Review: Kundo – Pakt der Gesetzlosen

Kundo - Pakt der Gesetzlosen (1)Über vier Millionen Kinobesucher in Südkorea können sich nicht irren. Kundo – Paket der Gesetzlosen schafft es den bis zum Veröffentlichungstag besten Kinostart hinzulegen. Auch wenn dieser Rekord nur wenige Tage später eingeholt wurde, beeindruckt uns der Film sehr.

Kundo - Pakt der Gesetzlosen (2)Wir schreiben das Jahr 1862. Die Chosŏn-Dynastie herrscht über das Land, doch die späte Dynastie ist geprägt von sozialer Ungleichheit in der Bevölkerung. Wahres Können ist sehr viel weniger wert, als der Stand, in den man hineingeboren wird. Aufgrund der ungerechten Behandlung der Bevölkerung, beginnen Bauern ihre Steuern zu hinterziehen und Reis für sich einzubehalten, um sich überhaupt ernähren zu können. Zudem bilden sich im ganzen Land verschiedene Diebesbanden, die im Robin-Hood-Stil das Gleichgewicht der Gerechtigkeit zumindest versuchen, wieder herzustellen. Als der Kundo-Klan eines Tages Nahrung unter der Bevölkerung aufteilt, wird auch Dolmuchi, ein armer Fleischer, Zeuge vom Spektakel. Er und seine Familie leiden dennoch Hunger. Als er eines Tages am Hof des Adligen Joo-yon Fleisch abliefert, erhält er ein unmoralisches Angebot. Er soll Joo-yons Schwägerin aufspüren und töten. In seiner Verzweiflung und dem Willen, eines Tages nicht mehr am Hungertuch nagen zu müssen, willigt er ein. In der nächsten Nacht misslingt der Mordauftrag allerdings und Joo-yon befehligt die Exekution von Dolmuchi. Joo-yons Auftrag geht abermals schief, denn Dolmuchi überlebt. Dieser muss dafür mit ansehen, wie seine Schwester und auch seine Mutter in Flammen aufgehen und unter den Überresten seines Hauses begraben werden.

Soziale Ungleichheit

Kundo - Pakt der Gesetzlosen (3)Über einen Umweg durchs örtliche Gefängnis wird der Kundo-Klan auf ihn aufmerksam. In letzter Minute wird Dolmuchi schließlich von ein paar der Banditen gerettet und prompt in ihre Kreise aufgenommen. Es vergehen zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen Dolmuchi in den Künsten des Kampfes ausgebildet wird und mit seinen Brüdern und Schwestern Karawanen überfällt. In diesen zwei Jahren wächst allerdings auch die politische Macht von Joo-yon, der mittlerweile die ganze Gegend kontrolliert. Die Schere der Ungleichheit geht immer weiter auseinander; das Unrecht regiert im ganzen Königreich. Das kann der Kundo-Klan natürlich nicht dulden und beschließt, dem Treiben von Joo-yon ein Ende zu setzen. So bekommt der einstige Fleischer Dolmuchi endlich die Chance, Rache am Tod von Mutter und Schwester zu nehmen. Die beiden wichtigen Charaktere, Dolmuchi und Joo-yon, symbolisieren sehr gut, wie es um die soziale Gleichheit im 19. Jahrhundert stand. Auf der einen Seite demonstriert Dolmuchi, dass das gemeine Volk (Fleischer standen in der vertikalen Hierarchie ganz unten) kaum Zugang zu Bildung hatte und der Obrigkeit gehorchen musste. Auf der anderen Seite seht Joo-yon stellvertretend für Aristokraten und Beamte, die durch Korruption immer mehr Macht gewannen und diese schließlich für ihre eigenen Interessen ausgenutzt haben.

Eine eigene Note

Kundo - Pakt der Gesetzlosen (4)In Kundo – Pakt der Gesetzlosen gibt es zwar keinen direkten Vorbilder, doch nutzt man so entsprechend Ideale, die vor der historischen Kulisse aufeinandertreffen. Die Handlung dazu wird stringent bis zum Ende erzählt, bietet allerdings keinen Freiraum für Überraschungen. Als Ausgleich bietet Regisseur Yoon Jong-bin (der auch einen Cameoauftritt in The Berlin File hat) herausragende Action-Szenen. Während die Joo-yons Soldaten mit Schwertern ausgestattet sind, müssen die Banditen in einigen Fällen mit kleineren und nicht ganz so verschwenderischen Waffen auskommen. Selbst hier wird einmal mehr deutlich, wie es um die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts bestellt ist. Die Choreographien werden mit schnellen Kamerafahrten unterlegt, wodurch die Action-Szenen viel Abwechslung bieten und niemals langweilig werden. Auf technischer Ebene weiß der Titel ebenfalls zu überzeugen. Das Bild in Full-HD ist sehr kontrastreich und meistens sehr scharf. Durch die wunderschönen Bilder, die man in Korea einfangen kann, erhält das Bild gleich eine eigene Note. Der Soundtrack ist ebenfalls eine Klasse für sich. Stellenweise erinnert er uns an einen Western, was auch daran liegen kann, dass ein paar Motive des Films in einem Western ebenso gut aufgehoben wären. Das spärliche Bonusmaterial bietet kaum Einblicke in den Film und enttäuscht leider.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Kundo – Paket der Gesetzlosen bietet fast alles, was ein ordentlicher Action-Film benötigt, vermischt diese Elemente mit Anleihen von Historienfilmen und formt es zu einer Rachestory mit reichlich Schwertkämpfen. Zudem wird eine stringente Geschichte erzählt, die den Zuschauer nicht verwirrt und reichlich Einblicke in die historischen Hintergründe des 19. Jahrhunderts gibt. Das heißt allerdings auch, dass überraschende Wendungen ausbleiben. Ausgleichend dafür überzeugen die Action-Szenen auf ganzer Linie, da diese mit schnellen Bewegungen und Schnitten technisch hervorragend sind und niemals in die Länge gezogen wirken. Die 138 Minuten des Films gehen schneller vorbei, als man sich wünschen möchte. Mich überrascht es nicht, dass der Film zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von mehr als vier Millionen Südkoreanern an der Kinokasse gefeiert wurde. Der Film demonstriert hervorragend die Kulisse der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, es gibt reichlich gut inszenierte Action und zwei Ideale, die hier aufeinanderprallen. Unterlegt mit einem mitreißenden Soundtrack und wunderbaren Bildern, ist Kundo – Pakt der Gesetzlosen ein Film, den man sich als Action-Fan nicht entgehen lassen darf!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kundo – Pakt der Gesetzlosen!

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