Review: Das Leben des Budori Gusko

Das Leben des Budori Gusko (1)In Japan wurde der Film mit dem Originaltitel Guskō Budori no Denki bereits Mitte 2012 auf der großen Leinwand gezeigt. Hierzulande hat man abermals darauf verzichtet, einen Anime in die Kinos zu bringen. Stattdessen erscheint Das Leben des Budori Gusko direkt auf Blu-ray.

Das Leben des Budori Gusko (2)Wie es der Filmtitel schon vermuten lässt, dreht sich der Titel voll und ganz um den Charakter Guskō Budori. Dieser lebt im fiktiven Land Ihatov mit seiner Familie tief in einem Wald. Das Leben geht seinen gewohnten Gang. Budori geht zur Schule, während sein Vater Nadori als Holzfäller im Wald sein Tagwerk verrichtet. Seine Mutter bestellt hingegen das Feld, damit seine Familie im Winter genügend Nahrung hat. Neri, Budoris Schwester, hilft ihr dabei. Es ist eine freundliche Familie, die in einer heilen und funktionierenden Welt lebt. Eines Tages soll sich Budoris Leben allerdings für immer ändern. Die Sonne lässt sich im Frühling nicht mehr so häufig blicken, sodass im Mai sogar noch Schneeregen auf die Erde rieselt. Dadurch muss die Familie die Ernte stark rationieren, um über den langen Winter zu kommen. Es soll der letzte Winter sein, den sie als Familie erleben werden, denn im nächsten Frühjahr steigt die Temperatur nicht mehr an. Budoris Vater verschwindet im Wald und kurz darauf versucht seine Mutter ihren Gatten zu finden. Als die beiden nicht wiederkehren, taucht plötzlich ein Kinderfänger auf, der die Situation der beiden Kinder ausnutzt. Während Budori sich den Worten des Mannes verschließen kann, gibt seine Schwester aufgrund des Hungers nach.

Biografische Ereignisse

Das Leben des Budori Gusko (3)Die Ausgangslage des Films versetzt Budori in eine Lage, die sich niemand von uns in solch einem Alter wünschen würde. Ganz alleine auf der Welt, beschließt er, das Land Ihatov zu bereisen und einen neuen Sinn zu finden. Die Handlung schildert fortan mehrere Stationen seines Lebens. So trifft er beim Verlassen des Waldes auf den Großbauern Rotbart, der ihn unter seine Fittiche nimmt und ihn in der Landwirtschaft unterrichtet. Durch aufkommende Dürreperioden in den folgenden Jahren verschlägt es Budori außerdem in die Stadt, wo er mit seinem Wissen zunächst kurz von Professor Kūbō und später von einer ganzen Gesellschaft in die Vulkanologie eingewiesen wird. Zwischenzeitlich wacht Budori immer wieder in einer anderen Welt auf, in welcher der Kinderfänger als Richter auftritt und ihn fürs Überschreiten der Grenze zur Rechenschaft ziehen will. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Film mit seiner Handlung an vielen Stellen sehr offen bleibt. Er bietet dafür genügend Freiraum zur Interpretation, denn Das Leben des Budori Gusko spielt nur so mit Metaphern. Es gibt kein Muster, nachdem der Film die elegische Grundstimmung mit Höhen und Tiefen aufbaut. Es ist eine gewollte Aneinanderkettung von Ereignissen, die zum Teil biografisch sind und das Leben des bereits 1933 verstorbenen Autors Miyazawa Kenji versucht wiederzugeben.

Universelle Ideen

Das Leben des Budori Gusko (4)Um von Äußerlichkeiten abzulenken und den Blick auf das Wesentliche zu richten, hat sich Regisseur Sugii Gisaburō wie bei seinem Anime Ginga Tetsudō no Yoru aus dem Jahr 1985 dafür entschieden, die Charaktere auch bei dieser Umsetzung eines Miyazawa-Romans als Katzen erscheinen zu lassen. Mit dieser Entscheidung sollen nicht in erster Linie mehr Kinder angesprochen werden, sondern die verarbeiteten Ideen universeller erscheinen. Des Weiteren wird durch die Vulkanologie auch auf Katastrophen hingewiesen und diese verarbeitet. Dadurch könnte man sich stundenlang mit den Themen und Theorien des Films beschäftigen. Während der Film inhaltlich eine ganz eigene Note für sich innehält, braucht er sich auf der technischen Seite nicht vor der Konkurrenz verstecken. Wunderschöne Grafiken, vor allem die Wälder und Felder in der ersten Filmhälfte, erweichen unser Herz auf eine sehr schöne und auch sehr traurige Art und Weise. Dem Soundtrack gelingt es weitgehend durchgehend die Stimmung der Charaktere widerzuspiegeln, ohne dass diese ihre Emotionen ständig mit Worten untermauern müssen. Sowohl die deutsche, als auch die japanische Synchronisation können in den Dialogen glänzen. Fans der deutschen Synchronisation dürfen sich über einen Besuch im Synchronunternehmen Kölnsynchron freuen. Ein tolles Booklet liegt ebenfalls bei.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Das Leben des Budori ist ein Film, den man sich wirklich in Ruhe anschauen und sich viel Zeit dafür nehmen sollte. Er bietet keinerlei oder kaum Action, stattdessen möchte er lieber mit vielen Metaphern über Leben, Familie, Tod und Selbstaufopferung zum Nachdenken anregen. Das Leben des Budori Gusko bietet so viele Facetten, über die man sich stundenlang austauschen möchte, da viele Handlungsstränge im Film einfach nicht zu Ende erzählt werden. Zumindest nicht zu solchen Enden, die man bei einer stringenten Erzählung erwarten würde. Dieser Anime ist wesentlich tiefgründiger und fühlt sich stellenweise sehr echt und real an, zumal Miyazawa Kenji, der Autor der Buchvorlage, sein eigenes Leben in sein Werk hat einfließen lassen. So wurde seine Heimat Iwate von Dürren heimgesucht und zudem wird ihm nachgesagt, dass er ein aufmerksamer Schüler war. Außerdem hat er seine Schwester verloren und beschäftigte sich später mit Geologie. Ich bin froh, dass das Booklet, welches der Blu-ray Disc beiliegt, solche Fakten ergänzend liefert, um das Werk als ganzes ansatzweise verstehen zu können. Wer sich auf diesen intelligenten Anime einlassen und sich mit tiefgründigen Fragen beschäftigen möchte, wird sicherlich nicht enttäuscht werden!

Vielen Dank an Anime House für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

2 Kommentare zu “Review: Das Leben des Budori Gusko

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