Review: Splatoon

Splatoon (1)Auf der Electronic Entertainment Expo 2014 hat Nintendo im Rahmen des Digital Events das Wii-U-Spiel Splatoon angekündigt. Das frische Franchise hat sich binnen der ersten Wochen mehr als eine Million mal verkauft. In unserem Review hinterfragen wir jedoch den Erfolg.

Splatoon (2)Obwohl Splatoon vor allem auf dem Online-Modus aufbaut, wollen wir zunächst einmal auf die (fast versteckte) Einzelspielerkampagne des Titels eingehen. Wenn wir uns auf der Plaza, dem Ausgangspunkt des Spiels, einmal genauer umsehen, entdecken wir den aus einem Gulli schauenden Kapitän Kuttelfisch. Folgen wir ihm, landen wir in einer Welt unter der Metropole, die ein wenig an Japans Hauptstadt Tōkyō erinnert. In dieser Welt schweben Plattformen umher und überall haben sich die gemeinen Oktarianer verschanzt, die es zu besiegen gilt. Die Oktarianer haben nämlich den großen Elektrowels vom Turm in der Stadt geklaut, sodass der Metropole langsam die Energie ausgeht, da der Elektrowels sie mit Strom versorgt. Wann wir die Kampagne jedoch angehen, ist vollkommen uns überlassen. Es gibt leider keinerlei negative Auswirkungen, wenn wir den Elektrowels gar nicht retten wollen. An dieser Stelle hätte Splatoon ruhig etwas großzügiger mit Belohnungen sein können. Trotzdem macht die Suche nach den vielen kleinen und dem einen großen Elektrowels jede Menge Laune. Wenn wir eine der Oktarianer-Luken aufgespürt haben, bespritzen wir sie mit Farbe, um das Level betreten zu können. Die verschiedenen Levels erinnern stark an die klassischen Spielabschnitte aus dem Gamecube-Klassiker Super Mario Sunshine, in denen viel Geschicklichkeit gefordert ist.

Humanoide Tintenfische

Splatoon (3)In Splatoon dreht sich jedoch bei Weitem nicht alles nur um Geschicklichkeit. Im Vordergrund steht Farbe, die Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist. Damit können wir nicht nur Kisten zerstören und Gegner abschießen, sondern auch Teile der Spielwelt verändern. So können wir Ballons damit vollpumpen, welcher daraufhin platzt und den Radius um ihn herum in Farbe tränkt. Außerdem können wir kleine Schwämme mit Farbe volltanken, die daraufhin eine wesentlich größere Form annehmen. Wir können aber auch selbst den Boden und die Wände mit Farbe bespritzen, damit wir diese Oberflächen als taktische Elemente nutzen können. Unser Charakter ist nämlich ein so genannter Inkling, ein weiblicher oder männlicher humanoider Tintenfisch, der sich flugs in seine Tintenfischform verwandeln und so in der Farbe tauchen kann. Auf diesem Wege sind wir viel flotter, können zeitlich richtig abgestimmt große Sprünge vollführen und auf anderen Plattformen landen. Aufpassen sollten wir nur auf andere Farben, denn wenn wir damit in Berührung kommen, werden wir erst verlangsamt und können von den Oktarianern anschließend schnell ausgeschaltet werden. Zusätzlich warten in der Einzelspielerkampagne noch ein paar Bossgegner auf uns, die nur mit einer bestimmten Taktik besiegt werden können. Vor allem der herausfordernde Endboss hat es uns hier angetan.

Taktische Elemente

Splatoon (4)Jetzt müsst ihr euch diese taktischen Elemente des Spiels in Kombination mit dem Mehrspielermodus vorstellen. Hier treten zwei Teams, bestehend aus jeweils vier Inklingen, gegeneinander an. Ziel des Spiels ist es jedoch nicht, so viel Abschüsse wie möglich zu machen, sondern möglichst viele Quadratmeter des Schlachtfelds in der Team-Farbe einzufärben. Ist ein großer Bereich eingefärbt, heißt das aber noch lange nicht, dass einem der Sieg sicher ist. Der Gegner kann diesen Bereich nachträglich mit seiner Farbe übersprühen und so das Gleichgewicht wiederherstellen oder gar einen Vorteil für sich gewinnen. Es ist jedoch nicht zwangsweise jeder Spieler mit einer Pistole ausgerüstet. Je öfter man online gegen andere Teams antritt, desto mehr Punkte und Geld sammelt man. Mit Punkten steigen wir Stufen auf und schalten in den Läden neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände frei. Unter den Waffen befinden sich zum einen die bereits erwähnten und zudem stark schadenverursachenden Pistolen und zum anderen Flinten mit höherer Reichweite, Scharfschützengewehre und Farbroller. Die Waffen bieten unterschiedliche Möglichkeiten, das Schlachtfeld in Farbe einzutunken. So ist es mit dem Farbroller wesentlich schneller möglich, einen Großteil der Böden des Schlachtfelds einzufärben, doch ist es so nicht möglich, Wände einzufärben, um sie taktisch zu nutzen.

