Review: Akiba’s Trip: Undead & Undressed

Akiba's Trip - Undead & Undressed (1)Der Tōkyōter Stadtteil Akihabara ist wohl die heiligste aller Pilgerstätten eines jeden Otaku, da man hier von Retro-Videospielen bis zu brandneuen Manga alles bekommt, was das Herz höherschlagen lässt. So wird Akihabara in Akiba’s Trip: Undead & Undressed vorgestellt.

Akiba's Trip - Undead & Undressed (2)Das Vorstellungsgespräch hatte sich Protagonist Nanashi sicherlich anders vorgestellt. Dabei wollte er nur etwas zu tun haben und noch dazu eine Sammelfigur abgreifen. Als er allerdings zu sich kommt, befindet er sich gefesselt auf einem Tisch wieder. Vom ersten Bösewicht des Spiels erhalten wir zugleich ein paar grundlegende Informationen. Als Nanashi den Vertrag unterschrieben hat, hat der nämlich das Kleingedruckte nicht gelesen und somit alle Reche an seinen Körper abgetreten. Von seinem Menschendasein muss sich Nanashi verabschieden, da er von nun an ein Synthister ist. Synthisters sind vampirähnliche Wesen, wodurch Nanashi die Sonne tunlichst meiden sollte. Von diesem Schrecken erholt man sich jedoch nicht so schnell und reglos liegt Nanashi auf dem Tisch, als plötzlich die hübsche Shizuku auftaucht und ihn aus den Fängen von Zenya Amanō befreit. Sie gehört zur Rasse der Nighteaters, die ebenfalls vampirähnliche Züge annehmen. Da Nanashi noch zu geschwächt ist, muss sie ihm mit einem Kuss Blut übertragen. Dadurch fließen durch Nanashis Adern gleich zwei Sorten Blut, die ihn zu etwas Besonderem und zum Zielobjekt der Gegenseite machen. Zusammen beschließen sie gegen das Böse zu kämpfen und verbünden sich mit Nanashis Freunden, die in der Anime-Bar eines älteren Herrn rumhängen. Die Bar wird fortan zum Ausgangspunkt jeder Hauptmission.

Herumirren in Tōkyō

Akiba's Trip - Undead & Undressed (3)Die Handlung von Akiba’s Trip ist absolut abgefahren. Sie beinhaltet nicht nur den Konflikt zwischen Synthisters und Nighteaters, sondern auch viele Anspielungen auf die Populärkultur Japans. Bei unseren Streifzügen durch Akihabara entdecken wir zusätzlich Plakate, die auf Anime oder Manga hinweisen. Selbst Trailer zu Videospielen laufen an verschiedenen Stellen der Stadt auf Leinwänden immer und immer wieder. Wer zudem nicht aufpasst, bekommt den einen oder anderen Flyer zu real existierenden Geschäften in die Hand gedrückt. Die sind im Spiel auch komplett auf Japanisch einsehbar. Wer des Japanischen nicht mächtig ist und vor allem die Silbenschrift Katakana nicht beherrscht, wird sich bei Nebenaufgaben anfangs wohl etwas schwertun. Über die Kartenfunktion des Spiels wissen wir zwar schnell, in welchem der instanzierten Gebiete wir die die Aufgabe fortsetzen, doch anschließend erhalten wir nur eine vage Ortsbeschreibung. Nicht jedes Geschäft verfügt nämlich auch über ein Ladenschild, das in Rōmaji geschrieben ist. Je länger man sich aber durch die Straßen bewegt, desto schneller fällt auf, welche der herumirrenden Seelen Ansprechpartner für solche Aufgaben sind, da die sich in der Regel nicht von der Stelle bewegen. Blöd ist hier nur, dass Nichtspielercharaktere erst nach den Texturen geladen werden und für einige Zeit somit absolut nicht sichtbar sind.

Pilgerstätte eines jeden Otaku

Akiba's Trip - Undead & Undressed (4)Hier macht sich auch bemerkbar, dass die Stadt nicht so atmosphärisch ist, wie sie eigentlich sein könnte. Vergleicht man Akiba’s Trip beispielsweise mit der Yakuza-Reihe, fällt sofort auf, dass sehr viel weniger Personen auf dem Bildschirm gleichzeitig zu sehen sind und der Titel in diesen Momenten schon ins Stocken gerät. Dafür gibt es gelegentlich Gitarrenspieler, küssende Pärchen oder Cosplayer, die von Touristen fotografiert werden, welche vom Alltag in Akihabara zumindest ein wenig ablenken wollen. Dadurch, dass man an allen Ecken und Enden aber gerne mal stehen bleibt, wenn man ein Plakat zu Mind Zero entdeckt oder den Trailer zu Disgaea 4: A Promise Unforgotten auf einem großen Monitor über dem Eingang eines Geschäfts sieht, fällt das alles nicht sehr ins Gewicht. Sofern man sich auch abseits von Videospielen mit der japanischen Populärkultur beschäftigt, wird einem hier sicherlich nicht so schnell langweilig. Das liegt zum einen daran, dass die Laufwege durch das vortreffliche Schnellreisesystem sich auf ein Minimum reduzieren und im Hauptquartier die meiste Zeit ohnehin nur die Story durch Dialoge vorangetrieben wird. Je mehr Missionen wir erfüllen, desto mehr (spielbare) Nebencharaktere schließen sich uns an. Diese haben zwar alle eine eigene Persönlichkeit, doch unterscheiden sie sich in den Kämpfen jedoch kaum voneinander.

