Review: Godzilla: Final Wars

Godzilla - Final Wars (1)Wer Teile des gesamten Star-Trek-Franchise, Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter, den einen oder anderen Michael-Bay-Film, X-Men und Matrix kennt, wird Godzilla: Final Wars auf der einen Seite verteufeln und auf der anderen Seite abgöttisch lieben.

Godzilla - Final Wars (2)Nachdem die vorherigen beiden Teile der Millennium-Reihe inhaltlich aufeinander aufbauen, kann man bei Godzilla: Final Wars nicht wirklich sagen, ob dieser Film im selben Universum angesiedelt ist. Typisch für die Millennium-Filmreihe wäre wieder ein neuer Ansatz und der Beginn (und das Ende) einer neuen Zeitrechnung. Die erste Szene des Films setzt im Kampf gegen Gojira am Südpol ein, wo die Riesenechse zugleich im ewigen Eis für immer begraben werden soll. Die Anspielung an Godzilla kehrt zurück bringt uns direkt zum Schmunzeln; es geht jedoch nahtlos in den Kampf Jahre später gegen die Riesenschlange Manda über und die Kollisionen mit dem Hybrid-Flug-Unterseeboot zeigen Szenen, die wir aus dem kompletten Star-Trek-Universum kennen – eine wankende Brücke, in dem die Offiziere durch die Gegend geschleudert werden. Herrlich! Durch waghalsige Manöver wird Lieutenant Douglas Gordon von der Earth Defense Force allerdings abgezogen und darf fortan kein Team mehr leiten, um den Planeten vor Monstern zu beschützen, die durch Umweltverschmutzung hervorgerufen werden. Ein Mitglied seines Teams, Shinichi Ōzaki, wird in der Zwischenzeit dazu verdonnert, die Biologin Miyuki Otonashi zu beschützen. Diese soll nämlich die Überreste des Monsters Gaigan, welches halb eine Maschine ist, untersuchen und für die Organisation analysieren.

Besuch vom anderen Stern

Godzilla - Final Wars (3)Wäre das Monster, welches vor über zehntausend Jahren aus dem Weltraum kam, nicht schon kurios genug, tauchen in jenem Moment überall auf der Welt Monster auf. Sowohl Shànghǎi, Sydney, New York und Tōkyō werden von Riesenkreaturen heimgesucht. Die Zerstörung der großen Städte nimmt kein Ende – dutzende Explosionen und Häusereinstürze inklusive; eben wie in einem Film von Regisseur Michael Bay. Die Earth Defense Force rückt aus, um gegen die Monster mit ihren Hybrid-Fahrzeugen anzutreten oder mit hochtechnologischen Waffen auszuschalten. Zu diesen Leistungen sind die Mitglieder der Einheit nur fähig, da sie allesamt Mutanten sind. Das ist für die Godzilla-Reihe nichts Neues, denn Mutanten gab es in sehr viel schwächerer Form schon in der Heisei-Reihe. Kurz darauf scheint die Handlung jedoch total durchzudrehen, als plötzlich auch noch Außerirdische auftauchen, die Monster verschwinden lassen und den Menschen den Frieden anbieten. Dem Anschein nach scheint es sich bei den Außerirdischen um genetisch aufgebesserte Menschen zu halten, doch da der Name ihres Heimatplaneten zu schwer für Menschen auszusprechen sei, sollen die Menschen ihn doch einfach X nennen. Durch Fernsehauftritte und Inszenierung der Aliens denken wir an die US-amerikanische Fernsehserie V: Die außerirdischen Besucher kommen aus dem Jahr 1983.

Suche nach Eigenidentität

Godzilla - Final Wars (4)Das ist jedoch nicht genug! Später gesellen sich nämlich noch Kämpfe zwischen Mutanten und Aliens dazu, die in einigen Szenen stark an Matrix erinnern. Markante Ledermäntel, die prägnante Sonnenbrille und das Ausweichen von Pistolenkugeln sind unverkennbar mit dem Werk der Wachowskis verbunden. Als es dann zum Äußersten kommt, lassen die Aliens die eingefangenen Monster wieder frei. Der aus dem Exil gerettete Gordon nimmt seinen alten Posten wieder ein und flieht mit seinem Team an den Südpol, um Gojira zu befreien, da der keine M-Base in seinen Genen hat und somit nicht vom Anführer der X-Aliens beherrscht werden kann. Was folgt ist ein Best-of von Monsterauftritten der Godzilla-Reihe, um dem eigentlichen Kaijū-Film weg von Science Fiction und Fantasy zu locken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das geht leider nicht ganz auf, da sämtliche Kämpfe viel zu kurz ausfallen und Gojiras Feinde allesamt in sehr abgeschwächter Form dargestellt werden, damit alles in 125 Minuten Platz findet. Obwohl der Film aus dem Jahr 2004 mit einigen Spezialeffekten aufwarten kann, die zum Veröffentlichungszeitpunkt zum Teil schon stark veraltet sind, hat man den Großteil immer noch per Suitmation-Verfahren umgesetzt, was Godzilla: Final Wars trotz vieler Filmanleihen immer noch ein wenig Eigenidentität verleiht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bereits nach zehn bis fünfzehn Minuten wollte ich auf die Fernbedienung drücken und den Film vorzeitig beenden. Was man hier im Auftakt des Films abliefert, ist eigentlich eine Frechheit und beleidigt die gesamte Godzilla-Serie. Wenn man sich allerdings darauf einlässt und den Finger weg von der Fernbedienung legt, dann kann man Godzilla: Final Wars tatsächlich mögen lernen. Wohlgemerkt sind fast sämtliche Ideen des Films von großen Film- und Fernsehproduktionen geklaut, ergeben jedoch – so seltsam das auch klingen mag – unterm Strich ein stimmiges und vor allem funktionierendes Gesamtbild. Das Auftauchen der Monster, das Eingreifen der X-Aliens, die politischen und sozialen Änderungen, die Enthüllung der wahren Absichten der Außerirdischen, der Einsatz der gefangenen Monster, die Zerstörung des Raumschiffs, der Kampf zwischen Gojira, Mosura, Minira, Angirasu, Kingugidora, Gaigan, Baragon und sogar jenem Gojira-Klon, den Roland Emmerich 1998 auf die Welt losgelassen hat, ist bis zum Ende wirklich durch und durch genial konstruiert. Da sehe ich gerne darüber hinweg, dass der Film bis auf seinen Kaijū-Anteil, der erst zum Ende richtig zünden möchte, nahezu keine Eigenidentität hat. Es klingt zwar alles recht negativ, doch man muss Godzilla: Final Wars unbedingt einmal mit eigenen Augen gesehen haben, um das Konzept lieben oder hassen zu lernen. Dennoch ist es wirklich sehr, sehr schade, dass die japanischen Godzilla-Filme hier nach fünfzig Jahren vorerst ihr Ende finden. Nachdem man sich in der Millennium-Reihe hoffentlich genug ausgetobt hat, hoffe ich nämlich inständig, dass Tōhō einen guten Regisseur finden möge, der den Ruhm von Gojira zu neuem Glanz verhelfen will – er hat es verdammt noch mal verdient!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Godzilla: Final Wars!

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