Keine Renaissance

Splatoon (5)Das klingt nach dem Heiligen Gral, der eine Renaissance im allgemeinen Shooter-Genre einleiten könnte, welches seit Jahren quasi auf der Stelle tritt. Splatoon ist das aber bei Weitem nicht. Die grundlegenden Elemente des Spiels sind Nintendo wirklich gelungen, doch hapert es am Ende wieder einmal an der Umsetzung des Spiels. Zwar betritt Nintendo hier vermutlich internes Neuland, doch muss der Konzern lernen, allgemeine Standards zu akzeptieren, bevor man inkrementelle Innovationen anstrebt. Das liegt vor allem am grauenvollen Matchmaking-System des Spiels. Man wird von Anfang an direkt wahllos mit Spielern zusammengewürfelt, die bereits seit dutzenden Stunden Splatoon spielen. Sind gleich alle im Team neue oder noch unerfahrene Spieler, kommt es sehr häufig vor, dass diese vom Gegner sehr schnell und mit Leichtigkeit besiegt werden. Erst ab der zehnten Stufe wird der Revierkampf freigeschaltet, der das grundlegende Spielkonzept ein wenig aushebelt. Hier sollte zwar weiterhin die Umgebung eingefärbt werden, doch geht es in erster Linie darum, einen fahrbaren Turm zu kapern und in die gegnerische Basis damit einzudringen. Gelingt dies, erhält das feindliche Team keinerlei Punkte. Im Standardkampf ist es so, dass man für seine eigenen Bemühungen genau belohnt wird. Beide Bewertungssysteme sind nicht optimal und verbesserungswürdig.

Mangelhafter Online-Modus

Splatoon (6)Es darf zudem nicht unerwähnt bleiben, dass man die Waffe während einer laufenden Partie nicht wechseln kann. Somit ist es nicht möglich, dass wir uns auf eine veränderte Situation in keiner Weise einstellen können. Überlaufen uns beispielsweise die Gegner mit Farbrollern, während wir uns nur mit einem Scharfschützengewehr verteidigen können, haben wir absolut keine Chance, die Partie irgendwie zu gewinnen. Wenn wir mit denselben Mitspielern weiter Seite an Seite kämpfen wollen, müssen wir selbst nach der Partie unsere Waffe behalten. Hier hilft es nur, den Kampf nach der Partie abzubrechen und eine neue Waffe zu wählen, die dann in einem der beiden möglichen Schlachtfelder vielleicht sogar sehr suboptimal ausfällt. Nintendo hat auch an dieser Stelle geschlampt. So wählt der Konzern anscheinend tagesaktuell zwei Arenen pro Modus aus, die bestritten werden können. Warum man den Spielern selbst nicht die Wahl lässt, ist uns zweifelhaft. Bei Mario Kart 8 funktioniert das schließlich auch. Immerhin lassen sich alle Waffen und gar die Schlachtfelder abseits des eigentlichen Geschehens nach Lust und Laune testen, doch sind diese Tests oft nutzlos, da optional keine computergesteuerten Figuren ins Geschehen eingreifen, obwohl diese in der Einzelspielerkampagne auftreten. Splatoon bleibt eine gute Idee, die leider nicht sehr gut umgesetzt wurde.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Ich habe mich wirklich sehr auf Splatoon gefreut. Bereits im letzten Jahr konnte ich es auf der Gamescom 2014 anspielen. Die ersten Eindrücke waren durchweg positiv, doch habe ich in den letzten Monaten selbstverständlich erwartet, dass Nintendo noch wesentlich am Spiel schrauben wird. Das war anscheinend leider nicht der Fall. Mir gefällt zwar vor allem die Einzelspielerkampagne, doch fällt diese mit circa fünf bis sechs Stunden Spielzeit sehr kurz aus – trotz der vielen tollen Ideen, die wunderbar als Tutorial für den langwierigen Online-Modus dienen. Diese kurze Spielzeit ist zwar einer der negativen Standards des Genres, doch dem japanischen Unternehmen habe ich hier wesentlich mehr zugetraut. Dafür habe ich gehofft, dass mich Splatoon langfristig an die Wii U fesseln wird, da das Augenmerk vor allem auf dem Online-Modus liegt. Hier ist es zunächst ärgerlich, dass genau acht Mitspieler vorhanden sein müssen. Kleinere Teams sind nicht gestattet und computergesteuerte Mitspieler kommen ebenfalls nicht zum Zug. Der Online-Modus macht zudem auch nur bedingt Spaß, sofern es mal dazu kommt, dass die Teams ausgeglichen sind. Mich ärgert das schlechte Matchmaking sehr, welches noch dazu unterstützt wird, dass man sich mit seinen Mitspielern überhaupt nicht vernünftig absprechen kann. Das funktioniert höchstens, wenn ich mit Freunden spiele und auch nur, wenn ich eine weitere Peripherie mit Skype und Co benutze. Ebenso ärgert es mich, dass ich nicht während einer laufenden Partie (in geregelten Abständen wohlgemerkt) meine Waffe wechseln darf. So kann man sich unmöglich auf veränderte Begebenheiten einstellen. Neben dem Standard- und dem Rangkampf gibt es zudem keine weiteren Spielmodi. Nintendo war so motiviert, ein neues Franchise zu schaffen, dass wichtige Spiel-Elemente nicht beachtet worden sind. Zwar verspricht Nintendo sich in den nächsten Monaten um das Spiel zu kümmern und neue Inhalte regelmäßig nachzuliefern, doch zum jetzigen Zeitpunkt kann man Splatoon noch im Regal stehen lassen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Splatoon!

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