Grabschen für Fortgeschrittene

Akiba's Trip - Undead & Undressed (5)Zusammen bilden die Charaktere die Akiba Freedom Fighters, die es sich schon vor Nanashis Verwandlung zum Synthister-Nighteater-Hybrid zur Aufgabe gemacht haben, Akihabara vor Unheil zu beschützen. Entsprechend patrouillieren wir in vielen Missionen durch die Straßen und sorgen für Recht und Ordnung, in dem wir aufmüpfige Draufgänger verprügeln. Genau an dieser Stelle unterscheidet sich Akiba’s Trip von anderen Rollenspielen. Während wir in anderen Rollenspielen die Lebensleiste eines Gegners auf null reduzieren müssen, kümmern wir uns hier nur darum, die Kleidungsstücke vom Leib des Feindes zu reißen. Hose, Hemd und Kopfbedeckung stellen den Schutz des Übeltäters dar. Haben wir die Kleidungsstücke genug malträtiert, reißen wir sie dem Gegner runter und im besten Falle schaffen wir dann auch noch weitere Feinde in einem Rutsch ihrer Kleidung zu entledigen. Später kommen in Akiba’s Trip auch Attacken dazu, die wir zusammen mit einem Mitstreiter ausführen müssen. Da werden Gegner betäubt und das Grabschen kann einen ganz neuen Höhepunkt erreichen. Sofern wir nicht auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad spielen, ist es zudem wichtig, mit dem richtigen Knopf die Körperteile des Gegners fokussiert anzugreifen. Im besten Falle weicht man den Gegnern auch aus, da die ebenfalls den Befehl haben, uns auszuziehen.

Wahnsinniger Humor

Akiba's Trip - Undead & Undressed (6)Wenn wir in den Kämpfen Menschen entkleiden, laufen diese am Ende panisch weg. Ist aber ein Synthister das Ziel, brutzelt der in der glühenden Sonne – ein Glück, dass in Akihabara in Akiba’s Trip nie die Sonne untergeht! Um die Gegner übrigens zu attackieren, rüsten wir uns in den Elektronikmärkten oder Sportgeschäften mit Waffen aus. Zudem gibt es Kampfstile zu erlernen, die ebenfalls Humor beweisen. Wer als Drunken Master kämpft, schwankt bei den Spezialangriffen wie Jackie Chan im gleichnamigen Film. Saiyajin Son Gokū wird ebenfalls gewürdigt, in dem wir mit Nanashi das Kamehameha vortäuschen. Wer stilecht kämpfen will, kann sich ab einer gewissen Stelle im Spiel sogar Frauenkleider anziehen und wer einfach viel zu viele Yen übrig und es ganz besonders nötig hat, besucht einfach eines der Maid-Cafés in Akihabara beziehungsweise Akiba, wie die Kurzform des Stadtteils lautet. Übrigens sind alle Dialoge der Haupthandlung mit einer guten (japanischen) Sprachausgabe vertont. Akiba’s Trip erhält neben dem wunderschönen, wenn auch schon auf der PlayStation 2 so möglichen, Anime-Stil und der tollen musikalischen Untermalung eine ganz eigene Note, da Emotionen der Charaktere so sehr gut eingefangen werden. Wer will, darf die englischen Bildschirmtexte sogar abstellen und das Spiel komplett auf Japanisch genießen. Ein genialer Fan-Service!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Auf Akiba’s Trip: Undead & Undressed bin ich nur ganz zufällig aufmerksam geworden, als ich nach Spielen für die PlayStation Vita gesucht habe. Die Idee, Akihabara so weit wie möglich originalgetreu ins Spiel zu übertragen, hat mir im ersten Moment schon ausgereicht. Als ich dann endlich selbst loslegen durfte, konnte ich so schnell nicht mehr den Controller aus den Händen legen. Das Kampfsystem spielt sich relativ flott und durch verschiedene Waffen, die sich auch ebenso unterschiedlich kontrollieren lassen, wird mir hier nicht langweilig. Die Story ist zudem richtig abgedreht und unterstützt dieses Setting einmal mehr. Hier wird mir aber auch klar, dass man schon sehr verrückt nach Japan sein muss, wenn man maximalen Spaß mit Akiba’s Trip haben möchte. Zudem sind recht viele Texte an den Häuserfassaden nur in Katakana, Hiragana und Kanji geschrieben, weshalb man sich schon mal ein wenig verloren fühlen kann. Da ich zumindest die beiden Silbenschriften beherrsche, habe ich damit im Test aber keinerlei Probleme gehabt. Ärgerlich ist in meinen Augen nur, dass der Titel die Hardware der PlayStation 3 nicht ausreizt. Durch den Anime-Stil, den wenigen Figurenmodellen auf den Straßen und vor allem durch die instanzierten Gebiete wäre technisch sehr viel mehr machbar gewesen, um Akihabara mit sehr viel mehr Leben füllen zu können. Wer nach dem Abspann, der nach circa fünfzehn bis zwanzig Stunden über den Bildschirm flimmert, immer noch Lust auf das Spiel hat, freut sich über erst genau dann zugängliche Bonusinhalte – inklusive einer New-Game-Plus-Funktion, um auch das letzte Fleckchen von Akihabara zu erkunden.

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Akiba’s Trip: Undead & Undressed!

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