Review: Code Name: S.T.E.A.M.

Code Name S.T.E.A.M. (1)Das Entwicklerstudio Intelligent Systems hat in den letzten Jahrzehnten reichlich Erfahrungen mit Strategie- und Rollenspielen gesammelt. Es ist Zeit für ein Projekt, in welchem wir das Geschehen nicht aus der Vogelperspektive, sondern aus der Third-Person-Ansicht erleben.

Code Name S.T.E.A.M. (2)Die Handlung von Code Name: S.T.E.A.M. ist schnell erzählt. Außerirdische greifen die Erde an und während wir im viktorianischen London die Bedrohung bekämpfen, erhalten wir auch Unterstützung aus der Luft. Gerade noch entkommen wir dem Trubel vor dem Buckingham Palace und stehen an Bord des Luftschiffs im Jahr 1865 auf einmal dem 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gegenüber. Abraham Lincoln hat die Bedrohung aus dem All kommen sehen und deshalb seinen Tod im selben Jahr vorgetäuscht, um sich voll und ganz den Aliens zu widmen. In uns sieht der Präsident ein potentielles Mitglied für seine private Armee, die gegen die außerirdischen Lebensformen antritt. Ob wir wollen oder nicht: Fortan sind wir Teil des Strike Team Eliminating (the) Alien Menace, kurz S.T.E.A.M.. Unter diesem Codenamen retten wir zunächst Königin Victoria, bevor wir anschließend mit vereinten Kräften diverser Neuzugänge in Lincolns Armee die Vereinigten Staaten und schließlich den ganzen Planeten beschützen. Dabei entpuppt sich der Titel nicht als purer Third-Person-Shooter, wie so manch einer beim Anblick der Screenshots vermuten könnte, sondern um einen reinen Strategie-Titel mit gehörigem Action-Anteil. Da Intelligent Systems bereits viel Erfahrung mit der Fire-Emblem-Reihe sammeln konnte, ist es nicht verwunderlich, dass es hier rundenbasiert zugeht.

Einmal richtig Dampf ablassen

Code Name S.T.E.A.M. (3)Abraham Lincolns Luftschiff, die Liberty, ist Ausgangspunkt des Spiels. Von hier aus starten wir unsere Missionen, die der Reihe nach im Lauf der Kampagne freigeschaltet werden. Das Spiel ist in mehrere Kapitel gegliedert, welche wiederum in diverse Sektoren unterteilt sind. Sobald wir einen Sektor betreten, unterteilt sich das Spielfeld gleich in mehrere quadratische Felder. Mit jedem der vier Charaktere, die wir gleichzeitig in die Schlacht führen, können wir eine bestimmte Anzahl von Feldern voranschreiten. Die Anzahl der möglichen Aktionen wird in Dampf gemessen. Gehen wir also ein Feld nach vorne, verbrauchen wir einen Punkt Dampf. Andere Aktionen benötigen hingegen mehr Dampf, weshalb wir immer mit unserem Dampf haushalten sollten. Da es keine Übersichtskarte gibt, darf man sich darüber freuen, dass jeder Schritt rückgängig gemacht werden kann. Sobald allerdings eine andere Aktion außer Schritte durchgeführt wird, gibt es kein Zurück mehr. Das heißt, sobald wir einen Angriff starten oder von einem Alien selbst während unseres Zuges angegriffen werden, wird Dampf von unserem Konto abgezogen. Der Clou am Verbrauchssystem des Spiels ist, dass wir Dampf für den gegnerischen Zug aufsparen können. Sobald sich uns nämlich ein Alien nähert, können wir den Außerirdischen dazu kriegen, seinen Angriff auf uns zu unterbrechen oder zu stoppen.

Kehrseite der Medaille

Code Name S.T.E.A.M. (4)Für jeden erledigten Gegner erhalten wir Medaillen, die ebenso in einem Sektor großzügig verteilt sind und nur darauf warten, von uns gesammelt zu werden. Für eine bestimmte Menge Medaillen schalten wir neue Waffen frei, mit denen wir unsere Agenten ausrüsten dürfen. Da gibt es zum Beispiel Waffen, die auf Knopfdruck Dampf absondern oder auch Waffen, die im Kampf Shuriken auf die Gegner feuern. Manche Waffen haben sogar einen gegenteiligen Effekt. Wenn einer unserer Agenten verwundet wird, haben wir nicht die Möglichkeit, Items zum Heilen einzusetzen. Stattdessen können manche Waffen Geschosse abfeuern, welche die entsprechende Figur oder wie im Falle der Waffe Schwanengesang auch mehrere Charaktere heilen. Des Weiteren können wir die im Sektor gefundenen Medaillen an bestimmten Säulen während der Schlacht dazu verwenden, um unsere Agenten aufzuladen. Medaillen finden wir aber nicht nur im Lauf der Kampagne, sondern auch im Versus-Modus. Hier treten wir lokal oder übers Internet gegen einen anderen Spieler an. Ziel ist es entweder, das gegnerische Team zu besiegen, so viele Medaillen wie möglich zu sammeln oder aus dem Cockpit eines riesigen Lincoln-Roboters einen feindlichen Robotergiganten zu besiegen. Letzteres ist auch der einzige Spielmodus, in dem beide Spieler simultan und nicht abwechselnd antreten.

