Review: J-Stars Victory VS+

J-Stars Victory VS+ (1)Man nehme dutzende Charaktere aus verschiedenen Franchises und wirft sie in den Ring, wo sie gegeneinander antreten sollen. Das klingt im ersten Moment nach der Super-Smash-Bros.-Reihe von Nintendo, doch ist das Spiel am Ende mehr als nur ein stumpfer Abklatsch.

J-Stars Victory VS+ (2)Zunächst waren die Befürchtungen groß, denn Ende 2012 hat Sony mit PlayStation All-Stars: Battle Royale gezeigt, wie man es nicht macht. Die Entwickler haben das Erfolgskonzept einfach nur kopiert und Charaktere draufgeklatscht, die sich nicht einmal exklusiv auf Sony-Konsolen tummeln. J-Stars Victory VS+ geht einen gänzlich anderen Weg, den japanische Videospieler bereits seit März 2014 erleben durften. Anstatt Charaktere der Anime- und Manga-Welt nur in den Kampf zu schicken und zu hoffen, dass irgendwelche Items aufpoppen und den Figuren zum Sieg verhelfen, müssen diese sich gänzlich und allein auf ihre Fähigkeiten konzentrieren. Gummimensch Monkey D. Ruffy muss so seine Arme und Beine mit Bedacht sehr schnell vor- und zurückschnellen lassen, sodass die bekannte Gum-Gum-Pistole oder -Bazooka zum Vorschein kommt. Son Gokū hingegen kann sich wie in der Vorlage von Toriyama Akira von einem Ort zum nächsten teleportieren und sein gefangenes Opfer so hin- und herschleudern. Himura Kenshin aus Rurōni Kenshin kämpft dafür mit seinem Katana um die Vorherrschaft in der Auseinandersetzung. Neben den bereits genannten Charakteren haben es aber noch viele andere Figuren in die Riege der Kämpfer geschafft. Unter anderem dürfen wir mit Norimaki Arare, Kurosaki Ichigo, Uzumaki Naruto oder Toriko die zahlreichen Kämpfe des Beat ’em ups bestreiten.

Urkomischer Wahnsinn

J-Stars Victory VS+ (3)Die Kämpfe des Spiels laufen in der Regel gleich ab. Es treten bis zu drei Charaktere des eigenen Teams gegen ein anderes Team in einem dreidimensionalen Kampfgebiet gleichzeitig an. Zwei dieser Charaktere sind normale Kämpfer, die dritte Figur im Bunde ein so genannter Helfercharakter. Den können wir auf Knopfdruck rufen, sodass dieser uns hilft, den Feind zu verdreschen. Das ist besonders hilfreich, wenn dieser uns in die Mangel genommen hat und ein Entkommen fast unmöglich scheint. Zu den Helfercharakteren in J-Stars Victory VS+ gehören zum Beispiel Kirisaki Chitoge aus Nisekoi: Liebe, Lügen & Yakuza oder Kagura und Sadaharu aus Gintama, die gleich im Doppel antreten. Wenn sich der Kampf zu unserem Vorteil entwickelt, können wir auch den Siegestaumel aktivieren, sodass die beiden Hauptkämpfer bis zu zwei besondere Angriffe beginnen können. Nur so ist es Son Gokū möglich, zum Super-Saiyajin zu mutieren und eine Genkidama auf den Feind loszulassen. In Kombination mit all den anderen Elementen des Spiels ist das urkomisch. Ein Beispiel: Mit Ruffy und seinem Bruder Portgas D. Ace aus One Piece kämpfen wir im aus Dr. Slump bekannten Dörfchen Pinguinhausen und kämpfen gegen Ryōtsu Kankichi, der dort genau so deplatziert wirkt, wie Arare, wenn man sie zum Beispiel auf dem Planeten Namek aus Dragonball Z aussetzen würde – Toriyama hin oder her!

Geniale Umsetzung

J-Stars Victory VS+ (4)Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass J-Stars Victory VS+ in mehrere Spielmodi aufgeteilt ist. So gibt es zum einen den Abenteuermodus, in welchem wir unter anderem mit Pirat Ruffy in der so genannten J-Welt verschiedene Inseln ansiedeln, um dort in Kämpfen Erfahrungspunkte zu sammeln, seine Crew zu vergrößern und Aufträge für die hiesige Bevölkerung zu erledigen. Die Story ist recht banal, da es im Grunde nur auf die typischen Kämpfe hinausläuft. Das macht aber nichts, denn sehen diese sowohl im Abenteuermodus, als auch auf der Siegesstraße, in den freien Kämpfen oder online einfach nur genial aus. Das liegt zum einen am wunderbar umgesetzten Anime-Stil, vielen zerstörbaren Gebäuden und Objekten und auch an der japanischen Synchronisation. Zwar sind die Texte fast nicht vertont, doch hat jeder Charakter seine typische japanische Synchronstimme aus den verschiedenen Anime. Die hervorragende Präsentation wird mit bekannten, aber leider viel zu oft wiederholenden Musikstücken, atmosphärisch gut unterlegt. Selbst wenn man einige der umgesetzten Werke nicht kennt, beginnt man schnell mitzusummen. Am für ein Beat ’em up wohl wichtigsten Kriterium, nämlich die Steuerung, haben wir ebenso nichts auszusetzen. Anfangs wirkt die Steuerung zwar ein wenig überladen, aber nach ein bis zwei Spielstunden hat man sich daran gewöhnt und sie gemeistert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Wenn ein Spiel nur ansatzweise an Nintendos Super-Smash-Bros.-Reihe erinnert, kann man mich nach dem 2012 veröffentlichten PlayStation All-Stars: Battle Royale schnell auf die Palme kriegen. Uninspiriert und viel zu ähnlich fiel das Spiel aus, ohne auch nur eigene Ansätze wirklich gut umzusetzen. J-Stars Victory VS+ geht diesen Weg zum Glück nicht. Hier wird tatsächlich Wert auf die verschiedenen Kampfstile der Charaktere beziehungsweise deren Eigenschaften gelegt. Helden wie Monkey D. Ruffy wurden ihrem Vorbild getreu umgesetzt und so unterscheiden sich die Charaktere im Spiel wesentlich voneinander, doch lassen sie sich alle sehr ähnlich spielen, sodass man auch als Beat-’em-up-Neuling schnell Fuß in der J-Welt fassen und jede Menge Spaß mit Titel aus dem Hause Bandai Namco haben kann. Selbst wenn man nicht alle Anime kennt, die in J-Stars Victory VS+ zum Tragen kommen, so kann das Spiel dennoch unterhalten. Schade ist in meinen Augen nur, dass der Abenteuermodus sehr generisch wirkt und die Synchronstimmen hier so gut wie nicht zum Einsatz kommen. Das ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen, denn ich hoffe sehr, dass Bandai Namco noch einen Nachfolger produzieren lässt, der mit noch viel mehr tollen Ideen auftrumpfen kann. Jeder, der etwas für Anime und Beat ’em ups übrig hat, sollte bei J-Stars Victory VS+ unbedingt zuschlagen!

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von J-Stars Victory VS+!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s