Review: Alien: Isolation

Alien Isolation (1)Resident Evil und Alien haben etwas gemeinsam. Während Resident Evil für Videospiele das Nonplusultra im Bereich der Horrorunterhaltung stand, war Alien das für die Filmwelt. Beide Serien besuchten sich auf dem jeweils anderen Medium und das ging oftmals nicht gut aus.

Alien: Isolation (6)Alien: Isolation gehört zum Glück, wie wir schon während des Durchspielens mit Freude feststellen, nicht dazu. Nach dem mehr als nur umstrittenen Aliens: Colonial Marines haben wir sehr gebangt und zum Glück entschied sich Publisher Sega für eine 180-Grad-Wende. Das bezieht sich nicht nur auf den Entwickler – nun durfte sich Creative Assembly an einem Alien-Spiel versuchen – sondern sogar auf das Genre selbst. Jetzt stecken wir nicht mehr in der Haut eines schwerbewaffneten Marinesoldaten, sondern spielen Amanda Ripley, die Tochter der verheißungsvollen Filmheldin Ellen Ripley. Selbige gilt schon seit fünfzehn Jahre, also seit den tragischen Ereignissen auf der Nostromo im ersten Alien-Film, als vermisst. Doch Hoffnung macht sich in Amanda stark, als angeblich der Flugschreiber jenes Schiffes gefunden und auf die Sevastopol-Raumstation gebracht wurde. Mit einigen wenigen Mitstreitern macht sie sich auf, um der Vergangenheit ihrer Mutter auf die Spur zu kommen. Nichtsahnend, dass auch schon diese Station von einem Alien heimgesucht wird. Aus der Ego-Ansicht erkunden wir die finsteren Überreste der Sevastopol. Die ersten Spielabschnitte kommen dabei sogar fast ohne nennenswerten Aktionen unsererseits aus, das Erforschen und natürlich auch das Überleben der Heldin ist durch bloßes Herumirren und Verstecken geprägt.

Unendliche Weiten und unendlich viele Tode

Alien Isolation (5)Wie schon im Film bleibt das Monster bis zur ersten Konfrontation im Verborgenen, was aber nicht heißen soll, dass die Raumstation keine Gefahren birgt. Verstreute Überlebende stellen sich als mindestens genauso gefährlich heraus wie manipulierte und so uns feindlich gesinnte Androiden. Von der verlassenen Station selbst wollen wir gar nicht erst anfangen, da diese in puncto Atmosphäre ebenso gefährlich wirkt. Survival wird hier groß geschrieben und am Leben bleiben vorrangig die Klügsten. Im Kampf kommen wir zwar gegen den einen oder andere Gegner an, das kostet aber teure Lebensenergie und endet meistens in einer Niederlage. Das Vermeiden von Konfrontationen lässt sich entweder durch geschicktes Schleichen in die Wege leiten, oder wir nutzen Umgebungselemente geschickt. Durch Hacken von Türen und das gezielte Initiieren von Lärmquellen lassen sich Kampfhandlungen aber meist vermeiden. Der Spaß geht dabei absolut nicht flöten! Die haarknappen Schleichaktionen und die damit verbundene kontinuierliche Angst vor dem virtuellen Tod sind schließlich alles andere als langweilig. Besonders wenn Gevatter Tod nach nur ein oder höchstens zwei Treffern mit der Begegnung einer feindlichen Waffe eintritt! Amanda ist immerhin auch nur ein Mensch und das wird in Alien: Isolation schnell sehr deutlich und treibt die Anzahl der Tode in die Höhe.

Ein Alien – viele Ängste

Alien Isolation (4)Sobald aber das titelgebende Alien auf der Bildfläche erscheint, ändert sich einiges. Diese weiterentwickelte Lebensform verfolgt uns durch die gesamte Sevastopol, ist extrem flink und beschert uns mit nur einem einzigen Treffer einen fiesen und unschönen Tod. Spieler, denen schon der gute alte Nemesis in Resident Evil 3 zu viel Stress bereitet hat, werden hier wohl schnell überfordert sein. Wer nicht konstant ein Auge auf den Bewegungsmelder wirft, der darf sich auch nicht wundern, wenn dieser hinter der nächsten Tür  direkt in den Rachen des grünen Monsters blickt. Herkömmliche Waffen machen es nur noch wütender. Die Levels sind zwar alle in linearer Reihenfolge angeordnet, doch innerhalb dieser Struktur gibt es offene Raumkomplexe, in denen wir uns mit dem Alien ein Katz-und-Maus-Spiel liefern dürfen. Zwar müssen wir meist nur von A nach B vorankommen, doch das Alien schneidet uns sehr gern den Weg dorthin ab und zwingt uns zur Flucht oder zum Verstecken. Ab da an müssen wir um unser Leben bangen, denn nicht immer hatten wir wirklich das Gefühl, Schuld am Auffliegen unserer Tarnung zu sein. Die künstliche Intelligenz ist nämlich alles andere als dumm und höchst aggressiv. Dazu sind viele Begegnungen mit dem Alien zufallsbedingt; die Kreatur zwingt uns somit regelrecht immer langsam und unweigerlich behutsam vorzugehen.