Startschwierigkeiten

Code Name S.T.E.A.M. (5)Sowohl mit einem anderen (gegnerischen) Spieler als auch im Alleingang macht Code Name: S.T.E.A.M. Spaß. Allerdings hat der Titel mit einigen Defiziten zu kämpfen. Dadurch, dass es keine Übersichtskarte gibt, ist es in unseren Augen mehr als nur umständlich, zwischen den Charakteren auf einem dermaßen kleinen Bildschirm hin- und herzuschalten, um einen Blick übers Spielfeld zu erhaschen. Besonders beim ersten Betreten des Sektors ist dies ärgerlich, da wir so noch nicht wissen, wo Gegner auf uns lauern. Fallen wir im Kampf, ist es danach aber viel zu leicht, da man den Feinden so auflauern oder aus dem Weg gehen kann. Einher geht dieses Problem mit der Steuerung. Wir bewegen uns mit dem Analog-Stick und haben drei Möglichkeiten, wie wir uns umsehen. Dies geschieht entweder über die Knöpfe oder mittels des Stylus, den wir über den Touchscreen führen. Die dritte Alternative wäre der zweite Stick des Schiebepad Pros. Da wir einige Aktionen aber ausnahmslos nur über den Touchscreen ausführen können und es keine Möglichkeit gibt, die Tasten neu zu konfigurieren, ist keine der Steuerungsmethoden wirklich gut geeignet. Wir hoffen sehr, dass Nintendo hier noch einen Patch nachliefern wird. Besitzer des New 3DS dürfen sich abschließend darüber freuen, dass sie die Amiibo-Figuren von Fire-Emblem-Charakteren beim Spielen benutzen können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als der Titel angekündigt wurde, habe ich mich sehr auf das Spiel gefreut. Ich mag Strategie-Spiele und diese dürfen auch wie die Fire-Emblem- oder Heroes-of-Might-and-Magic-Serien gerne rundenbasiert sein. Zudem weiß ich, dass Intelligent Systems über das Wissen verfügt, ein Spielkonzept zu entwerfen, welches mich stundenlang an eine Konsole fesseln kann. Code Name: S.T.E.A.M. ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite finde ich die Idee großartig, alle Bewegungen aus der Third-Person-Perspektive zu sehen, doch auf der anderen Seite fehlt mir einfach eine Übersichtskarte. Dass ich beim Online-Spielen darauf verzichten muss, damit ich den Gegner nicht kommen sehe, ist mir bewusst und das sollte auch so sein, doch in der Kampagne ist das einfach nur nervig und hinderlich. Beim ersten Versuch schaffe ich es öfters nicht, alle Agenten lebendig ins Ziel zu bekommen. Wenn ich es dann aber nochmals probiere, gelingt es mir auf Anhieb, da ich mich mit dem Sektor ja mittlerweile gut auskenne. Außerdem muss ich sagen, dass ich mit keiner der drei Methoden, das Spiel zu steuern, wirklich gut klar gekommen bin. Meistens habe ich dann doch mit dem Schiebepad Pro gespielt, auch wenn ich es absolut nicht verstehen kann, warum dann nicht auch die anderen Knöpfe der Peripherie für andere Aktionen benutzt werden können. Mit Code Name: S.T.E.A.M. verschenkt Nintendo jede Menge Potential und ich hoffe sehr, sofern das Franchise fortgeführt werden sollte, dass man sich dann für die Feinheiten etwas mehr Zeit lässt. Wirklich schlecht ist der Titel nämlich nicht. Dafür besitzt er viel zu viele gute Ansätze. Wer Strategie-Spiele mag, darf ruhig einen Blick riskieren, doch eine gute Alternative zu Fire Emblem: Awakening darf man sich von Code Name: S.T.E.A.M. nicht erwarten.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Code Name: S.T.E.A.M.!

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