Review: Selector Infected Wixoss (Vol. 1)

Selector Infected Wixoss (Vol. 1) (1)Anime, die auf Kartenspielen basieren oder diese thematisieren, sind schon ein alter Hut. Anders wie Yū-Gi-Ō nutzt Selector Infected Wixoss das Kartenspiel allerdings, um das Leben diverser Mädchen vorzustellen, die allesamt mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben.

Selector Infected Wixoss (Vol. 1) (2)Kominato Rūko ist ein Mädchen wie jedes andere. Das einzige, was sie von ihren Klassenkameradinnen unterscheidest, ist, dass sie keine Freunde hat. Sie geht mit diesem Sachverhalt sehr gut um und das weiß auch ihr Bruder Ayumu nur zu gut. Er hat für ihr Verhalten vollstes Verständnis. Die beiden leben jedoch bei ihrer Großmutter, die sich Sorgen um Rūko macht. Damit ihr Gemüt besänftigt wird, entscheidet sich Ayumu dazu, seiner kleinen Schwester ein besonderes Geschenk zu machen. Er schenkt ihr ein Starterdeck des titelgebenden Sammelkartenspiels Wixoss. Dieses ist bei beiden Geschlechtern sehr beliebt und Rūko erinnert sich sofort daran, dass ein paar Mädchen aus ihrer Klasse ebenfalls regelmäßig Wixoss spielen. Als sich Rūko ihr erstes Deck am Abend vor dem Schlafengehen anschaut, bemerkt sie jedoch eine ganz besondere Karte. Diese beginnt tatsächlich mit ihr zu sprechen, doch anscheinend ist es nur wenigen Menschen möglich, mit den Motiven auf solchen Karten zu kommunizieren. Ihre Großmutter vernimmt keine Stimme, die von der Karte ausgeht. Anders sieht es da schon mit Kurebayashi Yuzuki aus, welche am nächsten Tag in der Mensa auf Rūko aufmerksam wird. Es stellt sich im Gespräch zwischen den beiden heraus, dass man solch eine Karte als LRIG bezeichnet und der Besitzer nichts weiter als ein Selector, also ein Ausgewählter, ist.

Angst vor der Niederlage

Selector Infected Wixoss (Vol. 1) (3)Obwohl das Sammelkartenspiel von beiderlei Geschlechtern gespielt wird, werden im Anime bisher ausschließlich weibliche Spielerinnen charakterisiert. Jedes Mädchen kämpft mit einem anderen LRIG, um sich irgendwann einen geheimen Wunsch erfüllen zu können. Dieser Wunsch geht in Erfüllung, wenn man genügend Kämpfe gewonnen hat und ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Welche das sind, verrät man in den ersten sechs Episoden nicht. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man maximal zwei Kämpfe mit seinem LRIG verlieren darf. Verliert man den dritten Kampf, so verschwindet der LRIG und auch der Wunsch des Selectors wird nicht in Erfüllung gehen. Es kommt sogar noch schlimmer für den entsprechenden Kampfteilnehmer, doch aus Spoiler-Gründen wollen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen. Wer darauf hofft, wie in bekannten Anime wie im eingangs erwähnten Yū-Gi-Ō ein komplexes Regelwerk beigebracht zu bekommen, irrt sich gewaltig. Die Regeln bleiben gewollt im Hintergrund. In den ersten sechs Episoden wird kaum ein Wort über sie verloren und die Kämpfe sind nur Mittel zum Zweck, damit die Persönlichkeiten der Charaktere an Bedeutung gewinnen. So erfahren wir in jeder Minute, wie es um die Verfassung der Teilnehmerinnen steht, welche Wünsche sie haben und wie sie mit dem Konflikt umgehen.

Psychische Belastung

Selector Infected Wixoss (Vol. 1) (4)Die Angst vor dem Versagen und was dann passiert, wird gleich zu Beginn der Serie mit einer tollen Videospielmetapher unterlegt. In Rūkos Nachbarschaft in der japanischen Metropole Tōkyō wird gerade ein neuer Wolkenkratzer errichtet, der senkrecht in die Höhe schießt. Im selben Moment sitzt Ayumu im Wohnzimmer und spielt auf seinem Handheld kein geringeres Puzzle-Spiel als Tetris, wo der lange Stein gerade vier Reihen auflöst. Eine geniale Idee, die im Anime immer und immer wieder in Form von Versagensängsten dargestellt wird. Während Rūko sich erst noch auf einen persönlichen Wunsch einstimmen muss und somit noch nicht unter Druck steht, ist es für ihre neuen Freundinnen und Feindinnen Yuzuki, Uemura Hitoe, Aoi Akira und Urazoe Iona eine ungeheure psychische Belastung. Das artet zuweilen auch in mehr oder minder leichten Zickenkriegen aus, die besonders männlichen Zuschauern auf die Nerven gehen können. Trotzdem macht der Anime in anderen Belangen vieles richtig. Er setzt sich vom Kartenspiel gewollt ab und betont viel lieber das Innenleben der Charaktere und wie sie nach außen damit umgehen. Dadurch, dass die Serie im (späten) Herbst spielt und somit Laub auf den Straßen liegt, diffuses Licht exzellent eingesetzt wird und die Stimmung allgemein düsterer wirkt, kann Selector Infected Wixoss in dieser Kategorie hervorragend punkten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Gerne und offen gebe ich zu, dass ich mit einer völlig falschen Erwartung an den Anime herangegangen bin. Ich habe Selector Infected Wixoss sofort als Yū-Gi-Ō-Alternative für das weibliche Publikum eingestuft. Damit liege ich, wie ich nach dem Ansehen der ersten sechs Episoden zugeben muss, weit daneben. Wixoss, das Sammelkartenspiel, wird nur als Mittel zum Zweck eingesetzt. Der Anime baut zwar auf dem Kartenspiel auf, dreht sich allerdings nicht nur um dieses. Vor allem möcht der Anime mich in das Innenleben der Charaktere einführen und mir vor Augen halten, welcher Druck auf den Figuren lastet und wie sie schließlich damit umgehen. Das geht sogar soweit, dass ich den Anime als leichte Kritik der japanischen Gesellschaft ansehe. Da passen auch hervorragend die jungen Mädchen ins Konzept, denn schließlich müssen japanische Schulkinder unglaublich viele Informationen auswendig lernen und spätestens bei der Aufnahmeprüfung an einer Universität wiedergeben können. Sie stehen unter einem hohen Leistungsdruck und genau das wird von den Selectors im Anime ebenfalls erwartet, da die Konsequenzen mitunter furchtbar sein können. Ich bin sehr gespannt darauf, wie man die Serie in der zweiten Volume fortsetzen möchte und welche kritischen Akzente man noch setzen kann.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Selector Infected Wixoss (Vol. 1)!

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