Review: Art Academy: Atelier

Art Academy Atelier (1)Fast schon jährlich schickt uns Nintendo seit 2009 auf die Kunstakademie. Was als Download-Software auf dem Nintendo DSi begann, mauserte sich ein Jahr später bereits zum Retail-Titel für den alten Nintendo DS. 2015 bekommt auch die Wii U ihr eigenes Spiel spendiert.

Art Academy Atelier (2)Die Art-Academy-Reihe hat in den letzten sechs Jahren eine stete Entwicklung durchgemacht. Zwar konnte uns bisher kein einziger Serienteil vollends überzeugen (und Art Academy: Atelier macht hierbei vorweg keine Ausnahme), doch haben die Entwickler zumindest immer am Spielkonzept gefeilt und es oft verbessert. Das Szenario ist dabei dasselbe wie damals auf dem alten Nintendo DS: Wir gehen bei Künstler Vincent in die Lehre. Dieser ist mit seinem mittlerweile ausgewachsenen Hund Bacon in die malerische Landschaft von England gezogen, wo wir in seinem Atelier diverse Werkzeuge und Kniffe des Malens und Zeichnens kennenlernen. Wenn wir die Vorgänger schon gespielt haben und somit nicht mehr ganz so vieles von ihm lernen können, dürfen wir uns direkt an der Leinwand austoben. Für all jene, die bisher noch nie Hand an einen Teil der Art-Academy-Reihe legen konnten, bieten sich die Einsteigerkurse an. Hier lernen wir die Grundlagen des Spiels kennen, erfahren wie wir unsere Motive formen, betonen und einfärben. Einfache Landschaften oder Stillleben, wie Tomaten oder Äpfel, die auf einem Tisch liegen, werden hier behandelt. Vincent geht mit uns Schritt für Schritt das Malerhandwerk durch und lässt auch keine Informationen offen, die richtige Künstler nicht beachten würden. Anfänger werden hier behutsam an die Hand genommen.

Werkzeuge eines Künstlers

Art Academy Atelier (3)Wer sich schon ein wenig mit dem Malen und Zeichnen auskennt, kann die Einsteigerkurse auch überspringen und direkt in die Fortgeschrittenenkurse einsteigen. Hier warten dann schon schwierigere Stillleben wie Katzen oder Büsten auf uns. Komplexe Landschaften sind ebenfalls Bestandteil dieser Kurse. Haben wir alles gelernt, was uns Meister Vincent beibringen kann, so dürfen wir uns in den Werkzeugkursen wahrhaftig austoben und unseren richtigen Umgang mit Bleistiften in verschiedenen Stärken, Buntstiften, Pastellkreide, Zeichenkohle, Wasserfarben und sogar unterschiedlichem Papier demonstrieren. Dadurch, dass das Wii U GamePad, über welches wir sämtliche Aktionen ausführen, den Bildschirm mit der bisher höchsten Auflösung bei Nintendo-Systemen bietet, können wir unsere Eingaben sehr viel genauer bestimmen, als noch bei den Vorgängern. Zusammen mit der Zoom-Funktion und dem Gitternetz, können wir sehr effektiv unsere Fortschritte erarbeiten. Während die Lektionen sowohl auf dem Bildschirm des Wii U GamePads, als auch auf dem Fernsehbildschirm von Vincent in unsynchronisierten Texten und Beispielen erklärt werden, findet das Zeichnen nur auf dem GamePad statt, während die Vorlage auf dem Fernsehbildschirm verbleibt. Das ist realistischer als noch auf den Handhelds, erfordert zugleich aber deutlich mehr Konzentration.

Präsentation der Kunstwerke

Art Academy Atelier (4)Haben wir erst einmal ein paar Kunstwerke auf die Leinwand gebannt, dürfen wir sie auch mit der Welt teilen. Entweder stellen wir sie in einer privaten Galerie aus, wo sich Familienmitglieder umsehen dürfen oder wir laden sie ins Miiverse hoch, wo andere Spieler unsere Bilder gar kommentieren können. Alternativ dürfen wir den Malvorgang in Videoform auch auf YouTube hochladen oder das Bild auf einer SD-Karte speichern und am PC ausdrucken. Leider liegen die Bilder in Dateiform maximal in einer Auflösung von 1024 mal 768 Bildpunkten vor. Wir hoffen sehr, dass Nintendo mittlerweile erkannt hat, dass die Wii U auch eine HD-Konsole ist und einfache Bilder in Full-HD-Auflösung ausgeben kann. Ansonsten können wir an der Technik des Spiels nur wenig bemängeln. Die mittellangen Ladezeiten fallen zwar gelegentlich nervig auf, stören das Gesamterlebnis aber kaum. Das Malen wird zudem vom bekannten ruhigen Soundtrack unterlegt, wodurch ein entspannendes Gefühl aufkommt. Das alte Problem bleibt mit Art Academy: Atelier dennoch bestehen. Zwar verkauft Nintendo den Titel als Lernspiel, doch ist und bleibt es eine Simulation. Man wird zwar viel übers Zeichnen in den gut strukturierten Lektionen lernen, doch ein Ersatz für Pinsel und Co ist der dürre Stylus sicherlich nicht. Hier verspricht Nintendo dem Kunden definitiv zu viel.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als Nintendo im letzten Jahr Art Academy: SketchPad veröffentlicht hat, ging es mit dem Franchise ein wenig bergab. Für günstige vier Euro bot man Spielern zwar die Möglichkeit, das Miiverse mit deutlich schöneren Kunstwerken zu füllen, doch mehr Optionen wurden nicht geboten. Die Bildbearbeitungssoftware versprach immerhin Lektionen, doch die wurden bis zum heutigen Tage nicht veröffentlicht und ob diese noch nachgereicht werden, darf dank Art Academy: Atelier stark bezweifelt werden. Bis auf die originalen Ursprünge auf dem DSi habe ich zudem jeden Titel der Reihe gespielt und mehr oder weniger genutzt, um meine Skills zu verbessern. Die grundlegende Idee finde ich super und zwischenzeitlich ist die Art-Academy-Serie eine erholsame Alternative fernab von reaktionsfordernden Spielen. Es gibt wieder einmal viele Möglichkeiten, wie man Kunstwerke aufs Papier bannt und abermals wird die Kulisse sowohl mit Vincent und seinem Hund Bacon, als auch mit einem ruhigen Soundtrack wunderbar unterlegt. Vielleicht mag es an meinem bescheidenen Können liegen, aber wirkliches Malen und Zeichnen lerne ich mit der Simulation nur in der Theorie. Das Gefühl wird in die Praxis nicht übernommen, da haptische Merkmale niemals vollkommen übertragen werden können, wenn man alle Werkzeuge nur mit dem immer gleichen Stylus auf dem unveränderbaren Wii U GamePad nutzt. Nintendo sollte sich überlegen, wie sie den Titel nach außen hin verkaufen, auch wenn das Ziel der Software im Kern sehr, sehr löblich ist.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Art Academy: Atelier!

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