Review: Ghost in the Shell – Stand Alone Complex (Staffel 1)

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex (Staffel 1) (1)Bereits 1989 schafft Manga-Autor Shirō Masamune mit Ghost in the Shell eine Manga-Reihe, die bis heute unter Fans Kultstatus genießt. Mitte der Neunziger Jahre folgte ein erster Kinofilm, der Anfang des dritten Jahrtausends in eine ganze Anime-Serie verwandelt worden ist.

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex (Staffel 1) (2)Die Anime-Serie Ghost in the Shell – Stand Alone Complex basiert zwar auf diesem Film, verlässt aber zuweilen bekannte Pfade. Sie erzählt die Geschichte von Sektion 9, welche im Japan der nahen Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2030, auf Verbrecherjagd geht. Allerdings sind ihre Aufträge nicht von der Polizei genehmigt, denn sie existieren nur inoffiziell und müssen somit im Geheimen operieren. Die Zusammenarbeit mit anderen Behören findet nur bedingt statt. Das Geschehen findet in Ghost in the Shell nicht standardisiert wie in vielen anderen Anime in Tōkyō statt, sondern in der fiktiven japanischen Metropole Niihama. Im Mittelpunkt der Handlung steht Major Kusanagi Motoko, die auf Geheiß ihres Vorgesetzten Chief Aramaki Daisuke für Ruhe und Ordnung sorgt. Unterstützt wird sie durch ihr mehrköpfiges Team der Sektion 9. Zu diesem Team gehören unter anderem Batō, der sich vor allem mit der Wartung der so genannten Tachikoma beschäftigt; spinnenartigen Roboterwesen mit eigenem Verstand, die während der Einsätze zum Transport und Erfüllen von besonderen Aufgaben eingesetzt werden. Da die Tachikoma nur vier Beine haben, widerspricht ihre äußere Gestalt den Naturgesetzen, wodurch gezeigt wird, dass sie sich von Spinnentieren oder gar Insekten abheben und als eigenständige künstliche Lebensform charakterisiert werden.

Vision der Zukunft

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex (Staffel 1) (3)Zum Team gehört ebenfalls Ishikawa, der sich allerdings eher im Hintergrund aufhält und vor allem Platz für den Charakter Togusa macht. Während in der Welt von Stand Alone Complex fast alle Menschen Cyber-Implantate nutzen oder gar ihren ganzen Körper gegen eine gänzlich nicht-menschliche Hülle ausgetauscht haben, ist der Charakter Togusa noch ein Mensch aus Fleisch und Blut. Damit steht er im direkten Kontrast zu Kusanagi, die ihren Körper aufgrund eines Unfalls aufgeben musste. Darauf beruht im Grunde auch der Titel des Anime, da mit Shell die Hülle eines Menschen und mit Ghost der Verstand oder gar die Seele gemeint ist. Anhand dieser Fakten lässt sich erkennen, dass Ghost in the Shell mit einer möglichen Vision von der Zukunft Ende der Achtziger Jahre geschrieben und gezeichnet worden ist. Von dieser mögen wir aufgrund heutigen Wissensstands noch lange entfernt sein, doch solche und weitere Science-Fiction-Elemente sind in Stand Alone Complex zahlreich vorhanden. Sie zeichnen ein fiktives Bild des Jahres 2030, welches sowohl von futuristischer Technik, als auch künftigen Retro-Elementen besteht, um einen wirklichkeitsnahen Kontrast herzustellen. Beispielsweise sind manche Häuser wie im späten 20. Jahrhundert eingerichtet, Batō fährt noch einen Oldtimer und Togusa bleibt natürlich seiner jahrzehntealten Handfeuerwaffe treu.

Fakten als Lückenfüller

Ghost in the Shell - Stand Alone Complex (Staffel 1) (4)Diese Gegensätze machen Ghost in the Shell trotz Einflüsse anderer westlicher Filme oder gar Anime wie Cowboy Bebop oder Patlabor einzigartig. Aufgrund der vielen Fakten, die Stand Alone Complex auszeichnen, ist es nicht immer leicht, die Zusammenhänge zu überblicken. Aus dem Grund wird die Rahmenhandlung um einen vermeintlichen Kriminellen, den sogenannten Lachenden Mann, auch nur alle paar Episoden fortgeführt. Hauptsächlich erzählt der Anime einzelne abgeschlossene Kriminalgeschichten, die sich im besten Falle direkt oder auf metaphysischer Ebene ergänzen. Das ist zwar ein spannendes Konzept, kann den einen oder anderen Zuschauer auf Dauer jedoch langweilen. Man sollte Stand Alone Complex unbedingt eine Chance geben, denn vor allem die letzten Episoden zeigen deutlich, wie die Technologie, die in den vorherigen Folgen gezeigt wird, von besonderer Bedeutung für die Story um Major Kusanagi und Co ist. Am Ende jeder Episode gibt es zudem einen Einblick in den Alltag der Tachikoma, die zunächst nervig und deplatziert wirken, später aber dermaßen lustig sind, dass man die Tachikoma schnell in sein Herz schließt. Auf technischer Ebene wurde die erste Staffel mit 26 Episoden sehr gut umgesetzt. Das Bild ist nur an gewollten Stellen unscharf und die Synchronsprecher unterstützen die Atmosphäre sowohl auf Deutsch, als auch auf Japanisch.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ghost in the Shell ist eine der Anime, um den ich bis heute herumgekommen bin. Wie ich das geschafft habe, weiß ich nach dem Ansehen der ersten Staffel auch nicht. Zumindest hat Stand Alone Complex mir deutlich gezeigt, wie aufwändig es ist, einen Anime mit reichlich Ideen und Fakten zu füttern, ohne dabei die Rahmenhandlung zu vergessen. Das ist hier nämlich leider der Fall, wird diese nur alle paar Episoden fortgeführt und zwischendurch werden abgeschlossene Kriminalgeschichten erzählt. Diese sind zwar auch nett, aber nicht detailliert genug geschildert. Bleibt man aber tatsächlich standhaft und schaut sich die Staffel bis zum Ende an, fällt einem auf, dass viele der Elemente, die in eben diesen Folgen vorgestellt werden, von elementarer Bedeutung für die Rahmenhandlung um den Lachenden Mann sind. Die 26 Episoden umfassende erste Staffel von Stand Alone Complex zeichnet dennoch ein vorstellbares Bild einer möglichen Zukunft, die mit genügend Science-Fiction-Elementen aufgewertet wird. Wenn man abgeschlossenen und kurzen Handlungsbögen abseits der Rahmenhandlung nicht abgeneigt und falls man Fan von dystopischen Science-Fiction-Werken wie Blade Runner, Psycho-Pass, Patlabor und Co ist, dann kommt man auch um Ghost in the Shell nicht herum.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ghost in the Shell – Stand Alone Complex!

© 2002-2004 Shirow Masamune-Production I.G/KODANSHA (Abbildungen)

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