Review: The Chronicle of the Clueless Age

The Chronicle of the Clueless AgeFür viele Menschen zählte die Jugend zu den interessantesten sowie bewegendsten Abschnitten ihres Lebens. Erinnerungen aus dieses Zeiten scheinen selten zu verblassen, die Prozesse im Gehirn Heranreifender sind auch alles andere als einfach zu verstehen.

Der Einzelband begleitet eine Anzahl von Teenagern durch einzelne Kurzgeschichten, die sich in ihren Fantasiewelten verlieren. Die jugendliche Naivität wird zum Katalysator, um Traumvorstellungen in die echte Welt einfließen zu lassen. Der Zeichner Usamaru Furuya und der multimediale Künstler Hirotaka Adachi alias Otsuichi, der sich auch für Can you hear me verantwortlich zeichnet, arbeiteten im Duo an dieser wankelmütigen Achterbahnfahrt auf den Gleisen des Erwachsenwerdens. Otsuichis Mitarbeit und dessen Faible für Horrorgeschichten ist auch hier unverkennbar an den Zeichnungen und natürlich Inhalten abzulesen. Abstruse Abwechslung ist dabei garantiert: Vom erfolglosen Schüler, der den Sinn hinter dem zwanghaften schulischen Lernen sucht, bis zur figurbewussten Schülerin, die wortwörtlich einen Krieg gegen eine außerirdische Süßwareninvasion anführt wird einiges geboten. Die Geschichten sind zwar allesamt in sich abgegrenzt, das Finale zum Schluss findet dennoch mit einem Aufeinandertreffen aller Charaktere statt. Sozialkritische Töne machen die beiden Künstler dabei nicht nur unterschwellig zu verstehen, besonders wenn die Figuren mit dem Schul- und Gesellschaftssystem Japans konfrontiert werden.

Konfuse Kindheit

Diese Inhalte kennen wir schon aus einigen Manga und Anime, trotzdem ist Vordergründig immer noch der Werdegang der Charaktere. Genauso bunt wie wild die Fantasien werden können, verlaufen auch die Kurzgeschichten. Von neun Episoden auf knapp 250 Seiten dargestellt, fiel keine zu lang aus. Falls eine einmal nicht gefallen sollte, ist sie meistens schon wieder vorbei, bevor Langeweile eintritt. Nicht wenige Thematiken beschäftigen sich eher mit den Schattenseiten und Problemen jener Zeit, auch wenn das für die Figuren selbst nicht immer klar ist. Ob in Japan oder hier in Europa, die Komplikationen in der Jugend bleiben oft dieselben. Der externe Beobachter in Form des Zuschauers erkennt aber die nicht selten depressiven Töne, sodass unsere Empfehlung an eine etwas ältere Zielgruppe sicherlich nicht von ungefähr kommt. Die äußere Gestaltung des Mangas selbst spielt in einer ebenfalls hohen Liga und bietet vom ansehnlichen Einband bis zur Schriftgestaltung und der Fülle an Anmerkungen einiges mehr, als gewöhnliche Vertreter dieser Literatur. Dazu ist der goldene Einschuber, der die Einzigartigkeit des Werkes auch nach außen hin sichtbar macht, ein echter Blickfänger, dem kein Preis gewachsen ist.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Schon seit längerem hatte ich The Chronicle of the Clueless Age auf dem Schirm. Die Empfehlungen kamen dabei aus den unterschiedlichsten Ecken, was natürlich von Anfang an für den Manga sprach. Dennoch sollte man sich im Vorfeld im Klaren sein, auf was man sich hier einlässt. Den teilweise erschreckenden Darstellungen ernster Themen ist mit Sicherheit nicht jedermann gewachsen, aber auch die alles andere als kohärente Erzählweise könnte den einen oder anderen Leser abschrecken. Wer aber abseits von handlungsgetriebenen Geschichten auch einmal etwas tatsächlich einzigartiges finden will, ist mit dieser Chronik schon mal auf dem richtigen Weg. Das interessante Storytelling sorgt zusammen mit vielen visuellen Details für einen Wiederlesewert, den ich bisher bei vielen Manga vermisst habe. Großartig sind auch die letzten Seiten, die völlig ohne Zeichnungen auskommen. Im Dialog liefern Otsuichi und Furuya Informationen über die Stationen der Konzeption und Entstehung des Werkes. Zum Schluss reflektieren sie noch einmal ihre Geschichten für den Leser, wobei sie gerne auch einmal abschweifen, um interessante Hintergrundinformationen zu liefern: Ein super Bonus!

Vielen Dank an Egmont Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Chronicle of the Clueless Age!

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