Review: Samurai Champloo

Samurai Champloo (1)Anime, die sich mit der Edo-Zeit und Samurai beschäftigen, sind hierzulande leider rar gesät. Samurai Champloo aus dem Jahr 2004 entführt uns in die Zeit des Tokugawa-Shōgunats und schickt uns auf eine Reise quer durchs spätfeudale Japan mit drei unterschiedlichen Figuren.

Samurai Champloo (2)Der Auftakt von Samurai Champloo beginnt mit einem Zufall in einem Teehaus. Mugen, ein zielloser Vagabund, macht in diesem Teehaus Rast. Die fünfzehnjährige Fū arbeitet hier als Bedienung und wird vom Sohn des Landvogts und seinen Freunden bedrängt. Mugen erklärt sich bereit, die unliebsamen Gäste mit Gewalt zu entfernen. Genau in diesem Moment betritt der Rōnin Jin das Lokal, der sich Mugens Vorhaben anschließt. Obwohl der Kampf zu ihrem Gunsten ausgeht, entbrennt zwischen Mugen und Jin ein heftiger Streit, der dazu führt, dass die beiden verhaftet und für ihre Taten hingerichtet werden sollen. Fū beschließt den beiden in ihrer misslichen Lage zu helfen. Als Gegenleitung erwartet sie jedoch, dass Mugen und Jin ihr bei der Suche nach dem Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, helfen. Sie willigen ein und schieben ihren Kampf so lange auf, bis ihre Aufgabe als Fūs Leibwächter abgeschlossen ist. Das Trio beginnt eine Reise durchs spätfeudale Japan der Edo-Zeit. Ihre Reise ist lang und beschwerlich. Um in Gasthäusern übernachten und in Restaurants speisen zu dürfen, brauchen sie jedoch Geld, welches sie durch diverse Arbeiten oder durch Glücksspiel verdienen. Als sie Edo erreichen, erfährt Fū etwas über den Anhänger, den sie vom erwähnten Samurai erhalten hat, wodurch sie ihr letztes Reiseziel bestimmen können. Ihr Reise soll in Nagasaki enden.

Ernste Themen vor historischer Kulisse

Samurai Champloo (3)Samurai Champloo baut hauptsächlich auf den drei Charakteren Mugen, Jin und Fū auf. Da die drei Figuren unterschiedliche Persönlichkeiten und Ansichten haben, stoßen sie nicht nur einmal aneinander. Zuweilen trennen sich ihre Wege deshalb, doch nach kurzer Zeit finden sie wieder zueinander. Trotz ihrer Differenzen schweißt sie ihre Reise durch die Provinzen Japans auf den Inseln Honshū und Kyūshū weiter zusammen. Unterwegs bekommen sie es überwiegend mit ihnen feindlich gesinnten Fraktionen zu tun. Agenten des Shōgunats sind ihnen zwar durchgehend auf den Fersen, doch auch Entführer, Menschenschmuggler, Diebe, Glücksspieler und Bordellbetreiber wollen ihnen an den Kragen. Der Anime beschäftigt sich anhand dieser Beispiele mit ernsten Themen wie Menschenhandel oder Prostitution. In einer Folge wird selbst das illegale Überschreiten eines Grenzpostens aufgegriffen. Ein wichtiger Aspekt von Samurai Champloo ist auch das Auftauchen des Christentums, welches in dieser Epoche Japans verboten war. Obwohl sich der Anime an historischen Tatsachen orientiert, erhebt Samurai Champloo keinen Anspruch auf historische Korrektheit. So treten zwar einige historische Personen auf oder werden zumindest genannt, doch gibt es viele populärkulturelle Einflüsse. So tauchen etwa Graffitis, der Baseball-Sport oder Musik des Hip-Hop-Genres auf.

Hip-Hop ergänzt Chanbara

Samurai Champloo (4)Hip-Hop-Musik ist zudem die Hauptkomponente des Soundtracks von Samurai Champloo. Direkt beim Opening wird uns klar, dass der Anime hier einen eher unkonventionellen Weg einschlägt. Das mag zwar recht eigensinnig klingen, doch wer den Chanbara-Anteil der Serie mit den Klängen von den Künstlern Fat Jon, Force Of Nature, Nujabes und Tsutchie unterlegt betrachtet, wird nicht abstreiten können, wie sehr sich diese Elemente ergänzen. Optisch kann Samurai Champloo in der Blu-ray-Fassung aber nicht gänzlich glänzen. Das liegt daran, dass alle 26 Episoden durchgehend in diffusem Licht erstrahlen. In schlichten Momenten mag das Stilmittel zwar das Innenleben der Protagonisten unterstreichen, doch in anderen Szenen stört es uns, da der Anime so oft unscharf eingefangen wird. Dafür entschädigt die gute deutsche Synchronisation, die bis auf ein paar Ausnahmen von falsch ausgesprochenen japanischen Begriffen, mit tollen Sprechern punkten kann. So sind unter anderem Corinna Dorenkamp (Fū), David Nathan (Mugen) und Markus Pfeiffer (Jin) zu hören. Fans des Originals freuen sich über die Stimmen von Nakai Kazuya, Kawasumi Ayako und Satō Ginpei. Der Anime-Serie liegen in der Gesamtausgabe ein Booklet mit Hintergrundinformationen und drei sehr schönen Postkarten bei, welche das Werk von Watanabe Shin’ichirō annehmlich abrunden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich bin ein großer Bewunderer von Regisseur Watanabe Shin’ichirō. Cowboy Bebop zählt bis heute zu den beeindruckendsten Anime, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Entsprechend muss sich Samurai Champloo an seinem vorherigen Werk messen lassen. Nachdem ich alle 26 Folgen des Anime in nur vier Tagen konsumiert habe, kann ich bestätigen, dass der Anime mit vielen Ideen von Watanabe gefüllt ist. Wie Cowboy Bebop beschäftigt sich Samurai Champloo mit ernsten Themen, die diesmal aber weniger die Charaktere direkt, sondern mehr die japanische Gesellschaft der Edo-Zeit betreffen, hinterfragen oder einfach nur darstellen sollen. Das für nahezu sämtliche Ausländer geltende Verbot Japan zu betreten wird ebenso vorgestellt wie auch das Ausleben einer christlichen Religion in Japan, welches unter Todesstrafe stand. Obwohl zu Beginn der ersten Episode darauf hingewiesen wird, dass der Anime keinen Anspruch auf historische Korrektheit erhebt, bietet er dennoch reichlich Ankerpunkte, die an die Tatsachen der Edo-Zeit erinnern. Außerdem werden alle Inhalte, die so abstrus erscheinen, dass sie unmöglich wahr sein können, sowieso unter anderem von einem Erzähler in die Geschichte, die niemand kennt, eingeordnet. Abschließend möchte ich noch betonen, dass man keinen Hip-Hop mögen muss, um Samurai Champloo genießen zu können. Obwohl ich mit der Musikrichtung wenig anfangen kann, mag ich ihre Einflüsse im Soundtrack. Besonders die Schwertkämpfe profitieren davon und machen den Anime so einzigartig, dass man ihn einfachen sehen muss.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samurai Champloo!

© manglobe / Shimoigusa Champloos (Abbildungen)

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