Review: Projekt B

Projekt B (1)Der Film Projekt B aus dem Jahr 1987 ist die Fortsetzung von Der Superfighter von 1983. Der englische Titel des Vorgängerfilms ist jedoch Project A, weshalb in Deutschland ein weiteres Mal unnötig Verwirrung gestiftet wurde. Diesmal leider ohne Sammo Hung und Yuen Biao!

Projekt B (2)Waren die beiden Schauspieler, die öfters mit Jackie Chan zusammengearbeiteten, bei Project A noch mit von der Partie, kommt die Handlung von Projekt B gänzlich ohne die beiden aus. Der Film konzentriert sich auf den von Jackie Chan verkörperten Charakter Dragon. Der wird von der Marine zur Polizei versetzt, wo er den übermütigen Polizeibeamten Chun ablösen soll. Chun hat nämlich zwei Diebe auf der Flucht eiskalt erschossen, obwohl sich beide schon auf offener Straße nahezu ergeben haben. Wie wir im Verlauf der Story erfahren, hat Chun seine Hände im Spiel mit der Unterwelt Hongkongs und ist augenfällig erbost darüber, dass er vom jungen Dragon abgelöst wird. Obwohl er befördert und von einiger Arbeit befreit wird, fühlt sich Chun schikaniert und will seine alte Stellung unter allen Umständen zurück erlangen. In der Zwischenzeit hat Dragon mit seinem durch und durch korrupten Polizeirevier zu kämpfen. Bereits bei seinem Amtsantritt haben die Beamten zusammengelegt, um Dragon zu schmieren. Der will nämlich aus der Polizeistation im Westbezirk endlich ein anständiges Revier machen. Dragon weiß, dass der Gangsterboss Einsamer Wolf für alle illegalen Geschäfte im Westen der Hafenstadt verantwortlich ist. Als er plant, diesen zu verhaften, muss er in seinen Reihen mit hartem Widerstand rechnen. Die Beamten sind so verängstigt, dass sie kündigen wollen.

Auf dem Weg zur Revolution

Projekt B (3)Dragon hat aber noch mit mehr Ärger zu rechnen. Als er eine Feierlichkeit des Gouverneurs mit seinem Team überwachen soll, wird ein wertvolles Medaillon gestohlen. Der Diebstahl wird anders aufgeklärt, wie Dragon das recht wäre. Das Kleinod befindet sich plötzlich in seiner eigenen Tasche und prompt wandert Dragon hinter Gittern. Zumindest sollte er das, doch durch verschiedene Verwicklungen kann er der Polizei helfen, den gefährlichen Chun und der Rest der Verbrecher zu schnappen. Dabei kommt er ständig jenen Piraten in die Quere, mit denen er sich schon in Der Superfighter herumschlugen durfte. Projekt B spielt durchweg vor dem Szenario der letzten Tage des Kaiserreichs. In den Dialogen erfahren wir, dass man nicht mehr sonderlich gut aufs Kaiserhaus (und besonders die einflussreiche Cixi) zu sprechen ist und im Hintergrund bereits die Revolution langsam vorbereitet wird. An der Stelle wird klar, dass der Film vor 1908 spielen muss. Selbst auf den wohl wichtigsten aller Revolutionären, Dr. Sun, wird in einer Szene hingewiesen. Dadurch gelingt es dem Film, die Auffassung von Dragon, dass jedes Leben schützenswert ist, doppelt zu unterstreichen. Das Leben des Polizisten kommt aber nicht ohne Action und Gewalt aus und so sterben dennoch ein paar Nebencharaktere. Das weist indirekt auf die kommende (blutige) Revolution hin.

Eine Reise in die Vergangenheit

Projekt B (4)Die Choreographien von Chan wirken in Projekt B einmal mehr herausragend. Egal ob Chan nun im Polizeirevier, im Versteck von Einsamer Wolf oder auf Gerüsten des authentisch an das um die Jahrhundertwende angelehnte Hongkong kämpft – alles wirkt wie aus einem Guss. Selbiges gilt auch für die Kostüme, Requisiten und Kulissen. Die Außenaufnahmen von einer mehr als einhundert Jahre alten Stadt wirken pompös und werden durch feine Kleidung der Oberschicht unterstützt. Neben Chan sind in weiteren Rollen unter anderem Rosamund Kwan, David Lum und der 2006 verstorbene Bill Tung zu sehen, die sich hervorragend in das Bild einfügen. Apropos Bild: Dieses macht einen ordentlichen Eindruck und kann nur dann recht negativ auffallen, wenn man sehr nah vor dem Fernseher sitzt und das Bildkorn und das kleine Flackern bemerkt. Bei angemessener Entfernung kann man aber nichts beanstanden. Die Musik des Films erinnert abermals an die alte Zeit, in der die Briten Hongkong besetzt hielten. Schaut man sich die deutsche Übersetzung an, muss man mit einigen geschnittenen Szenen leben; die Intention des Films geht hier zu Bruch. Daher empfehlen wir unbedingt den Film im kantonesischen Originalton zu schauen, da die deutsche Synchronisation an vielen Stellen einen Humor verwendet, der deplatziert wirkt und das Gesamterlebnis schmälert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es ist schade, dass ich Der Superfighter bis heute noch nicht gesehen habe. Dafür bin ich aber wohl das beste Beispiel dafür, dass der Film auch ohne das Vorwissen funktionieren kann. Natürlich ist es schade, dass Sammo Hung und Yuen Biao, die eigentlich immer viel Humor mit in Jackie Chans Filme bringen, diesmal nicht mit von der Partie sind. Trotzdem unterhält mich der Film mit vielen irrwitzigen Ideen, die in den letzten drei Dekaden einfach nicht langweilig geworden sind. Hinzukommen spektakuläre Stunts, in denen Chan ein paar ältere US-amerikanische Filme zitiert und somit die Kampfeinlagen sehr abwechslungsreich ausfallen. Viel interessanter finde ich jedoch den Aspekt, dass man mit ein wenig Feingefühl die Situation um die Jahrhundertwende erkennen und verstehen kann. Ganz so tiefgründig wie Bodyguards & Assassins wird Projekt B zwar nicht, aber ein Stück chinesischer Geschichte lässt sich in Jackie Chans Film dennoch finden. Und wer auf Blu-rays gerne das Bonusmaterial verschlingt, bekommt einen Audiokommentar von Bey Logan und ein interessantes Interview mit Yao Lin Chen obendrauf spendiert.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Projekt B!

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