Trial and Error – Tod und Irrtum

Alien Isolation (3)Dabei sind unserer Meinung nach nicht alle Tode unsererseits gerechtfertigt. Kaum hat sich das Alien in einem Lüftungsschacht verkrochen, lauert es uns nur wenige Sekunden später im nächsten Raum wieder auf. Da hilft eigentlich nichts mehr; höchstens noch die Flucht in ein enges Versteck. Leere Spinds haben dafür die ideale Größe – darin bemerken uns Gegner für gewöhnlich nicht. Im schlimmsten Fall müssen wir sogar bis zur Atemnot die Luft anhalten. Die beste Methode, so wenig Frust wie möglich zu erleiden, ist definitiv das regelmäßige Speichern. Dies geschieht in Alien: Isolation an üppig verteilten Telefonkonsolen, die immer wieder erneut Dreh- und Angelpunkt unserer zahlreichen Neuversuche werden. Ein wenig Unterstützung geben uns dabei unterschiedliche Überlebenswerkzeuge, denn die Not macht erfinderisch: Aus allerlei Krimskrams, den wir mit Amanda unterwegs aufsammeln können, bauen wir Medikits, funktionale Bomben und andere Objekte, die unserer Heldin dabei helfen, möglichst lange unentdeckt am Leben zu bleiben. Haben wir dann einmal ein Kapitel hinter uns gelassen, fühlen wir uns aber besonderes erleichtert. Die Freude hält aber nicht allzu lang an, denn Backtracking führt uns nicht nur regelmäßig an bestimmten Knotenpunkten vorbei, sonder lässt uns ältere Gebiete auch gern noch einmal von vorne durchlaufen.

Filmisches Abenteuer

Alien Isolation (2)Die Entwickler hatten sichtlich ihren Spaß daran, viele ikonische Szenen und Hommagen an die Kinofilme in ihrem Spiel einzubauen. Auch die Zwischensequenzen besitzen ein hohes filmisches Potential. Es ist unverkennbar, dass die Entwickler hier genau wussten, welches Franchise sie als Grundlage für ihr Spiel haben. Die Animationsmodelle der Charaktere mögen vielleicht auf den ersten Blick etwas stumpf wirken, bieten nach einiger Gewöhnung aber genug Profil und Wiedererkennungswert. Die Geschichte um den Alien-Mythos wurde in den Siebziger Jahren erschaffen, die Technik der Raumstation entsprang somit auch jener Zeit. Aus heutiger Sicht ist es schon im Film lustig zu sehen, wie mit flackernden Röhrenmonitoren, knatternden Konsolen und teils arg mechanischen Vorrichtungen die Weiten des Weltalls erforscht werden konnte. Auf der Sevastopol sieht es nicht anders aus. Die Einrichtungen könnten eins-zu-eins vom Alien-Set stammen und sind deswegen auch sehr detailliert. Ein besonderes Lob muss hier auch der Lichtgestaltung zugesprochen werden. Kleine Blinklichter tragen zum klammen Schattenspiel genauso bei wie gleißende Neonröhren. Das schlägt leider auch auf die Framerate der Version für die älteren Konsolen, sprich Xbox 360 und PlayStation 3, die vor allem im letzten Teil des Spiels gerne mehr als einmal in die Knie geht.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Alien: Isolation ist für mich seit Langem wieder ein Spiel, in dem sich Survival wieder wie echtes Survival anfühlt. Das spielerische Potenzial der Alien-Reihe wurde nun endlich ausgeschöpft, auch wenn das ganze ein wenig auf den Frustpegel schlägt. Das übermenschliche Alien toleriert keine Fehler und wenn es euch einmal bemerkt, gibt es euch so schnell auch nicht wieder auf. Die Kontrolle, ob wir nun entdeckt werden oder nicht, hätten die Entwickler aber etwas mehr dem Spieler in die Hände legen können. Daneben finde ich Sevastopol als Schauplatz höchst interessant und die Station birgt trotz seines einheitlichen Settings auch den einen oder anderen visuellen Höhepunkt. Das erinnerte mich während des Tests neben vielen anderen Kleinigkeiten nicht zuletzt an Dead Space, was hier bedenkenlos als Lob eingestuft werden kann. Leider stört mich das wohl genretypische Backtracking ein wenig. Insgesamt hat Creative Assembly mit Isolation aber gezeigt, dass gute Alien-Spiele in Zukunft keine Wunschträume mehr sein müssen.

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Alien: Isolation!

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