Review: Shantae

Shantae (1)In den Weiten des Internets wird der finanziell nicht sonderlich erfolgreiche GameBoy-Color-Titel als Geheimtipp gehandelt. Nachdem eine Fortsetzung als DSiWare-Titel erschien, will der erste Teil der Reihe als Virtual-Console-Spiel neue Fans gewinnen.

Shantae (2)Die Geschichte von Shantae ist schnell erzählt. Eines Morgens bemerken die Bewohner der Hafenstadt eine gehisste Totenkopfflagge am Horizont. Kurz darauf beginnt auch schon das Bombardement auf die Stadt und das Umland. Schnell tauchen auch die ersten Piraten an der Küste auf, überfallen die Stadt und stehlen schlussendlich die Dampfmaschine eines dort ansässigen Wissenschaftlers. Was die Piraten mit der Dampfmaschine vorhaben, wissen wir an dieser Stelle noch nicht. Trotzdem übernehmen wir nur zu gerne die Rolle der Halbdschinn Shantae, die nun für Recht und Ordnung sorgen muss. Wir machen uns auf, die Anführerin der Piraten, genannt Risky Boots, und ihre Schergen aufzuhalten. Bis wir den Piraten das Handwerk legen können, erkunden wir zahlreiche Levels, die zuallererst abwechslungsreich wirken. Lebhafte Städte, dunkle Wälder, finstere Höhlen und malerische Berglandschaften wollen von uns unsicher gemacht werden. Überall in der Spielwelt können wir Gegenstände finden, die unsere Fähigkeiten erweitern. Das erinnert stark an die Metroid-Reihe und jüngere Castlevania-Episoden, da wir nur so neue Gebiete erreichen, die zuvor für uns einfach nicht zugänglich waren. Die wertvollen Objekte werden wiederum von gefährlichen Gegner im Auge behalten, die uns das Leben mit allen Mitteln der Kunst wahrhaftig schwer machen.

Geheimtipp

Shantae (3)Wir müssen dazu sagen, dass wir das Verhalten der Gegner beziehungsweise der künstlichen Intelligenz nicht wie in Mega Man als fordernd, sondern als unfair bezeichnen müssen. Wir wünschen uns von jedem Spiel eine Herausforderung, aber bei solchen Situationen, die bereits vor den Toren der Hafenstadt ablaufen, überkommt uns das Grauen. Hier springen aus dem Hintergrund ohne Vorwarnung Vogelscheuchen auf den Weg – jedoch selten vor oder hinter uns, sondern meist genau auf uns drauf! Dazu gesellen sich dann auch noch Maulwürfe, die plötzlich und unerwartet aus dem Boden springen. Da wir Gegner nur mit dem Schleudern unserer Haarpracht besiegen können, braucht es zudem einen gewissen Abstand, um die Feinde überhaupt erst zu treffen. Dazu stört gelegentlich auch noch das Leveldesign, denn trotz der schönen Spielabschnitte wissen wir oftmals nicht, wo unsere Reise als nächstes hingehen wird. Shantae geizt an allen Ecken und Enden mit Informationen, doch wem das egal ist, bekommt dafür immerhin eine malerische Kulisse vorgesetzt, die mit passender Musik unterlegt ist. Ohrwürmer eines Super Mario Bros. dürft ihr bei diesem Jump ’n’ Run jedoch nicht erwarten. Shantae erweist sich als Geheimtipp, doch als kein herausragendes Spiel. Da gab es bei der Erstveröffentlichung wesentlich besser spielbare Titel des Genres.

Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung): Shantae ist und bleibt für mich ein Geheimtipp, doch kein herausragendes Spiel. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Spiel in der ersten Spielstunde, über die ich ganz ehrlich gesagt auch nicht hinausgekommen bin, so dermaßen enttäuscht. Unausgereifte Spielsituationen stören den Spielfluss schon genug – da möchte ich wenigstens stringente Anweisungen haben, wo die Reise als nächstes hingeht. Hier drängt mir der Titel die frei Wahl auf, doch wenn nicht einmal eine vage Richtung formuliert wird, wo ich mich als nächstes einzufinden habe, dann bringt mir eine möglichst offene Welt überhaupt nichts. Das nicht immer gelungene Leveldesign und zu umständliche Laufwege, die sich daraus im Endeffekt ergeben, vermindern den Spielspaß stark. Die Krone wird dem durch die unfaire Platzierung der Gegner aufgesetzt. Zu guter Letzt kam es in unserem Test zu einem (nicht reproduzierbaren) Kampf, der den Bildschirm vollständig eingefroren hat. Hier hat nur das erneute Laden der Software und des Spielstandes geholfen. Trotzdem möchte ich interessierte Spieler nicht von dem Kauf abhalten – man muss jedoch wissen, mit welchen Mäkeln man selbst zu kämpfen hat. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch ein Spiel, das auch nach der Virtual-Console-Veröffentlichung noch immer als Geheimtipp gehandelt wird.

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