Review: Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 4)

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (1)Im letzten Film punktete zwar primär noch der Humor beim Zuschauer, doch damit ist nun Schluss. Die bisher schweigsamen Antagonisten treten endlich in den Vordergrund – eine altbekannte Gruppierung, die bösartiger kaum sein könnte.

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (2)Hirano Kōta zeigte mit Hellsing das klassische Vampirtum aus japanischer Sicht auf. Würde Bram Stoker diesen Manga lesen, würde dieser sich sicherlich im Grab umdrehen. Immerhin dichtete der Autor in seinem Original-Manga um den Vampir Dracula einen vielseitigen Epos, der auch nicht vor irgendwelchen Religionen, abstruser Gewalt oder gar dem deutschen Nationalsozialismus halt macht. Als hätte der königlich-protestantische Hellsing-Ritterorden mit den Katholiken nicht schon genug zu tun, steht hinter den letztlichen Massakern der vorherigen Teile auch noch ein größenwahnsinniger Major. Die versprengten Truppen des Dritten Reichs des nationalsozialistischen Regimes scheinen sich unter der Flagge dieses Majors zusammengefunden zu haben. Was in Europa vor einem halben Jahrhundert nicht gelang, versucht er nun mit einer gesamten Vampir-Armee erneut – das erste Ziel ist der historische Erzfeind England mit Hauptstadt London, dem Sitz von Hellsing. In diesem Film ist es interessant zu sehen, wie die unterschiedlichen Parteien gemeinsam auf diese neuen fürchterlichen Entwicklungen reagieren. Bevor sie es mit dieser Macht von außen aufnehmen, sollten sie zunächst aber einmal daheim für Ruhe und Ordnung sorgen.

Das verdrehte Klischee

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (3)Untote Nazi-Zombies sind bei weitem nicht das Innovativste, wenn es um Feindbilder in Filmen oder Videospielen geht. Neben der blinden Mord- und Zerstörungswut haben sie mit ihren verquirlten Idealen nicht sehr viele Qualitäten zu bieten. Da diese sehr einfach gestrickt sind, stechen daher die befehlshabenden Stellvertreter dahinter besonders hervor. Ausgeprägte Charaktermodelle gibt es sowohl auf Seiten von Hellsing, der Katholischen Kirche, aber auch der Nationalsozialisten. Neben dem Major wäre da zum Beispiel der katzenartige Schrödinger oder die Jägerin Rip van Winkel – die Namen sind hier tatsächlich Programm. Da können wir Alucard schnell verzeihen, wenn er sich durch die restlichen Gegnermassen schnetzelt, als gäbe es keinen Morgen mehr. Damit hält er sich im vierten Film sowieso doch etwas zurück. Anstatt gegen gewöhnliche Ghule oder Vampire anzutreten, gehen mit der Bedrohung der Nazis auch diese neuen stärkeren Feinde einher. Die Konfrontation mit diesen stellen für ihn dann weitaus anspruchsvollere Herausforderungen dar, die allesamt teuflisch in Szene gesetzt werden. Auch wenn Alucards Übermacht meist unmissverständlich klar ist, sind vor allem die Nationalsozialisten jederzeit hoch motiviert und zu allen Gräueltaten bereit, was jeden Kampf recht spannend wirken lässt.

Ohrensausen

Hellsing Ultimate OVA, Vol. 4 (Re-Cut) (4)Eine besondere Rolle nimmt in diesem Film Leutnant Rip van Winkel ein, eine begabte Scharfschützin, die es nur zu gern mit Alucard aufnimmt. Um die altdeutsche Stimmung zu untermauern, wurde der Soundtrack mit ein paar außergewöhnlichen Tracks aufgemischt. So stimmt Rip überraschenderweise gerne einmal Auszüge aus der Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber an. Solche absurden Szenen festigen zusammen mit der Zelebrierung der brutalen Action die sonderbare Atmosphäre, die den Zuschauern die japanische Herkunft des Werks unmissverständlich vor Augen führen. Ein Patzer in der Lokalisierung ist da dennoch zu bemängeln: Ein weiblicher Anhänger des Majors, der sich in diesem Film bisher nur mit einer kurzen Sprechrolle begnügte, wurde mit einer männlichen Stimme besetzt. Vom Äußerlichen ist das ohne zusätzlichem Wissen auch kaum zu erahnen und wirklich relevant ist der Unterschied momentan auch nicht, in den nächsten Filmen (die in Deutschland bis dato noch nicht erschienen waren) wird es allerdings spannend, wie damit umgegangen wird. Damit die Zuschauer die teilweise doch krassen beziehungsweise kritischen Inhalte keinesfalls falsch verstehen können, ist der Film auch der erste der Reihe, der unmissverständlich ab achtzehn Jahren freigegeben wurde.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die vierte Volume von Hellsing Ultimate macht ohne Abstriche genau dort weiter, wo die dritte Ausgabe aufgehört wurde. Die noch so schrecklichen Themen kann ich aber auch hier nicht wieder vollständig ernst nehmen, wie zum Beispiel, wenn der Nazi-Trupp – angeführt vom dicklichen Major – in Uniform durch das abstruse Setting des Hellsing-Universums stolpert. Abgerundet von der ikonischen Motivationsrede des Majors (die natürlich unmissverständlich an das Regime eines gewissen Diktators angelehnt ist), kann ich auch verkraften, dass der Action-Anteil zu Gunsten der erstmaligen weitreichenden Erzählungen etwas flach gehalten wurde. Damit den Figuren endlich klare Ziele und Motivationen vor Augen schweben, ist diese Ruhe vor dem Sturm sicherlich nötig.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hellsing Ultimate (Re-Cut, Vol. 4)!

© Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / Hellsing K.G. (Abbildungen)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s