Schnittfassung

Canton Godfather (4)Trotzdem gibt es in Canton Godfather einige Action-Szenen zu sehen. Besonders die Szene, in der sich Altmeister Jackie Chan in einer Seilerei mit Feis Schergen prügelt, ist mal wieder eine Filmstelle, die Fans in ihren Gedanken seit 1989 bereits verankert haben. Der Humor ist auf einem gewohnt guten Niveau, doch kann dieser in der deutschen Fassung nicht immer in vollem Glanz erstrahlen. Der Grund ist schnell gefunden. Während die deutsche Fassung nur 93 Minuten umfasst, bietet die Filmfassung im kantonesischen Original satte 128 Minuten. Positiv hervorheben möchten wir hier Publisher Splendid Film. Dieser ermöglicht es, dass der Film entweder in der deutschen Fassung, im Original oder in der deutschen Fassung mit den ausgebliebenen Szenen untertitelt angesehen werden kann. Wir empfehlen auf jeden Fall eine der letzten beiden Varianten, denn man hat hier nicht etwa brutale Action-Szenen entfernt, sondern willkürlich die Szene angesetzt, dass zum Teil die Handlung nicht nachvollziehbar sein kann. Bonusmaterial liegt in Form eines Audiokommentars von Bey Logan, einem recht kurzen Special mit Jackie Chan (der über seinen Filmschnitt philosophiert) und auch in der Originalfassung entfernten beziehungsweise ersetzten Szenen vor. Canton Godfather mag zwar unterm Strich keine originelle Geschichte erzählen, aber zumindest eine sehr witzige!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bei Canton Godfather habe ich zunächst auf einen ernsten Film gewartet, doch bereits nach wenigen Szenen wird klar, dass auch hier nicht Gewalt verherrlicht wird. Auf der einen Seite wird Gewalt negativ dargestellt und auf der anderen Seite steht bei dieser Jackie-Chan-Produktion abermals der Humor wieder im Vordergrund. Die Geschichte in Canton Godfather mag zwar nicht sonderlich originell sein, doch der Humor, der besonders durch Jackie Chan, Bill Tung und Richard Ng betont wird. Auch wiederkehrende Motive, wie die Rose (hier als Symbol des Glücks), bringen Running Gags in den Film. Auch die Übersetzung ins Deutsche ist gut gelungen, doch sollte man sich definitiv nicht die deutsche Schnittfassung anschauen. Die Zusammenhänge der Handlung sind hier sehr schwer zu verstehen, da die Schere beim Schnitt einfach willkürlich angesetzt wurde und Canton Godfather verstümmelt. Wer sich den Film jedoch komplett in der auf der Blu-ray Disc enthaltenen kantonesischen Sprachfassung anschaut oder zumindest die in der deutschen Fassung nicht enthaltenen Szenen untertitelt anschaut, wird mit Canton Godfather zwar immer noch keine originelle Story erleben, aber zumindest einen ganzen Nachmittag mit witzigen Dialogen, illustren Begegnungen und weiteren humorvollen Inhalten gut unterhalten.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Canton Godfather!

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